Frauen in Führung Betriebskita sticht Dienstwagen
Der Ellenbogen als wichtigster Helfer, nicht lange fackeln bei Entscheidungen - das sind Merkmale, die man eher mit männlichen Chefs verbindet. Doch solche Macho-Eigenschaften, so stereotyp sie auch sein mögen, garantieren in den heutigen Führungsetagen nicht mehr allein den Erfolg - im Gegenteil. Inzwischen, so sagt Deutsche Bank-Managerin Martina Eich-Ehren, "zählen Werte, die eher den Frauen zugeschrieben werden". Frauen als Chefs gelten vielen als teamfähiger, fürsorglicher, kreativer, aber auch mutiger, realistischer und stress-resistenter. Doch führen Frauen Unternehmen wirklich anders - und deswegen besser?
"Jein", sagt die Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU), Stephanie Bschorr. Der Führungsstil von Frauen und Männern unterscheide sich zwar nur in Nuancen, die aber könnten entscheidend sein.
Laut einer am Montag vom VdU-veröffentlichten Studie setzen weibliche Chefs andere Prioritäten als Männer. Die Frauen nähmen Kundenbindung wichtiger und setzten eher auf Weiterbildungen statt auf Dienstwagen oder Boni. Groß seien die Differenzen in der Unternehmensführung aber nicht, betonte VdU-Präsidentin Stephanie Bschorr. "Es sind die Nuancen, die den kleinen, aber wesentlichen Unterschied ausmachen."
Rare Spezies: Karrierefrauen in Deutschland
Der Verband ließ rund 440 seiner Mitglieder sowie anonym 200 Führungsspitzen aus dem Mittelstand - darunter Männer und Frauen - befragen. Die Unternehmerinnen hätten sich dabei deutlich mehr als die Vergleichsgruppe als Dienstleister gesehen. Kunden- und Mitarbeiterbindung stehen in ihrem Management-Konzept ganz oben, sagte VdU-Geschäftsführerin Carlotta Köster-Brons. Aus persönlichen Erfahrungen wüssten sie, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eher an ein Unternehmen binde als Bonuszahlungen.
In frauengeführten Unternehmen müssen die Mitarbeiter öfter auf Dienstwagen und Boni verzichten. Dafür gibt es Weiterbildungen, Heimarbeit oder Betriebskitas. "Ich vermittle, es ist cool, wenn Väter Elternzeit nehmen", erzählt Bschorr, die eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft leitet. Die männlich dominierte Vergleichsgruppe dagegen konzentriert sich neben den eigenen Mitarbeitern auf Finanzen und Investitionen.
Am besten männlich und weiblich zugleich
Frauen im Führungsteam seien stilbildend, sagt auch Ulrich Vogel vom Personaldienstleister Profilingvalues. "Dann gehen Zahlen nicht mehr über alles und Althergebrachtes wird infrage gestellt."
Doch der weibliche Führungsstil allein verspreche noch längst keinen Erfolg, meint Wirtschaftsberater Walter Simon. "Eine gute Führungskraft muss männlich und weiblich zugleich sein." Mitarbeiter brauchten Einfühlungsvermögen genau wie Druck, ein Unternehmen rationales Zahlendenken wie Intuition. Studien, nach denen Unternehmen mit Frauen im Vorstand bessere Betriebsergebnisse erzielen, hält Simon für empirisch nicht belastbar.
Noch sind fast 90 Prozent der Aufsichtsrats- und Vorstandsposten bei börsennotierten Unternehmen mit Männern besetzt. Doch die Frauenoffensive auf die Chefsessel ist inzwischen auch bei den großen Konzernen angekommen. Bei der Deutsche Bank sind laut Eich-Ehren 40 Prozent der Aufsichtsräte Frauen. Auch auf Mitarbeiterebene solle bis 2018 eine selbst auferlegte Frauenquote von 25 bis 35 Prozent erreicht werden. Bei der Deutschen Bahn soll bis 2015 jede fünfte Führungskraft weiblich sein. Die Telekom hat eine Quotierung bei Stellenbesetzungen und Managementprogrammen eingeführt.
Auch in der Politik ist die Frauen-Quote Thema: Am 18. April entscheidet der Bundestag über eine gesetzliche Regelung zur Quotierung von Aufsichtsräten.