Jobsuche: Trends auf dem Arbeitsmarkt 2016 - DER SPIEGEL
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Recruiting-Trends So gelingt 2016 die Jobsuche

Was kommt im nächsten Jahr auf Bewerber zu? Karriereberaterin Svenja Hofert hat sieben Trends auf dem Arbeitsmarkt identifiziert - und erklärt, wie man am besten auf sie reagiert.
Skypen, statt persönlich zu treffen: Darauf setzen immer mehr Arbeitgeber
Skypen, statt persönlich zu treffen: Darauf setzen immer mehr Arbeitgeber

Skypen, statt persönlich zu treffen: Darauf setzen immer mehr Arbeitgeber

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
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Svenja Hofert ist Karriere- und Managementcoach  und hat mehr als 35 Bücher geschrieben, unter anderem "Agiler Führen" und "Karriere mit System".

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1. Spezialkenntnisse sind gefragt

Es gibt immer noch genügend Bewerber auf freie Stellen, von flächendeckendem Fachkräftemangel an Akademikern kann keine Rede sein. In Norddeutschland kommen nach meiner Erfahrung etwa 30 bis 40 Bewerbungen auf viele Fach- und Führungspositionen, in beliebten Feldern wie Marketing, vor allem im Produktmanagement, sind es oft drei bis vier Mal so viel. Aber: Die Anforderungen an die Spezialkenntnisse steigen.

Immer noch bewerten Firmen konkrete Fachkenntnisse höher als andere Fähigkeiten. So ist es oft schwierig und langwierig, die Branche oder Funktion zu wechseln. "Sie haben ja kein Netzwerk in der Branche." "Ihnen fehlen die Programmierkenntnisse in Y." "Sie kennen das Tool X ja gar nicht." Selbst Bewerber, die bereit wären, zurück auf Start zu gehen, treffen selten auf Wohlwollen. Hier hilft nur eins: systematisch Kaffee trinken mit den richtigen Leuten. Und Geduld haben.

Mein Tipp: Versuchen Sie, klassische Bewerbungswege zu vermeiden, denn dort wird fast nur nach formalen Kriterien gesiebt. Suchen Sie das persönliche Gespräch, und wenn Sie jemanden kennen, gehen Sie immer den Weg über die Empfehlung.

2. Geld verdienen ist nicht alles

Zu Beginn eines Beratungsgesprächs lege ich meinen Kunden ein Karrierestandortfinder-Modell vor. 2015 haben besonders viele mit dem Finger auf einen Kreis getippt mit dem Wort "Sinn". Es waren Marketingleute, die keine Konsumenten mehr beeinflussen wollen, Vertriebler, die ehrlich zu ihren Kunden sein möchten. Die Sinnsuche beschäftigt längst nicht mehr nur Bewerber der Generation Y.

Mein Tipp: Es kann für die Neupositionierung Richtung Sinn nur individuelle Lösungen geben. In jedem Fall brauchen Sie Willenskraft und Strukturiertheit, um Veränderungspläne konsequent umzusetzen. Ein bisschen "Sinn-Shopping" beim Karriereberater bringt nichts, man muss auch umsetzen, Durststrecken akzeptieren, eventuell Geld zuschießen. Und aufhören zu denken, dass es normal sei, sechsstellig zu verdienen.

3. Nicht-technische Akademiker haben es schwer

2015 haben so viele hochqualifizierte Menschen wie noch nie meinen Rat gesucht. Viele haben promoviert und sogar mehrere Studienabschlüsse parallel erworben. Doch die Akademisierung ist nicht auf dem Massenmarkt angekommen. Es gibt nur wenige Stelleninserate, die sich explizit an Akademiker richten. Und in den meisten Online-Bewerberformularen lässt sich nur ein Studienabschluss eintragen.

Viele Abschlüsse wirken sich nicht immer nur positiv auf die Karriere aus - vielfach punkten die besonders hochqualifizierten Bewerber genau wegen ihrer Vita nicht. Mein Eindruck ist, dass Arbeitgeber zwar eine enorme Spezialisierung im technischen Bereich fordern, die nicht-technischen Akademiker aber schwer aufnehmen und auch nicht entwickeln wollen. Ich bin ja der Meinung, dass ein Sprachwissenschaftler, der sich mit Dekonstruktion und ähnlichen Themen beschäftigt hat, auf einer verbalen Ebene mindestens so analytisch denken kann wie ein Physiker, was etwa im Online-Marketing super wertvoll wäre. Das wird indes selten so gesehen.

Mein Tipp: Wer über einen Master als Zweit- oder Drittstudium nachdenkt, sollte sich genau überlegen, wo er damit hinwill. Bekannte, vermeintlich sichere Fächer sind meist nicht jene, die zum Arbeitsmarkt passen.

4. Besser gefunden werden auf Xing und LinkedIn

Seit einiger Zeit versucht Xing mir mit immer neuen Vorschlägen seine Keywords schmackhaft zu machen. Statt "Karrierecoaching Ausbildung" sollte ich bitte "Coaching" bieten. Täglich belehre ich die Maschine: Passt nicht, passt nicht, auch nicht. "Haben wir Sie richtig verstanden?", fragt Xing. Meistens nicht. Mein Profil ist aber auch etwas speziell. Die Suchmaschine lernt schnell - so bin ich zuversichtlich, dass sich das Blatt für die meisten Xing-Nutzer durch immer spezifischere Suchwörter zum Besseren wenden wird. Dass die Trefferquote steigt, habe ich dieses Jahr auch bei Kunden gemerkt. Es werden mehr über Xing und LinkedIn angesprochen und die Anfragen werden spezifischer. Ich habe nicht mehr so oft von Fällen gehört, bei denen jeder per Serienbrief angesprochen wurde, der "Java" im Profil stehen hat.

Mein Tipp: Xing und LinkedIn zuarbeiten, um besser gefunden zu werden.

5. Skypen erspart lange Anreisen

Skype-Interviews werden für immer mehr Firmen und Personalberater zum Recruiting-Instrument. Nicht mehr nur Berufseinsteiger, sondern auch Führungskräfte der zweiten Ebene werden vor den Computer gebeten. Skype ist jetzt häufiger der zweite Schritt nach dem Telefonat. Das finde ich eine gute Sache, denn so können sich beide Seiten manch teure Anreise sparen, um wichtige Fragen zu klären und den ersten Eindruck zu checken.

Mein Tipp: Bereiten Sie sich vor und machen Sie einen Test: Wie sitzen Sie, was sieht man in Ihrem Umfeld? (Wie die perfekte Vorbereitung aussieht, lesen Sie hier.)

6. Ab zum Eignungstest

Im langfristigen Trend immer beliebter werden Tests. Leider, denn die meisten Unternehmen wenden diese stümperhaft an. Wenn ein MBTI nach drei Vorstellungsgesprächen angewendet wird, um zu prüfen, ob die gesuchte Person ein "ENTJ" ist, also eine richtige Führungsperson im Klischeebild von Menschen, die nicht wirklich verstehen, was sie da tun, dann läuft da eine ganze Menge schief. Dieser Typenindikator ist erstens nichts fürs Recruiting und zweitens war die Idee nie, Menschen in Schubladen zu zwängen. Ich kann nur an HR-Abteilungen appellieren, verantwortungsvoll mit Persönlichkeitstests umzugehen. Im Recruiting haben nur wirklich valide Methoden etwas zu suchen - und die lassen sich an einer Hand abzählen.

Mein Tipp: Fragen Sie, welchen Stellenwert ein Test im Prozess hat. Und fordern Sie eine Rückmeldung, was die Ergebnisse waren und wie diese in die Entscheidung einbezogen werden oder nicht.

7. Englisch, ehrlich, aber ohne Foto

Früher gab es die Regel: Englische Stellenanzeige, englische Bewerbung. Deutsche Stellenanzeige, deutsche Bewerbung. Inzwischen stelle ich fest, dass immer mehr Bewerber nur noch ihren englischen Lebenslauf nutzen und damit gut fahren. Eine Zeitlang war es notwendig, zwei Versionen parallel zu pflegen - in internationalen Umfeldern ist das nicht mehr so. Ein Lebenslauf reicht, Anschreiben ist oft nicht wichtig oder nicht nötig. Internationale Unternehmen mögen auch kein Foto, was eher schwer in die Köpfe deutscher Bewerber zu bekommen ist. Weiterer Trend ist die ehrliche Bewerbung, in der Bewerber auch mal sagen, was sie nicht können.

Mein Tipp: Schreiben Sie eine Erläuterung dazu, wenn Sie einen fantasievoll benannten Studiengang belegt oder in einem weniger bekannten Unternehmen gearbeitet haben, zum Beispiel "Firma xy ist weltweiter Marktführer im Bereich x".