Einstellungstests Ich werd Chef, ich muss nix beweisen
Viele Unternehmen nutzen diverse psychologische und diagnostische Tests für die Einstellung von Fachkräften - aber deutlich seltener bei der Besetzung von Chefposten. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die Unternehmensberatung Kienbaum am Donnerstag vorstellte.
Demnach wenden 92 Prozent der Firmen solche Tests an, wenn sie Fachkräfte für eine Stellenbesetzung prüfen. Für Jobs "auf höchster Führungsebene" werden sie nur von rund jedem zweiten Unternehmen genutzt. Im obersten Management genüge häufig ein guter Eindruck im persönlichen Gespräch, teilte Kienbaum mit. Die Beratungsgesellschaft hatte nach eigenen Angaben mehr als hundert Personalverantwortliche weltweit zu dem Thema befragt.
Wenn sich Unternehmen "bewusst gegen aufwendige Eignungsdiagnostik entscheiden, weil sie Kandidaten intensiver in persönlichen Gesprächen und in einer ungezwungenen Umgebung kennenlernen wollen, ist das völlig in Ordnung", sagte Hans Ochsmann, Geschäftsführer bei Kienbaum. Problematisch sei es aber, wenn die psychologische Seite der Eignung einer Führungskraft "völlig ausgeblendet wird, weil es bequemer ist".
Die häufigste Methode, um Kandidaten für einen Job als Fachkraft vor einer möglichen Einstellung zu testen, ist der Umfrage zufolge ein Interview und eine fachliche Handlungssimulation. In etwa zwei von drei Unternehmen kommt diese Kombination oder ein Interview zum Einsatz, wenn Positionen auf unteren Führungsebenen besetzt werden.
Soll dagegen ein Chefsessel auf Vorstands- oder Geschäftsführerebene vergeben werden, sind Handlungssimulationen deutlich seltener. Die häufigste Methode sei hier ein persönliches Gespräch, ergab die Studie.
Ein weiteres Ergebnis: Werden Chefs auf ihre Eignung getestet, sind Personalabteilungen daran seltener beteiligt als bei Fachkräften. Je höher ein Bewerber in der Unternehmenshierarchie angesiedelt ist, desto eher übernimmt ein externer Berater die Diagnostik.
Auf Fachkräfte-Ebene bindet nur etwa jede vierte Firma externe Berater ein. Auf Entscheider-Ebene hingegen greifen etwas mehr als die Hälfte der Firmen auf die Dienste von Beratern zur Entwicklung und Durchführung von Tests zurück.