So feilscht ein Rikschafahrer in Kambodscha - DER SPIEGEL
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Rikschafahrer in Kambodscha "Chinesische Touristen finden alles zu teuer"

Wie setzt man sich als Rikschafahrer in Asien gegen die Konkurrenz durch? Kimleng Sang feilscht nicht gern, erzielt aber trotzdem gute Preise. Dabei hilft ihm, dass er Ahnung von Fotografie hat.
Kimleng Sang fotografiert und fährt Motorrad-Rikscha in Siem Reap in Kambodscha
Kimleng Sang fotografiert und fährt Motorrad-Rikscha in Siem Reap in Kambodscha

Kimleng Sang fotografiert und fährt Motorrad-Rikscha in Siem Reap in Kambodscha

Foto: Kimleng Sang
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

KarriereSPIEGEL: Herr Sang, Sie fahren Touristen mit Ihrer Rikscha von Siem Reap zur Tempelanlage von Angkor, einer der Hauptattraktionen Asiens. Verhandeln Sie mit viel mit Ihren Kunden?

Sang: Ich habe feste Preise. 50 Dollar am Tag, Fahrten zum Sonnenaufgang oder längere Touren kosten extra. Ich feilsche nicht gern, aber ich sehe jeden Tag, mit welchen Mitteln manche Kollegen verhandeln.

KarriereSPIEGEL: Wie denn?

Sang: Manche Fahrer behaupten, die Strecke sei viel länger als zehn Kilometer. Die Touristen kennen den Weg natürlich nicht und glauben ihnen. Dann wundern sie sich zwar, wenn die Fahrt nicht so lange dauert. Aber sie zahlen das Geld trotzdem, weil der Preis vorher ausgemacht war.

KarriereSPIEGEL: Wirklich noch nie daran gedacht, solche Maschen anzuwenden? Die meisten Kunden sehen Sie doch nie wieder.

So geht Feilschen: Lernen von den Profis

Deal or no deal? Verhandeln ist in vielen Berufen wichtig und gleicht oft einem Tauziehen. Wer geschickt vorgeht, den Verhandlungspartner überzeugt und dabei den richtigen Ton trifft, ist auf der Gewinnerseite. Im Magazin SPIEGEL JOB (www.spiegeljob.de ) erklären fünf Profis ihre Strategien in Kürze, darunter eine Prostituierte, ein Spielerberater, ein Tuk-Tuk-Fahrer. Ausführlichere Interviews gibt es in dieser Feilschen-Serie.

Sang: Viele Touristen kommen nur einmal nach Siem Reap, aber sie empfehlen mich an Freunde und Bekannte weiter. Jedes Jahr wollen Tausende Menschen die Tempel von Angkor sehen - ein Teil davon kommt auf Empfehlung hierher. Deshalb kann ich mir solche Methoden nicht leisten.

KarriereSPIEGEL: Die Straßen von Siem Reap sind voll von Tuk-Tuk-Fahrern, die Touristen zu den Tempelruinen bringen wollen. In der Nebensaison unterbieten sie sich gegenseitig. Wie können Sie da mit Festpreisen mithalten?

Fotostrecke

SPIEGEL JOB: Rundflug durchs Magazin

Foto: Sebastian Arlt/ SPIEGEL JOB

Sang: Ich fahre oft Profifotografen, die das richtige Licht brauchen, und habe dabei viel übers Fotografieren gelernt . Dass ich Tricks kenne, wann man wo die schönsten Bilder bekommt, wissen auch Touristen zu schätzen. Daher kann ich selbstbewusster als andere Tuk-Tuk-Fahrer sagen: Das ist mein Preis, drunter fahre ich nicht.

KarriereSPIEGEL: Verhandeln deutsche Touristen viel?

Sang: Nein. Europäer feilschen selten oder sagen sogar, ich solle mehr verlangen. Dafür sind chinesische Kunden anstrengend.

KarriereSPIEGEL: Warum?

Sang: Sie finden alles zu teuer. Einige Kollegen fordern deshalb mehr von chinesischen Touristen. Die können dann schachern - und landen am Ende beim Preis, den alle zahlen.

Foto: Foto: H. Günther

Das Interview führte Anja Tiedge (Jahrgang 1980), freie Journalistin in Hamburg.