Büropsychologie So beeinflussen Sie Ihre Gefühle im Büro
Immer dieser Ärger im Büro! Gäbe es ein Wundermittel, mit dem man den Ärger in Freude umwandeln könnte, dann ginge es vielen Menschen besser.
Die gute Nachricht lautet: Dieses Mittel gibt es. Es sitzt in unserem Kopf.
Ärger und Freude sind sich nämlich viel ähnlicher, als wir glauben. Rein körperlich machen sich Ärger und Freude sogar auf die gleiche Weise bemerkbar - genauso wie Ekel, Verliebtheit und andere Gefühle auch. Sie alle lösen zunächst die gleiche körperliche Erregung aus: erhöhter Puls, oft auch leichtes Schwitzen und Zittern. Das zugehörige Gefühl kommt erst in unserem Kopf zustande: Indem wir eine naheliegende äußere Erklärung für die körperliche Erregung suchen.
Cartoons zum Büroleben: Schlümm-schlümm, diese Kollegen
Dabei können wir unsere Gefühle allerdings leicht miteinander verwechseln: Es kann gut sein, dass Ihr Puls schneller geht, weil Sie sich auf eine nette Einladung nach Feierabend freuen - das aber als Ärger deuten, weil Ihr Chef Ihnen gerade noch einen blöden Auftrag reingewürgt hat. Oder umgekehrt: Ihr Körper schäumt, weil die Kollegin mal wieder so unverschämt war - Sie aber deuten die Erregung als Freude, weil Sie gerade auf das Familienfoto mit Ihren süßen Kindern auf dem Schreibtisch geschaut haben.
Den körperlichen Zustand richtig deuten
Was unglaublich klingt, ist in der Wissenschaft bekannt als die "Zwei-Faktoren-Theorie der Emotion". In einem Experiment dazu gibt man Probanden ein angebliches Vitaminpräparat, um zu testen, wie es sich auf die Sehfähigkeit auswirkt - so sagt man den Probanden. In Wirklichkeit spritzt man ihnen Adrenalin. Die Probanden erleben also einen körperlichen Erregungszustand, während sie auf den vermeintlichen Sehtest warten.
Der eine Teil der Probanden soll dabei einen Fragebogen mit unverschämten Fragen ausfüllen, zum Beispiel: "Mit wie vielen Männern (außer Ihrem Vater) hatte Ihre Mutter außereheliche Beziehungen?" Gegenüber im Wartezimmer sitzt ein Lockvogel, der sich darüber empört.
Dem anderen Teil der Probanden gibt man den Fragebogen nicht, und der Lockvogel spielt nicht den Wütenden, sondern den Euphorischen.
Es liegt bei Ihnen
Die Probanden aus der ersten Gruppe geben hinterher an, sehr verärgert gewesen zu sein; in der zweiten Gruppe verspürten sie hingegen Freude. Die Probanden deuten also den exakt gleichen körperlichen Zustand - die adrenalinbedingte Erregung - unterschiedlich, je nachdem, welche Erklärung ihnen nach den äußeren Umständen gerade sinnvoll erscheint.
Den Probanden einer Vergleichsgruppe sagt man ehrlich, dass sie Adrenalin bekommen haben, was Herzrasen verursachen kann. Diese Probanden verspüren weder Ärger noch Freude, obwohl der Lockvogel sich jeweils genauso verhält wie bei den anderen Probanden: Sie haben eine körperliche Erklärung für ihren Zustand - das Adrenalin - und brauchen daher gar nicht nach der Ursache für ein Gefühl zu suchen.
Ob Sie Ihre körperliche Erregung also auf den nervigen Kollegen, den schönen Ausblick aus dem Bürofenster oder einfach auf zu viel Kaffee schieben, liegt ganz bei Ihnen: Ändern Sie den Fokus, können Sie auch Ihr Gefühl ändern. Genauso können Sie Kollegen davon abhalten, sich in ein Gefühl hineinzusteigern: Bieten Sie ihnen einfach eine alternative Erklärung für ihre körperliche Erregung an.
Und wenn Sie wollen, dass die Kollegen eine neue Idee von Ihnen begeistert aufnehmen, dann stellen Sie sicher, dass alle vorher genug starken Kaffee getrunken haben.
Volker Kitz, Manuel Tusch:
Warum uns das Denken nicht in den Kopf will
Noch mehr nützliche Erkenntnisse der Alltagspsychologie.
Heyne; Dezember 2013; 288 Seiten; 8,99 Euro.