Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 65 / 68

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Familien, Ukraine, die russische Seele, Israel und die Rückkehr des Wolfs – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 30/2023

Ein echter Anachronismus

Heft 29/2023 Titel: Das Familiendrama 

  • Das Titelbild sagt doch schon alles: Der Frau sieht man an, dass sie sich in der Konstellation beschissen fühlt. Die Hoffnung bleibt, dass endlich mal eine
    Regierung gebildet wird, die Deutschland auf die Lebens-wirklichkeit des 21. Jahrhunderts hievt – trotz German Angst.
    Kurt Stehmeyer, Konstanz

  • »Die Kinder sind unsere Zukunft«, doch das »Sondervermögen 100 Milliarden« steckt in der Bundeswehr und nicht in einem innovativen Familienfonds.
    Raffaele Ferdinando Schacher, Rorschach (Schweiz)

  • Das Ehegattensplitting ist ein echter Anachronismus. Statt die Alleinverdienerehe zu fördern, sollten Normalverdienerfamilien mit Kindern stärker unterstützt werden. Die Abschaffung des Ehegattensplittings würde zu einer stärkeren Erwerbsbeteiligung der Frauen führen, was angesichts des allseits beklagten Fachkräftemangels ein positiver Effekt wäre.
    Andreas Meißner, Tutzing (Bayern)

  • Die Instrumente, die die letzten 15 Jahre implementiert wurden, erreichen nachweislich den Mittelstand und die Besserverdienenden, insbesondere studierte Frauen. Wir selbst haben davon profitiert und sind sehr stolz auf diese Familienpolitik. Nun setzt die Kürzung des Elterngeldes aber genau an dieser Stelle an. Welche jungen Paare sind denn an der Grenze zu den besagten 150.000 Euro Jahreseinkommen? Jene mit erfolgreichen Frauen! Sollen diese nun auf ihren Ehepartner angewiesen sein, der gar ihre Krankenversicherung zahlt? Welch ein Ungleichgewicht dort entstehen wird, welches sicherlich nicht folgenlos bleibt.
    Dr. Christian Groß, Düsseldorf

  • Wie gewohnt habe ich die Artikel zum Thema sorgfältig gelesen. Hier wird von den Autoren die ganze Problematik – Krankenkasse, Witwenrente, Ehegattensplitting – gut geschildert. Und es ist klar, dass es für Politiker schwer ist, das Notwendige zur Zufriedenheit aller umzusetzen! Welche Regierung oder Partei hätte schon den Mut, die angesprochenen Probleme anzugehen? Wäre doch Selbstmord.
    Franz Koshorst, Kassel

  • Es ist ein »Monsterartikel«, verfasst von 15 Autoren. Wie die Aufgabenverteilung war, weiß man nicht. Aber bei einer solchen Komplexität des Themas (welches eigentlich genau?) bin ich einfach überfordert. Im Gegensatz zu den Autoren, welche vermutlich arbeitsteilig vorgegangen sind, soll ich alle Fakten, Untersuchungsergebnisse, Thesen und Behauptungen verstehen. Ich bin überfordert. Solche Artikel liest man nicht zu Ende. Und falls doch, fragt man sich dann, was hast du jetzt gelernt? Kleiner didaktischer Hinweis: Mehr Zwischenüberschriften bitte – das hilft etwas. Aber nur etwas. Nicht alle Teilthemen hängen derart zusammen, als dass man sie nicht voneinander getrennt erörtern könnte.
    Peter Wolter, Leonberg (Bad.-Württ.)

  • Anstatt Geld an Eltern zu überweisen, sollte es an allen Kitas und Schulen kostenlose Vollwerternährung geben. Für Spielsachen, Bücher und Kinderkleidung sollte keine oder nur eine ganz geringe Mehrwertsteuer erhoben werden. Und selbstverständlich muss – wie in Ihrem Beitrag angesprochen – Kinderbetreuung flächendeckend kostenlos sein. So hätten auch Kinder eine -Chance, deren Eltern mit der Erziehung überfordert sind. Die Erzieher:innenausbildung ist langwierig, aber simpel. Würde das verändert, könnte man auch mehr und geeignetes Personal finden. Und mit der ständigen Kritik an der Ampel treibt man die -Leute zur AfD.
    Eva Gruber, München

Totalversagen von Scholz

Heft 28/2023 Leitartikel: Der Westen muss mehr für die Ukraine tun 

  • In Afghanistan fehlte es an Manpower, in der Ukraine an Waffen. Die Politiker des Westens müssen noch lernen, im Konfliktfall die richtige Strategie auszuwählen.
    Dr. Herbert Port, Kronshagen (Schl.-Holst.)

  • Danke für dieses entschiedene Plädoyer. Nur kommt es eineinhalb Jahre zu spät, weil die nötige Umstellung auf Kriegswirtschaft wiederum wertvolle Zeit kostet, in der das geschundene Land weiter (ver)blutet. Ein Totalversagen von Scholz.
    Christoph Schönberger, Aachen

  • Der jetzt schon Monate dauernde Abnutzungskrieg fordert immer mehr Opfer und bringt jeden Tag neue Zerstörungen mit sich – von der großen Belastung der Umwelt ganz zu schweigen. Wäre nicht jetzt die Zeit, auf Verhandlungen über einen Waffenstillstand zu drängen? Wladimir Putin dürfte inzwischen eingesehen haben, dass er seine hochgesteckten Kriegsziele nicht erreichen kann, keine schlechte Basis für solche Verhandlungen. Noch spielen taktische Atomwaffen bei den Kriegsplanungen keine so große Rolle, aber sollte es zu ihrem Einsatz und den entsprechenden Gegenreaktionen kommen, werden die Betroffenen die bisherigen Kriegstoten in ihren Gräbern beneiden.
    Brigitte Schellnhuber, Ingolstadt

  • Man mag zu Waffenlieferungen an die Ukraine stehen, wie man will. Was mir jedoch seit dem verbrecherischen Angriffskrieg Russlands auffällt und sauer aufstößt, ist, dass auf beiden Seiten oftmals die Menschen am lautesten nach Waffen und nach Kampf schreien, die selbst gar nicht an der Front kämpfen müssen.
    Michael Schneider, Siegburg (NRW)

  • Auch wenn es unpopulär und wirklich bitter ist: Ich kann nicht an einen Sieg der Ukraine über Russland glauben, außer der Westen tritt offen in den Krieg gegen Russland ein, was hoffentlich niemand will. Es ist doch bereits seit Langem ein Abnutzungskrieg, und Russland hat unvergleichlich mehr Menschen als die Ukraine, die es auch ohne Rücksicht auf Verluste einsetzt und weiter einsetzen wird. Soll es erst dann Verhandlungen geben, wenn die Ukra-ine komplett zerstört, menschenleer und vermint ist?
    Monika Dengler, Hamburg

Rätselhafte russische Seele

Heft 28/2023 SPIEGEL-Gespräch mit dem Philosophen Alexander Zipko über die Frage, warum sich die Russen in der Autokratie eingerichtet haben 

  • Vielen Dank an Herrn Christian Neef für das sehr gute Interview mit dem russischen Philosophen Alexander Zipko. Ich habe viel gelernt.
    Gerhard Krohmer, Nürnberg

  • Es ist ein Armutszeugnis für ein Land, welches einmal Weltmacht war – und den Weg in die Moderne nicht findet. Die Russen scheinen Europäer zu sein, aber ihr Denken gleicht eher Autokratien wie denen in Iran oder in Saudi-Arabien. Die russische Angst vor Demokratie wird zunehmend größer. Es ist wie eine Besessenheit. Es ist die Angst, sich aus der eigenen, selbst gewählten Unmündigkeit zu befreien! Diese Angst hat einen Krieg hervorgebracht, der den Absturz Russlands beschleunigen wird. Es herrscht eine Lähmung im Land, die angesichts der globalen He-rausforderungen tödlich ist. Ich sehe keine Zukunft für Russland. Und dieser dumme, selbstzerstörerische Krieg wird sein Übriges dazu beitragen.
    Bernd Hofmann, Heinsen (Nieders.)

  • Vielen Dank für dieses ausgezeichnete Interview. Das ist eine Sternstunde des Journalismus im Allgemeinen und eine Sternstunde der SPIEGEL-Gespräche im Besonderen. Russische Intellektuelle erklären und ergründen mit gebotener Reflektiertheit, Differenziertheit und selbstkritischer Distanz die rätselhafte russische Seele. Das Gespräch mit Andrej Jakowlew (Heft 17/2023) gehört ebenso zu solchen Sternstunden. Der SPIEGEL sollte eine Serie daraus machen, viele Insiderstimmen zu Wort kommen lassen. Dort dürfen gern auch Gespräche mit Hardcore-Leuten wie Ale-xander Dugin erscheinen. Warum eigentlich nicht? Es müssten lediglich die richtigen (Hardcore-)Fragen gestellt werden. Das sollte dem SPIEGEL gelingen.
    Eckhart Boelger, Berlin

  • Vor bald 80 Jahren setzte ein anderer Hasardeur, Adolf Hitler, Land und Volk aufs Spiel: Sollten die »Volksgenossen« den Vernichtungskrieg gegen die »Bolschewiken« nicht gewinnen können, sollte dies ihren Untergang rechtfertigen. Die Wehrmacht musste kapitulieren, doch das Volk überstand die Niederlage. Bleibt zu hoffen, dass doch noch eine pragmatische Lösung des Konfliktes in der Ukraine gefunden wird und die von Alexander Zipko avisierte Katastrophe ausbleibt.
    Christian Friedrich Reineck, Berlin

  • Während des Lesens dieses bemerkenswerten SPIEGEL-Gesprächs waberte in mir ganz leicht im Hintergrund eine ungute Ahnung. Nachdem Herr Zipko die erschreckende Mentalität seiner Mitbürger und das entsetzliche Staatsunwesen Russlands so offen dargelegt hat, muss man fragen: Lebt dieser Mann noch, oder ist er bereits die Treppe hinuntergefallen?
    Hildtraut Schröder, Augsburg

  • Dieses hervorragende SPIEGEL-Gespräch gewährt Einblicke in die russische Geschichte, in die Geschehnisse und Motivationen in der Folge des Zerfalls der So-w-jetunion und vor allem in die russische Bürgerschaft, in die russische Seele. Die Aussagen von Alexander Zipko eröffnen neue Perspektiven auf den russischen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine, auch was Friedensverhandlungen und die zukünftige Entwicklung des russischen Staates betrifft.
    Helmut Fian, Wien (Österreich)

Krieg ist Krieg

Heft 28/2023 Was die Militäroperation in Dschenin über die israelische Regierung verrät 

  • In seinem Buch »Haifa Republic« schrieb Omri Boehm: »An einem Punkt muss man zugeben, dass der Zwei-Staaten-Traum zu einer Zwei-Staaten-Illusion verblasst ist. Diesen Fakt zu ignorieren ist wie den Klimawandel zu leugnen.« Diese Illusion hat inzwischen schon eine lange Geschichte, in der die amerikanische und europäische Politik immer brav weggesehen hat. Nun aber, wo die Verfechter eines religiös begründeten, rein jüdischen Groß-Israels an der Macht sind und ihre Vorstellungen mit Gewalt umzusetzen bereit sind, sollten selbst wir Deutschen klar für die andere demokratische, aufgeklärte und säkulare Hälfte Israels Partei ergreifen.
    Dr. Rudolf Winkel, Müllheim (Bad.-Württ.)

  • Es ist unerträglich, wie Putins Lieblingswort »Operation« nun auch Eingang in meinen SPIEGEL gefunden hat im Beitrag von Julia Amalia Heyer. Warum machen sich die Journalisten das schreckliche Wort zu eigen, das Putin verharmlosend für seine menschenverachtenden Kriegstreiberei verwendet? Eine Operation ist ein chirurgischer Eingriff in den Organismus, von ehrenwerten Ärzten ausgeführt, Putin hingegen führt Krieg gegen Millionen von Menschen, zerstört diese. Ein Operateur möchte Leben retten, nicht vernichten. Krieg ist Krieg – und immer vernichtend, nicht lebensrettend.
    Brigitte Bieser, Wiesbaden

Beobachter oder Wolfsgegner?

Heft 28/2023 Der Streit über den Wolf eskaliert 

  • Wer nur die schönen Fotos sieht, dürfte gegen den Abschuss von Wölfen sein. In dem Beitrag stellt der SPIEGEL auch die Aufnahme einer von diesem Raubtier gerissenen Kuh dem Wolf-Foto gegenüber und trägt damit zu einer objektiveren Darstellung bei. Lebt man wie ich auf dem Land, hat ein paar Hundert Meter weiter eine grasende Schafherde im Blickfeld und kennt den Schafhalter persönlich, ändert sich die Einstellung zum Wolf. Schäfer bangen um ihre Tiere, zu denen sie auch eine emotionale Bindung haben, und leiden, wenn sie befürchten müssen, morgens totgebissene Tiere vorzufinden. Fielen Hauskatzen, die nachts über eine Klappe die Wohnung verlassen können, in das Beuteschema des Wolfs, wäre er wahrscheinlich längst dezimiert.
    Johann Rentz, Waging am See (Bayern)

  • Der Streit über den Wolf es-ka-liert. Weit mehr als 1000 Exemplare des »Raubtiers« Wolf »streunen« durch Deutschland, töten »Hunderte Schafe, Kälber und Ponys« und richten dabei manchmal sogar »ein regelrechtes Blutbad« an. Aus welcher Perspektive hat Ihr Redakteur Hubert Gude diesen Beitrag verfasst – aus der des neutralen Beobachters oder doch eher aus der eines Wolfgegners? Dass in deutschen Schlachthäusern jeden Tag Ströme von Blut fließen und dort auch Kälber und Ponys ums Leben gebracht werden, weiß natürlich auch der SPIEGEL-Journalist. Dennoch erweckt er mit seinen Formulierungen den Eindruck, als wäre der Wolf die weitaus schlimmere Bestie.
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

Der nötige Sachverstand fehlt

Heft 28/2023 Ministerin Lisa Paus im SPIEGEL-Gespräch über Elterngeld und Kindergrundsicherung 

  • Die Zeiten der Opposition sind vorbei und damit die Wünsch-dir-was-Phase. Jetzt kommt es darauf an, mit den gegebenen Mitteln finanziell genauso wie technisch zurechtzukommen, und da fehlt es wohl vielen Grünen am nötigen Sachverstand.
    Hans Kohl, Gladbeck (NRW)

Das reine Glück

Heft 28/2023 Essay: Kein Ort ist egalitärer als das Freibad. Eine Liebeserklärung 

  • Während meines Studiums war ich von 1965 bis 1970 jeden Sommer Aushilfsbademeister im Freibad Brauweg, Göttingen. Damals war Freibad wirklich noch das reine
    Glück, und es lagen keine Pommes rum.
    Dr. Hans-Friedrich Müller, Berlin

Sinnlose Zerstörung

Heft 28/2023 Raubbau in der Tiefsee 

  • Schon wieder wollen wir Menschen ein Refugium zerstören, dessen biologische Abläufe wir noch nicht mal ansatzweise verstanden haben. Und die Risiken, die wir damit eingehen, auch nicht. Und wofür? Für schnöden Mammon, den zum Überleben niemand wirklich benötigt.
    Michael Müller, Lentföhrden (Schl.-Holst.)

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