Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Wird meine Bude wieder warm?
Heft 26/2024 Titel: Reicht mein Geld im Alter?
Schade, ich hoffte, Sie würden sich endlich einmal der Spaltung der Gesellschaft bei den Altersversorgungen widmen: Auf dem Titelbild neben der besorgten Rentnerin einen von der letzten Kreuzfahrt gebräunten Pensionär vor einen üppigen Fleischteller setzen.
Friedrich Meyer-Hildebrand, Tornesch (Schl.-Holst.)Wenn man mindestens 40 Jahre ohne Unterbrechung und auch Vollzeit gearbeitet hat, reicht die Rente selbst bei heutigen Miet- und Lebenshaltungskosten und ohne große Ansprüche gerade so. Bei Pflegebedürftigkeit deckt sie aber bei Weitem nicht den Eigenanteil für eine angemessene Unterbringung und Betreuung. Diese Sorge und Ungewissheit treibt die meisten Menschen mehr um als alles andere.
Ursula Thielemann, HamburgMit großem Interesse habe ich Ihre Story gelesen. Dieser Beitrag zeigt wunderbar einige der Gründe auf, warum die AfD und das Bündnis Sahra Wagenknecht im Moment so erfolgreich sind. Und wenn der Ampel nicht bald eine Lösung für die größten Nöte einfällt, sehe ich für die deutsche Ukrainehilfe rabenschwarz. Jener Rentnerin, die ihre Heizkosten nicht begleichen kann, ist nur schwierig vermittelbar, warum man Milliarden in die Ukraine pumpt. Solidarität und Einsatz für westliche Werte sind eine tolle Sache, aber man muss sie sich leisten können. Besagte Rentnerin wird sich nur für eine Frage interessieren: Welche Partei sorgt dafür, dass meine Bude wieder warm wird und ich meinem Enkel, wenn er zu Besuch kommt, etwas besonders Gutes kochen kann? Im Übrigen wird es ihr herzlich egal sein, ob das Gas dafür aus Russland oder von sonst wo herkommt. Wenn Lindner nicht bereit ist, die Schuldenbremse auszuhebeln, wird es immer mehr solcher Rentner:innen geben, und er wird die gesamte Ampel ins nächste Wahldebakel reißen. Aber von einem Porschefahrer, der vierstellige Vortragshonorare kassiert, kann man wohl nicht erwarten, dass er sich in den Alltag solcher Leute hineinversetzen kann.
Daniel Miskulnig, Klagenfurt (Österreich)Statt jährlich weltweit mehr als 2,4 Billionen Dollar für Rüstung auszugeben, könnte man ja dieses Geld für eine menschenwürdige globale Altersvorsorge investieren.
Raffaele Ferdinando Schacher, Rorschach (Schweiz)Die Herausforderungen der demografischen Entwicklung in Deutschland waren lange vorhersehbar. Leider haben es unsere Regierungen versäumt, unser Rentensystem rechtzeitig darauf einzustellen und eine allgemeine Bürgerversicherung einzuführen wie unsere Nachbarn Österreich und die Schweiz.
Cornelia Metzing, Kleinmachnow (Brandenb.)Ich frage mich schon lange, warum die Rente nicht auch durch eine Erhöhung der Erbschaftsteuer finanziert werden kann. Ein Erbe ist schließlich etwas, was einem in den Schoß fällt, ohne dass man etwas dafür getan hätte. Und es kann auch keiner etwas dafür, wenn er nichts erbt. Es wäre doch nur gerecht, über die Steuer einen gewissen Ausgleich zu schaffen. Ich selbst habe übrigens auch geerbt, ohne dafür auch nur geringfügig besteuert zu werden.
Rosina Heck, MünchenDas Titelbild hat in sich einen Widerspruch: Die Kosten der Schminke und die des Friseurs würden bei der Dame eine Woche lang ausreichen für ein tägliches bürgerliches Essensmenü.
Karin Köhler, Dortmund
Genau auf den wunden Punkt
Heft 25/2024 Leitartikel: Die Grünen stecken in einer Abwärtsspirale aus Verunsicherung und Orientierungslosigkeit
Die Strategie »bloß nicht provozieren«, die seit vielen Jahren auf allen Gebieten angewendet wird, bewirkt das Gegenteil: Wer es jedem recht machen will, macht es keinem recht und provoziert damit alle.
Heide Barsiek, MagdeburgMelanie Amann bringt das Dilemma der Grünen auf den Punkt. Kompromissfähigkeit bis zur Selbstverleugnung und öffentliche Demutsgesten konnten den Vertrauensverlust der Grünen beim Wahlvolk nicht stoppen. Doch eine Schärfung des grünen Profils birgt ebenfalls Risiken – die Möglichkeit eines Bruchs der Regierungskoalition ist dann noch weniger auszuschließen. Der Zeitgeist hat sich gedreht. Die individuellen Kosten der ökosozialen Transformation werden sichtbar und als Zumutungen wahrgenommen. Das merkt auch die SPD, die gebetsmühlenartig betont, niemand werde finanziell überfordert – geholfen hat es den Sozialdemokraten nicht.
Rüdiger Paul, Wedel (Schl.-Holst.)»Wir strengen uns an, nicht anstrengend zu sein.« Besser kann man es wohl nicht sagen. Dieser Satz trifft genau den wunden Punkt. Dabei haben große Teile der bundesdeutschen Wahlbevölkerung längst verstanden, dass wir unser gewohntes Leben nicht ohne gewisse, manchmal auch schmerzhafte Einschränkungen weiterführen können. Das wissen natürlich auch die Grünen, aber sie trauen sich nicht (offenbar aus Furcht vor dem Etikett »Verbotspartei«), einer Bevölkerung, die gedanklich vielfach schon sehr viel weiter ist, auch nur die kleinsten Einschränkungen zuzumuten. Hoffentlich rüttelt Melanie Amanns herausragender Leitartikel die Partei endlich wach.
Dr. Franz Thoren, Renningen (Bad.-Württ.)Für mich ist die derzeitige Regierung die bislang schlechteste. Maßgebend dafür sind die Grünen. Nur ideologisch orientiert und realitätsfremd. Dadurch ist die Partei mittlerweile der größte Förderer der AfD, erkennt dies aber nicht einmal. Die Bürgerinnen und Bürger möchten eine Regierung, die ihre Lebensbedürfnisse sicherstellt. Genau dies findet jedoch nicht statt. Einer Aussage der Grünen kann ich allerdings zustimmen: Wir haben einen großen Fachkräftemangel. Genau diesen haben wir bei den Grünen, aber nicht viel minder bei SPD und FDP.
Rolf Böhmer, Wachtberg (NRW)Die Grünen haben sich von idealistischen Pazifisten zu Befürwortern von Rüstungslieferungen an die Ukraine gewandelt. Das dürften nicht alle Anhänger gutheißen. Immer mehr Waffen wirken sich eher kriegsverlängernd aus. Viele potenzielle Grün-Wähler dürften auch davon irritiert sein, wie zurückhaltend Zehntausende Verletzte und Tote in Gaza vonseiten der grünen Prominenz kommentiert werden, weil man verständlicherweise Rücksicht auf Israel nehmen will. Aber menschliches Leid ist immer gleich schlimm. Wäre das nicht eine Gelegenheit für Anton Hofreiter, ein paar deutliche Worte zu den Vorgängen in Gaza zu finden, ohne sich gleich dem Vorwurf des Antisemitismus auszusetzen? Klartext-Toni, übernehmen Sie!
Brigitte Schellnhuber, Ingolstadt
Treffendes Psychogramm
Heft 25/2024 Der Glaube der SPD an den Bundeskanzler schwindet
Interessant! Es gibt den Kanzler also doppelt? Den Drinnenolaf und den Draußenscholz. Oder ist es gar der Außenvorkanzler? Dabei bietet sich doch eine Lösung an, indem er den Trapattoni macht: »Ich habe fertig.«
Knut Kriegsmann, UlmPolitik besteht unbestreitbar zu mindestens 90 Prozent aus Kommunikation. Folglich taugt, wer schlecht oder gar nicht kommunizieren kann, nicht für ein politisches Amt, schon gar nicht fürs Kanzleramt. Nur einer in der SPD-Führung hat das begriffen: Kevin Kühnert. Er als Hauptverantwortlicher der Partei für den Europawahlkampf hat Scholz möglichst prominent plakatiert. Und der kommunikativ unfähige Scholz ist Kühnert in die Falle getappt. Ein strategisches Kunststück ist gelungen: vorausschauend den Hauptschuldigen für die erwartbare Riesen-Wahlschlappe der Partei aufzubauen. Damit ist jetzt der Weg frei für die offene Kritik an Scholz und für die öffentliche Suche nach einem, der das Amt wirklich kann. Kühnerts Strategie hat aber einen entscheidenden Fehler: Die Partei von Friedrich Ebert, Willy Brandt und Helmut Schmidt hat zurzeit leider keinen, der Kanzler »kann«.
Burkhard Vesper, HamburgTreffendes Psychogramm des Kanzlers. Dass Friedrich Merz in der Publikumsgunst genauso trist dasteht, ist für Scholz ein schwacher Trost. Beide haben ihre persönlichen Defizite. Am Ende zählen die Inhalte.
Christoph Schönberger, AachenMich wundert, wie die fünf Journalisten glauben können, dass Herr Pistorius ein positives Wahlergebnis für die SPD in Ostdeutschland bringen kann. Ein großer Teil der Wähler dort scheint ja AfD-Positionen zu befürworten. Dazu gehören ja wohl die Ablehnung einer militärischen Unterstützung der Ukraine und ein Hofieren Putins.
Bernd Träger, Neuss
Gewaltiges Bildungsproblem
Heft 25/2024 Warum die AfD deutlich vor den Grünen liegt – ein Stimmungsbild der Generation Z
Schon komisch, dass ausgerechnet die Grünen kurz nach einer Jahrhundertflut massiv Stimmen verlieren. Früher hat man mit Fluten noch Wahlen gewonnen. Auch die Diskussionen um ein allgemeines Wahlalter schon mit 16 dürften sich nach dem Wahlergebnis erledigt haben. Damit haben sich die Grünen kurz vor der Fußball-EM ihr persönliches Eigentor geschossen.
Uwe Heinemann, Arnstadt (Thür.)Erschreckender ist, dass politische Bildung und Demokratieerziehung an deutschen Schulen ein derart jämmerliches Dasein führen. Das und die vielen Krisen dieser Zeit machen es der AfD leicht, die junge Generation in den sozialen Medien zu verführen – mit sehr einfachen Antworten auf sehr komplexe Probleme. Junge Menschen sollten endlich ernst genommen werden, wir müssen ihnen politische Bildung bieten und sie an den gesellschaftlichen Debatten beteiligen. Stattdessen wird nun darüber diskutiert, ob das Wahlrecht mit 16 wirklich so eine gute Idee war. Doch das ist es. Denn diese jungen Menschen sind es, die von all den Zukunftsthemen betroffen sind, aber nicht darüber entscheiden dürfen.
Sarah Kleefuß, Bammental (Bad.-Württ.)»Es gibt nur zwei Dinge, die unendlich sind: Das Universum und die menschliche Dummheit – wobei ich mir beim Universum nicht sicher bin.« Dieses Zitat wird Albert Einstein zugeschrieben. Einige Aussagen dieser jungen Menschen sind echt erschütternd. Sowohl vom Inhalt als auch von der Art, wie sie sich im gleichen Atemzug selbst widersprechen – und es nicht mal merken. Deutschland hat ein gewaltiges Bildungsproblem.
Hans Petersen, Köln
Natur Natur sein lassen
Heft 25/2024 Naturschützer und Förster streiten nach der Borkenkäfer-Invasion im Harz über die Zukunft des Waldes
Es ist gut und fachlich richtig, dass die Nationalparkverwaltung am Prinzip »Natur Natur sein lassen« und dem Konzept der Naturzonen auf 75 Prozent der Parkfläche festhält. Auch die große Mehrheit der Menschen im Bayerischen Wald ist mittlerweile von der Nationalpark-Idee überzeugt. Dass Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger nun wieder Unfrieden in die Region trägt, indem er jenseits aller Fakten erneut Gräben aufbricht, ist gelinde gesagt bedauerlich. Er warnt vor dem alten Schreckgespenst, der »Grassteppe«, sogar in einer Pressemitteilung seines Ministeriums (5.4.2024). Daher mein Angebot an Minister Aiwanger: Wenn er mir im Nationalpark Bayerischer Wald auch nur einen Hektar »Grassteppe« zeigen kann, auf dem kein junger Baum wächst, dann zahle ich ihm beim nächsten Bierzeltauftritt sämtliche Getränke und ein Essen.
Dr. Christian Stierstorfer, Straubing (Bayern)Zunächst einmal sollten wir damit aufhören, von Monokultur-Holzplantagen als Wald zu sprechen! Und dann sollten wir uns davon verabschieden anzunehmen, der Wald bräuchte uns, es ist genau andersherum!
Mathieu Wrack, Neu-Ulm (Bayern)
Fußball-Europameisterschaft
Nr. 25/2024 Deutschland, die Deutschen und der Traum vom Fußball-Sommermärchen 2024
Sommermärchen? Wikipedia: Im Unterschied zur Sage und Legende sind Märchen frei erfunden, und ihre Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt. Schade – denn der Mensch liebt seine Illusionen.
Gernot Hilge, Münster
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