Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 74 / 77

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Sahra Wagenknecht, der Leitartikel über Putin, das Claus Weselsky-Gespräch, die längste Kreuzfahrt der Welt und Leni Riefenstahl – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 38/2024

Ich-AG von Kremls Gnaden

Nr. 37/2024 Titel: Die Systemsprengerin 

  • Wir sind langjährige Abonnenten und finden Ihre Titelbilder in der letzten Zeit immer wieder populistisch, ja reißerisch. Zum Beispiel stellen Sie Sahra Wagenknecht als »Systemsprengerin« mit einer Sprengladung in der Hand dar. Assoziativ wird ihr damit eine terroristische Absicht unterstellt. Das ist infam, denn sie will ihre politischen Vorstellungen und Forderungen mit absolut demokratischen Mitteln durchsetzen. Bitte finden Sie zurück zu Ihrer früheren seriösen Titelbildgestaltung.
    Dr. Arno und Karin Deuse, Bremen

  • Die designierte Systemsprengerin und langjährige Außenseiterin in der parlamentarischen Demokratie und der deutschen Parteienlandschaft ohne programmatisches Konzept zu entlarven, ist gutes Recht und journalistische Pflicht des SPIEGEL. Ihre Ab­bildung mit einer Bombe und brennender Lunte finde ich im Kontext der allgegenwärtigen Eskalation ideologischer und islamistischer Propaganda und Gewalt aber als völlig überzogen. Wagenknecht so abzubilden ist populistische Hetze und unsinnig, da sie sogar Putins Bomben nur mit Sprechblasen bekämpft.
    Willi Erkens, Jülich (NRW)

  • Ist der Artikel ernst gemeint oder Satire? Eine einsame Außenseiterin mit ein paar Gefolgsleuten soll in der Lage sein, das demokratische System Deutschlands zu sprengen? Mit 10 bis 15 Prozent der Wählerstimmen? Ich setze auf junge, kluge Köpfe in den demokratischen Parteien, die nicht nur immer sagen, wir werden alles tun, um die Probleme anzugehen, sondern die alles tun, um Probleme anzugehen; also vom Reden ins Handeln kommen, auch wenn dafür nötig ist, Akteure mit ihren immer gleichen Phrasen vor die Tür zu schicken und Alternativpartner zu finden. Dazu bedarf es eben nicht einer Systemsprengerin.
    Peter Stein-Spitczok v. Brisinski, Hameln

  • Ich halte Frau Wagenknecht und das BSW für ganz gefährlich für unsere Demokratie. Sie missachtet das Selbstbestimmungsrecht freier und souveräner Staaten wie der Ukraine und möchte die Ukra­iner unter dem Deckmantel des »Friedens« dem Schlächter aus Moskau ausliefern. Nach dieser Methode würde Europa heute noch unter den Nazis aus dem Zweiten Weltkrieg leiden. Sie irrt sich auch ständig in Hinblick auf Putin. So hat sie doch felsenfest behauptet, dass Putin nicht in die Ukraine einmarschiert. Jetzt behauptet sie, ein Diktatfrieden würde den Krieg beenden. Was ist, wenn Putin weitermacht? Wie viel des Baltikums und Polens will sie dann für Frieden opfern? Ihre Weltanschauung ist total irre und verbohrt. Daher sollte die CDU nicht mit der Ich-AG von Kremls Gnaden koalieren. Es wäre der Untergang der Christdemokraten.
    Achim Georg, Hamburg

  • Realpolitik und Kompromisse sind wohl nicht so ihr Ding. Ich glaube, die rote Sahra wird nach ein, zwei Jahren das BSW schimpfend und zutiefst enttäuscht verlassen und damit – wieder mal – eine Partei zerlegen. Darin hat sie ja Übung. Das BSW wird sich in BOS umbenennen (Bündnis ohne Sahra). Den roten Kollegen in Russland und China wird sie gewohnheitsmäßig weiterhin den roten Teppich ausrollen, obwohl deren angeblicher Kommunismus längst brutalen, hyperkapitalistischen Kleptokratien gewichen ist. Mal sehen, wann sie das endlich merkt.
    Dr. Michael Groß, Nesselröden (Nieders.)

  • Spätestens mit dem Parteieintritt Oskar Lafontaines ist doch offensichtlich geworden, dass das BSW genau das ist, was es angeblich nie sein wollte, nämlich ein BSV, ein Bündnis schräger Vögel.

    Wolfgang Mayer, Winnweiler (Rhld.-Pf.)

  • Lafontaines Empfehlung, angegriffene Staaten sollten sich nur mit zivilem Ungehorsam statt mit Waffen wehren, ist einfach nur eine naive Einladung an jeden Aggressor. Das hätten die Polen beim Angriff Nazideutschlands auch machen sollen. Dann wär ihnen bestimmt nichts passiert. Oder beim von Putin herbeimani­pulierten Tschetschenienkrieg. Butscha sagt da ganz was anderes. Nicht ohne Grund sind die meisten ehemaligen Ostblockstaaten so schnell wie möglich der Nato beigetreten.
    Paul Korf, Hamburg

  • Den Anschluss der DDR an die BRD hat Sahra Wagenknecht wohl nie akzeptiert. Sie schreiben, dass sie der DDR nachtrauere, obwohl sie unter diesem System gelitten habe. Seit 2014, dem ersten Überfall Putins auf die Ukraine, teilt sie die Propaganda des Kreml und stellt Fakten, die gegen Putin sprechen, infrage. Mit ihrem Putinhilfswerk BSW will Wagenknecht sich an Russland orientieren und wieder Wirtschaftsbeziehungen aufnehmen. Die Waffenlieferungen an die Ukra­ine sollen eingestellt und die Stationierung von Mittelstreckenraketen abgesagt werden. Wenn wir Verhältnisse haben wie in Russland, mit Folter, Mord und Fensterstürzen in der Zivilgesellschaft, dann hat Wagenknecht das Migrantenproblem auch gelöst, denn dann kommt niemand mehr.
    Friedhelm Jansen, Hattingen (NRW)

Endlich eine klare Meinung

Nr. 36/2024 Leitartikel: Der Westen darf sich von Putin nicht weiter einschüchtern lassen 

  • Will Ann-Dorit Boy ernsthaft Putin herausfordern? Gnade uns allen Gott, wenn er wirklich zuschlägt. Es ist eben nicht höchste Zeit, die höchste Eskalationsstufe einzustellen! Es ist allerhöchste Zeit, Verhandlungen einzuleiten, die dem irrsinnigen Krieg ein Ende setzen und der geplagten Bevölkerung Menschenwürde zurückgeben. Hunderttausende Leben forderte dieser Krieg. Das wird vollkommen außer Acht gelassen. Hier wären auch die Kirchen gefordert, ihre Stimme zu erheben. Leider ist nichts zu vernehmen.
    Gisela Neudeck, Wiesbaden

  • Endlich mal eine klare Meinung. Lange hat man darauf warten müssen nach all dem unterwürfigen Geschwurbel à la Frau Wagenknecht zu Friedensverhandlungen mit Putin, dem derzeit wohl schlimmsten Staatsverbrecher seit dem Zweiten Weltkrieg.
    Emil Fehrenbach, Lahr (Bad.-Württ.)

  • Ein sehr klarer, faktenbasierter und schnörkelloser Beitrag über den Ukrainekrieg. Er zeigt den Irrglauben an einen Frieden, den es mit einem skrupellosen Herrscher im Kreml, der meint, er könne ein neues großrussisches Reich erschaffen, nicht geben wird. Der Westen ermöglicht durch seine unzureichende Unterstützung der Ukraine, dass Putin meint, er könne das er­reichen. Es erinnert mich an München 1938, wo England und Frankreich durch ihre Befriedungspolitik Hitler den Zweiten Weltkrieg ermöglichten. Trotz aller Friedens- und Verhandlungsforderungen, auch von Teilen der SPD, ist die Partei in der Wählergunst weiter abgefallen, was zeigt, dass Wankelmut nicht zum Erfolg führt.
    Dr. Michael Lau, Altlandsberg (Brandenb.)

  • »Putins Märchen von den roten Linien« – ich habe dreimal hingeschaut, ob diese Überschrift vielleicht doch eine Fiktion war. Dann bin ich zu dem Schluss gekommen: Dümmer geht’s nimmer. Der Autorin ist eins nicht klar: Wenn Herr Putin zu dem Ergebnis kommen sollte, dass nun eine solche Linie überschritten ist und er entsprechend handelt, wird sie es aller Voraussicht nach gar nicht mehr mitbekommen.
    Hans-Peter Stelter, Hamburg

  • Wagenknecht und andere fordern Verhandlungen. Das ist völlig absurd. Putin will die Ukraine vollständig eliminieren, weil er einen tödlichen Hass hat und sich von dunklen Mächten umstellt sieht. Sein persönliches Schicksal ist mit diesem Krieg verbunden. Worüber soll der denn verhandeln? Dass er vielleicht erst mal nur die Hälfte vernichtet? In zehn Jahren hat er die Ukraine in die Steinzeit gebombt. Dann ist der Krieg ohnehin beendet. Angesichts des drohenden Genozids braucht die Ukraine jede nur denkbare Hilfe.
    Rainer Kollewe, Laer (NRW)

  • Der Westen darf sich von Putin nicht weiter einschüchtern lassen. Was die militärische Unterstützung der Ukraine durch die Demokratien des Westens betrifft, klafft seit Beginn des Krieges zwischen Worten und Taten eine große Lücke. Die Verfasserin des Leitartikels weist dankenswerterweise darauf hin, dass es in Deutschland nicht nur die Regierung, sondern vor allem eine starke Minderheit in der Bevölkerung ist, die sich von Putins Drohgebärden beeinflussen lässt. Angesichts der Wahlergebnisse in Thüringen und Sachsen weiß man jetzt im Kreml, dass man sich auf diese deutsche Hasenfüßigkeit verlassen kann.
    Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)

  • Der Leitartikel meint: Wir müssen endlich Russland zeigen, was eine deutsche Harke ist. Rote Linien spielen dabei keine Rolle. Deutsche Raketen auf Ziele in Russland. Putin ist ohnehin zu feige für einen richtigen Gegenschlag. Für mich ist das pure Kriegshetze. Stattdessen muss der Krieg doch lokal begrenzt gehalten und mit umgehenden Verhandlungen ein baldiges Ende angestrebt werden.
    Dr. Josef Eberhardt, Worms

Er konnte das

Nr. 36/2024 Karrieren: Gewerkschafter Claus Weselsky im SPIEGEL-Gespräch über antrainierte Härte und Kritik an seiner Person 

  • Eigentlich ist es eine Schande, dass man Claus Weselsky als Chef streikender Lokführer einfach gewähren ließ. Er brüstet sich heute noch, die 35-Stunden-Woche bei der Deutschen Bahn eingeführt zu haben. Ob die sich das leisten kann, interessiert ihn nicht. Damit ist er mitverantwortlich für deren miserable Situation.
    Peter Gmür, Zürich (Schweiz)

  • Daran, dass Sie dem Gesülze von Herrn Weselsky drei Seiten widmen, merke ich wieder, wie tief Ihr Niveau gesunken ist. Ob Herr Weselsky mit diesem Ton mehr für die Lokführer erreicht hat, halte ich für sehr fraglich. Dass er der Volkswirtschaft geschadet hat, steht für mich fest.
    Hanno Le Hanne, Berlin

  • Er hat seinen Job sehr gut gemacht. Ich hatte immer meine helle Freude an ihm, auch wenn ich einige Male von den Streiks betroffen war. Etliche Jahre lang konnte ich als Betriebsrätin eines internationalen Unternehmens in Gesamtbetriebsratssitzungen studieren, wie sich die gegenübersitzenden Arbeitgebervertreter benahmen. Nur mit der Methode Weselsky kann man in dieser Welt erfolgreich für die Mitarbeiter verhandeln. Man muss mit diesen Herrschaften gut Schlitten fahren können. Er konnte das.
    Gretel Döbrich, Berlin

  • Dieser Mann hat was: trockenen Humor, Unabhängigkeit, Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein. Es ist nicht schwierig, aber er wäre sicherlich besser als die letzten vier Verkehrsminister zusammen.
    Martin Fischbacher, Rohrdorf (Bayern)

Ökologischer Irrsinn

Nr. 36/2024 Luxus: Unterwegs auf der längsten Kreuzfahrt der Welt

  • Amüsant beschrieben, von Kopfschütteln beim Lesen begleitet, im Kern das Abbild bemitleidenswerter Dekadenz: das Albtraumschiff.
    Rolf Hoffmann, Bad Staffelstein (Bayern)

  • Selten so gelacht: Wie kann ein Super-Kreuzfahrtschiff so abrupt »bremsen«, das Töpfe – von wo auch immer – runterfallen?
    Jürgen Flocke, Solingen

  • Nicht nur der Aufenthalt dieser Personen auf dem Luxusschiff gleicht einer Soap, sondern leider auch die Reportage darüber. Bleibt zu hoffen, dass dieser nichtssagende Bericht über uninteressante Menschen, die viel Geld dafür bezahlen, ihr Leben neun Monate lang aus der Hand zu geben und dabei noch dazu beitragen, den Planeten zu schädigen, ein einmaliger Ausrutscher bleibt. Investigativer Journalismus kann das jedenfalls nicht sein, wenn gerade mal in fünf Wörtern auf sechs Textseiten das eigentliche Fazit versteckt zu lesen ist: »Die Weltkreuzfahrt zerstört die Welt.«
    Andrea Bauer, Oberammergau (Bayern)

Weichgespülte Fakten

Nr. 36/2024 Kino: Filmemacher Andreas Veiel bekam Zugang zu Leni Riefenstahls Nachlass und ergründet die Unwahrheiten der Regisseurin 

  • Toller Aufmacher über Riefen­stahl – und dann kalter Kaffee statt eines vernünftigen Berichts. Herr Veiel macht nach viel Mühe einen Film mit Frau Maischberger als Produzentin. Der sagt, soweit der Artikel, nichts über Béla Balázs, nichts über den Kameramann Willy Zielke, befasst sich nicht mit der Wechselwirkung von pathologischem Narzissmus und Opportunismus. Hätte eine Leni Riefenstahl unter Stalin, unter Mao und so weiter nicht ebenso agiert? Es scheint, als brächte der Film weichgespülte Fakten, aber eben nicht alle, obwohl Herr Veiel das Buch von Nina Gladitz »Leni Riefenstahl. Karriere einer Täterin« gelesen haben sollte. Ich vermute: Person mit Aura und noch unveröffentlichtem Nachlass als »unique selling point« – und will den Film nicht sehen.
    Ingelore Willing, Berli

  • Die Fragestellung ist falsch. »Genial oder gewissenlos?« – Riefenstahl war beides. Ansonsten ein guter Artikel. Ich bin auf den Dokumentarfilm gespannt.
    Heino Matthies, Berlin

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