Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 82 / 85

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Friedrich Merz, Migration und das Selbstbestimmungsgesetz – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 7/2025

Angst statt Hirn

Heft 6/2025 Titel: SchMerz 

  • Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich erwogen, CDU zu wählen. Um eine Mitte der Politik und eine Mitte der Gesellschaft zu stärken. Ich hoffte auf Vernunft und Augenmaß, die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ja, man mag mich naiv nennen, auch die ökologischen Probleme anzugehen. In diesen fragilen Zeiten hat nun Herr Merz agiert wie ein trotziger Teenager, der sich selbst überschätzt, und alles zerbrochen. Was bleibt, ist Hoffnung auf die Vernunft der Mehrheit der Menschen, auf die Einsicht, dass Demokratie noch immer und für immer die beste aller schlechten Regierungsformen ist.
    Birgit Mainz, Niederkassel (NRW)

  • Ja, dieses Merz-Vorgehen in Bezug auf die AfD war unverzeihlich, höchst dilettantisch und zerstörerisch für unsere Demokratie. Entsetzen und Empörung packen mich bei der Vorstellung, dass so einer demnächst Kanzler werden könnte. Hat die CDU überhaupt eine Alternative? Schande, Schande, Schande!
    Marlies Rosa, Frankfurt am Main

  • Ich denke, dass die einzige Möglichkeit, dieses Desaster noch zu retten, der Rücktritt von Friedrich Merz wäre. Die CDU täte wirklich gut daran, sofort einen anderen Kanzlerkandidaten zu benennen. Ich konnte mir schon vor vergangener Woche einen Kanzler Merz nur unter Schmerzen vorstellen, aber jetzt ist diese Vorstellung absolut unmöglich geworden.
    Christiane Steppan, Wiesbaden

  • Er hat unser Land ganz ohne Not, ganz kurz vor der Wahl und ganz plötzlich verdammt nah an österreichische Verhältnisse manö­vriert. Da wäre Laschet die einzige Rettung. Aber bereits das schafft die CDU jetzt nicht mehr – und das nur, weil die Plakate bereits gedruckt sind. Wie armselig.
    Dr. Ulrich Finckh, Dortmund

  • Sie wollen Ihren Leserinnen und Lesern wirklich vermitteln, dass der gute Christ und CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz sich nach langem Abwägen über mögliche politische Folgewirkungen dafür entschieden hat, in einem Bundestagswahlkampf AfD-Positionen zu übernehmen – weil er selbst Kinder und Enkelkinder hat und daher den Schmerz der Hinterbliebenen teilt? Und nicht, weil er sich von der Übernahme von AfD-Positionen erhofft, dass deren mögliche Wähler ihr Kreuz dann nicht bei der rechtsextremen Partei machen werden, sondern bei den Christdemokraten, denn diese vertreten ja jetzt dieselben Positionen? Wirklich?
    Dr. Irene Schöne, Kiel

  • Friedrich Merz war also emotional so aufgewühlt, dass er nicht anders konnte. Wem sind Sie denn da aufgesessen? Sicher, dass Sie nicht noch ein »D-Day-Papier« finden?
    Hermann Scheufgen, Köln

  • Ich bin doch einigermaßen überrascht, dass Eure Berichterstattung zu Friedrich Merz und den Vorkommnissen der letzten Tage extrem einseitig wirkt. Ich lese ausschließlich, wie sehr Merz versagt hat. Ihr sprecht ihm die Kanzlerfähigkeit ab und seid der Ansicht, es sei notwendig, einen Nachruf auf die Brandmauer zu verfassen. Es gehört jedoch zu einer vollständigen Darstellung, auch die andere Seite zu berücksichtigen und sich einmal der Überlegung hinzugeben, Merz’ Versuchen etwas Gutes abzugewinnen. Fakt ist doch: Die eta­blierten Parteien der Mitte überbieten sich seit Jahren darin, der AfD den Kampf anzusagen und sie »inhaltlich bekämpfen« zu wollen. Von diesem Vorhaben ist offensichtlich nichts geglückt. Liegt da nicht der Gedanke nahe, dass es sinnvoll sein könnte, nach anderen Strategien zu suchen, um der AfD beim Thema Migration nicht gänzlich das Feld zu überlassen?
    Diana Baganz, Mülheim an der Ruhr

  • Die Mitte in Deutschland will Migration, sowohl, weil wir sie benötigen, als auch aus humanitären Gründen. Aber sie will sie begrenzt wissen auf eine Anzahl von Personen, die wir zum jeweiligen Zeitpunkt integrieren können. Jahrelang haben Grüne und SPD sich dahingehend verweigert, trotz der klaren Stimmung in der Bevölkerung und der Warnungen ihrer eigenen Lokalpolitiker. Selbst bei Straftätern und Gefährdern waren sie nicht konsequent und haben den Aufstieg der AfD damit leider forciert. Und jetzt schießt die CDU völlig über das Ziel hinaus. Mit Angst statt Hirn bricht sie geltendes Recht und hat auch kein Problem damit, die Thesen der menschenverachtenden AfD zu übernehmen und sie gesellschaftsfähig zu machen. Wo ist nur die Mitte in der Politik geblieben?
    Stefan Masannek, Kiel

  • Das Problem ist nicht, dass Herr Merz der AfD die Tür zur Macht öffnet, sondern dass Grüne und SPD Tür und Fenster zu den Ängsten und Nöten großer Teile der Bevölkerung schließen. Wenigstens unterscheiden sich die Parteien der Mitte endlich mal, sodass die Wähler nun auch eine echte Wahl haben.
    Raimund Römer, Zirndorf (Bayern)

  • Alles gesagt und auf den Punkt gebracht. Wie man sich selbst ins Off schießt, kann man an Merz sehen. Egal, wen man fragt, selbst im Ikea unterhalten sich die Leute über dieses Desaster. Am meisten schmerzt mich die Vertiefung der Spaltung der Gesellschaft. Die Demos gefallen mir, aber was erreichen wir damit? Beunruhigend ist die Ausblendung der bedröppelten Gesichter der eigenen Leute und der gefallenen Brandmauer und diese Idee, dass immer alles die Schuld der anderen ist. Na klar. Wieso bedient sich Merz der trumpschen Register in Sachen Realitätsverleugnung und aggressiver Virilität? Der Erfolg heiligt mal wieder die Mittel.
    Ulla Backes, Neuss

  • Ein herrlich doppeldeutiges Titelbild: Merz sieht auf dem rechten Auge blau und fängt sich dafür ein blaues Auge ein.
    Martin Fleckenstein, Dorsten (NRW)

Überbezahlte Frühstücksdirektoren

Heft 5/2025 Wie viel versteht Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz von ­Wirtschaft? 

  • Nach achteinhalb Seiten Wahlwerbung für den Kanzlerkandidaten Robert Habeck in Heft 2/2025 hier nun ein Bericht über die mangelnde Wirtschaftskompetenz des Spitzenkandidaten der CDU, Friedrich Merz, dem man nach 14 Aufsichtsrats-, Verwaltungsrats-, Beiratsmitgliedschaften und jahrelanger Mitarbeit bei Blackrock unterstellt, keine Ahnung zu haben. Und das nicht zahlen- und faktenbasiert, sondern gestützt auf die subjektiven Mutmaßungen eines anonymen Insiders. Mehr Vorurteil geht nicht.
    Norbert Höpfner, Kronberg (Hessen)

  • Danke für diesen überragenden investigativen Journalismus. Das einzig wirklich Sichere an Merz ist, dass er das Trauma Merkel nicht überwunden hat. Sein Wankelmut und unsensibler Umgang mit zentralen Befindlichkeiten liegen an dem alten kulturellen Erbe der Enkel Adenauers, die sich anders als die Merkelianer überwiegend durch den schnellen eigenen wirtschaftlichen Erfolg definieren. Nach dieser gut recherchierten Geschichte muss man ernste Zweifel haben, ob das deutsche Schicksal bei Merz in guten Händen ist.
    Dr. Klaus Dierlich, Berlin

  • Sollte Ihr Artikel fair sein, erzeugt er bei mir als langjährigem Management Consultant das folgende Bild des Unions-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz: keine überzeugenden wirtschaftspolitischen Referenzen oder operativen Businesserfahrungen. Primär zahlreiche Aufsichtsratsmandate. Die wahrgenommenen Positionen bei Blackrock und so weiter würde man im Volksmund eher als die überbezahlter »Frühstücksdirektoren« bezeichnen. Für welche Führungsposition bei welcher Organisation wäre eine Bewerbung mit diesen Referenzen erfolgreich?
    Dr. Joachim Boidol, Halle (NRW)

  • Am schlimmsten ist Ihr Insiderzitat: »Merz wollte den großen Auftritt und sich nicht mit Details belasten.« Das passt wieder einmal zu seinen aktuellen Aktionen. Zudem imitiert er nun noch Donald Trump (»Am ersten Tag werde ich …«). Und: Durch permanente Grenzkontrollen schädigt er in Baden-Württemberg eine ganze Wirtschaftsregion. Drei große Mercedes-Werke, Siemens, Bosch und andere sind auf die Grenzgänger angewiesen, die alle nicht mehr zeitnah vernünftig zur Arbeit kommen könnten. Zudem würden die deutsch-französische Freundschaft und das Verhältnis zu Paris aufs Spiel gesetzt.
    Dr. Andreas Heinze, Beinheim (Frankreich)

  • Anmerkung der Redaktion vom 8. Februar 2025: An dieser Stelle war ein Leserbrief zu finden, in dem es um einen angeblichen Lehrauftrag von Friedrich Merz an der Universität St. Gallen ging, den es aber nach Angaben der CDU nie gab. Wir haben den Vorgang geprüft, den Brief depubliziert und bitten um Entschuldigung (hier mehr dazu).

Einerseits. Andererseits

Heft 5/2025 Fünf Menschen mit ­arabischen Wurzeln debattieren im SPIEGEL-Gespräch über ihr Verhältnis zu Deutschland 

  • Dass im Tischgespräch mit Dunja Ramadan fünf Menschen mit arabischer Migrationsgeschichte die Möglichkeit haben, ihre Sicht auf den Gazakrieg frei zu äußern, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein – ist es aber mit Blick auf die zurückliegende Berichterstattung der deutschen Qualitätspresse nicht. Kritik an der israelischen Kriegsführung wird hierzulande sofort als antisemitisch zurückgewiesen. Herr Hajjaj spricht die Einseitigkeit unserer Berichterstattung an und verweist auf die israelische Zeitung »Ha­­aretz«, die BBC oder Schweizer Medien als bessere Informationsquellen. Insofern ist die Gesprächsmoderation doch beachtlich, weil sie Mitglieder einer Minderheit zu Wort kommen lässt, über die sonst nur sehr fragwürdig berichtet wird.
    Hartmut Lindner, Chorin (Brandenb.)

  • Bemerkenswert an dem SPIEGEL-Gespräch ist, dass fünf Menschen mit arabischen Wurzeln zwar antimuslimische, nicht aber antisemitische Straftaten, die hierzulande knapp viermal so häufig vorkamen, erwähnen. Da überrascht es nicht mehr, dass ihnen weder ein einziges Wort des Bedauerns über das Massaker vom 7. Oktober 2023 über die Lippen kommt, noch die Aussage, dass Letzteres das Elend der Gaza-Bewohner verursacht hat.
    Martin Klein, Margetshöchheim (Bayern)

  • Die unreflektierten Denk- und Argumentationsweisen der fünf arabischstämmigen Diskutierenden verschlagen einem den Atem. Kein Bewusstsein für das (geschichtlich bedingte) Leiden der Juden, keine Anerkenntnis der Initialzündung des furchtbaren Krieges durch das Massaker des 7. Oktober, keine Einsicht in die Notwendigkeit der Distanzierung von der für diese Verbrechen verantwortlichen Hamas, kein Wort über die noch immer festgehaltenen Geiseln. Wer Mitgefühl erwartet, muss es auch gegenüber allen seinen Mitmenschen aufbringen.
    Dr. Eckhardt Schmidt, Neuenkirchen (Nieders.)

  • Ich danke Ihnen für dieses ausgezeichnete Interview. Vermisst habe ich aber die -Thematik des israelischen Antiarabismus.
    Siegfried Ullmann, Alfter (NRW)

Ein Ärgernis

Heft 5/2025 Eine Rechtsextremistin ­provoziert Fragen zum neuen ­Selbstbestimmungsgesetz 

  • Sie schreiben: »Immer wieder äußerten Organisationen aus dem feministischen Spektrum ihre Bedenken, dass trans Frauen Schutzräume wie etwa Frauenhäuser gefährden könnten.« Dass Neonazis, die AfD und das BSW gegen geschlechtliche Vielfalt agitieren und die Selbstbestimmung von trans- und intergeschlechtlichen Menschen angreifen, gehört zu deren Verhaltensauffälligkeiten und ihrem Märchenrepertoire. Dass Juraprofessorin Froese diese transfeindliche Aktion argumentativ rechtfertigt, ist verdrießlich. Dass die Frauenhäuser bemüht werden, die angeblich von trans Frauen gefährdet würden, dreht den Artikel in ein Ärgernis. Für die Frauenhauskoordinierung e. V. sind Frauen grundsätzlich alle cis, trans* und intergeschlechtlichen Frauen sowie alle Menschen, die sich als Frauen oder Mädchen verstehen. Gerade diese Debatte verlangt sachlich korrekte Berichterstattung.
    Cornelia Kost, Vorstandsmitglied Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit e. V., Hamburg

Thema 3

Heft 6/2025 Kolumne »Die da unten«: Die Kirchen machen als Verteidiger der Demokratie derzeit einen bemerkenswert guten Job 

  • Guter Artikel. Unser katholischer Priester ist schon seit zig Jahren überzeugter SPD-Anhänger. Früher wurde den Katholiken in der Predigt im Gottesdienst befohlen, gefälligst CDU zu wählen, die Partei mit »christlich« schon in der Bezeichnung. Die Zeiten sind gottseidank vorbei.
    Hubert Wiebeler, Bünde (NRW)

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