Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 75 / 77

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Faschismus, Leitartikel zum Leistungssport, Pergamonmuseum und Nachhilfe – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 35/2024

Wir dürfen nicht resignieren

Heft Nr. 34/2024 Titel: Wie Faschismus beginnt 

  • Ich bin beeindruckt von der Titelstory und den vielen wirklich guten Analysen. Nur das Titelbild hätte ich genau andersherum gestaltet, denn es wertet Höcke zu sehr auf: Trump, Le Pen und Höcke dann als Dritter wäre angesagt gewesen: nach Wirkmächtigkeit sortiert.
    Angelika Bäumer, Köln

  • Eine echte Faschistin ist Giorgia Meloni, Vorsitzende der als postfaschistisch klassifizierten Partei Fratelli d’Italia. Und sie ist derzeit die Einzige, die in einer Regierung vertreten ist. Warum fehlt sie auf der Titelseite?
    Stephan Bundi, Boll (Schweiz)

  • Schon der Titel verrät die ideologische Grundeinstellung der SPIEGEL-Redakteure. Die Geschichte hätte genau andersherum recherchiert werden müssen. »Wie schaffen es demokratische Parteien allein durch ihr Verhalten, den Beginn vom Ende der Demokratie einzuläuten und die Zustimmung ihres Volkes zu verlieren?« Auch der SPIEGEL hat anscheinend die wirklichen Ur­sachen nicht verstanden.
    Michael Müller, Lentföhrden (Schl.-Holst.)

  • Als langjährige Abonnentin muss ich mich fragen, ob ich mir weiterhin mein Wochenende vergällen lasse. Björn Höcke so auf dem SPIEGEL? Schämt Euch! Eure kritische Berichterstattung über Politik schätze ich, doch das Dauer­gemeckere über die Ampelregierung und den Finger in jede noch so lächerliche Wunde zu legen, macht die AfD groß. Ihr habt das mitzuverantworten.
    Petra Dreger, Roth (Bayern)

  • Die Anspielung des Titelbildes auf die Faschismus-Ästhetik der Dreißigerjahre erfordert beim Betrachten ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein. Ohne dieses kann es als Heroenbild fehlinterpretiert werden und die rechtspopulistische Wahrnehmung verstärken. Jede Wette, dass die drei abgebildeten Personen und deren Anhängerschaft keine Einwände gegen die Darstellung haben. Ein zweischneidiges Schwert.
    Simon Sartor, Oerlinghausen (NRW)

  • Ich habe selten einen so großartigen Artikel zum Thema Faschismus gelesen wie diesen. Er erklärt dessen Vergangenheit und Entstehung sowie die Folgen und die schleichende Vergiftung in unserer gegenwärtigen Gesellschaft. Darüber hinaus ist er sehr verständlich geschrieben und argumentiert auch nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern hinweisgebend zum vernünftigen Umgang mit dem Übel der faschistischen Ambitionen. Ein großes Lob und Dankeschön an die Autoren.
    Wolfgang Lilienthal, Hamburg

  • Mir hat der Artikel eindringlich vor Augen geführt, dass das bis vor Kurzem für unmöglich Gehaltene tatsächlich düstere Realität werden könnte. Es reichen dreiste Lügen und Abwarten, bis das verunsicherte Volk die Demokratie selbst abschafft. Eine gruselige letzte Warnung vor den Landtagswahlen.
    Jochen Zoellner, Isernhagen (Nieders.)

  • Um dem weltweiten Wieder­aufleben des Faschismus entgegenzuwirken, müssen die demokratischen Parteien aus ihrem Elfenbeinturm heraustreten. Sie müssen den von Inflation, steigenden Energiekosten und Kriminalität geplagten »normalen« Bürgern durch konkrete Politik beweisen, dass ihre Sorgen und Nöte ernst genommen werden. Andernfalls wird sich der Faschismus weiter festigen.
    Michael Pfeiffer, Neuhausen auf den Fildern (Bad.-Württ.)

  • Dieser lange Artikel ist voll von Vermutungen und Andeutungen, aber leer an belastbaren Fakten und Theorien. Meines Erachtens hat das weltweite Phänomen eines erstarkenden Rechtspopulismus und drohenden Faschismus wirtschaftliche Ursachen. Die ungerechte Verteilung von Reichtum in den westlichen Ländern ist ja kein Geheimnis. Es gibt Professoren aus den USA, die ihrem Land längst den Charakter einer Demokratie absprechen, weil die ökonomische und politische Macht so stark in den Händen der obersten ein Prozent liegt. Das hätte man doch ansprechen müssen.
    Rainer Ludwig, Leipzig

  • Als ich mir Ende 1989 als DDR-Bürger erstmals selbst eine Ausgabe des SPIEGEL kaufen konnte, hätte ich mir nie träumen lassen, dass es einmal ein Heft mit dem Titel »Wie Faschismus beginnt« geben wird. Nun sollten wir alle, aber wirklich alle, mal darüber nachdenken, was wir versäumt und was wir falsch gemacht haben. Und dann lese ich in der Titelstory von Meloni in Italien, Marine Le Pen in Frankreich, Milei in Argentinien, Orbán in Ungarn, von der FPÖ in Österreich, Wilders in den Niederlanden – und der AfD in Ostdeutschland. Deren Erfolge ergeben sich aber aus der gesamtdeutschen Geschichte mit allen Verwerfungen durch Diktaturen, Binnenmigration, Versagen der politischen Klasse des Westens nach 1989. Wir sollten also von einer AfD in Deutschland reden.
    Lothar Bader, Dresden

  • Sollten Faschisten, Populisten, Nationalisten immer mehr Macht bekommen, dann bekommen wir in 10 bis 20 Jahren Kriege in Europa. Wer glaubt, dass diese Regime untereinander in Frieden leben werden, der irrt. Frieden ist für Diktaturen nur dann von Bedeutung, wenn dadurch die eigene Macht gesichert wird.
    Kurt Czombra, Leipzig

  • Danke für die sehr interessanten Beiträge von Kagan, Stanley, Snyder, Mason und anderen. Sosehr die beschriebenen Kriterien für Faschismus wie auch seine Entwicklungsstufen plausibel sind, lassen sie doch außer Acht: 2024 ist nicht 1933. Mehr als 70 Prozent der Menschen in Deutschland wollen eben keine faschistische Herrschaft. Kamala Harris ist ein Hoffnungsschimmer in den USA. In Frankreich wurde ganz anders gewählt als befürchtet. In manchen Ländern wird diese Entwicklung länger dauern, aber ich sehe die Demokratie wie ein Gummiband: Sie ist fast unendlich dehnbar, doch irgendwann schnappt sie zurück und wird alternativlos. Wir dürfen nicht resignieren.
    Christoph Zischgl, Dorfen (Bayern)

  • Es geht weniger um das Böse, sondern um das Bedürfnis der Menschen, in einer immer mehr unüberschaubaren und undurchsichtigen Welt einfache Antworten zu erhalten.
    Werner Dinkelbach, Sinzig (Rhld.-Pf.)

Aus der Zeit gefallen

Heft 33/2024 Leitartikel: Der deutsche Sport muss endlich aus dem Mittelmaß raus 

  • Mein Gott, wir sind im Medaillenspiegel bei Olympia 2024 nur auf Platz zehn gelandet. Welch Katastrophe! Wir sind Export- und Tourismusweltmeister, und unsere Volkswirtschaft nimmt immer noch einen Platz unter den ersten fünf ein, in Europa sogar Platz eins. Haben wir nicht wichtigere Probleme – etwa marode Infrastruktur, Schuldenbremse, innere und äußere Sicherheit, Klimawandel, Arbeitskräftemangel, Bürokratie, Ampelfrust, Rechtsextremismus und so weiter?
    Dirk Bohman, Overath (NRW)

  • Ich finde Ihre Betrachtung daneben, freundlich gesagt. Soll der Sport die Position einnehmen, die er in der Hitlerzeit oder in der DDR hatte? Wohl kaum! Die Zahl der Medaillen ist doch kein Maß für die Repräsentanz des Sportes in einer Gesellschaft.
    Alexander Reiter, Kirchzarten (Bad.-Württ.)

  • Leistungssport scheint die letzte Bastion für eine aus der Zeit gefallene Art von Nationalismus zu sein, den ich in Ihrem Leitartikel genauso wie in den üblichen Berichterstattungen bei »Sportschau« und Co. vorfinde. Warum sollten denn nur deutsche Sportler Vorbilder sein und auf den Breitensport positiv wirken? Kann ich mich nicht durch die Leistungen einer slowenischen Kletterin oder eines kenianischen Läufers inspirieren lassen?
    Dr. Lukas von Maltitz, Bonn

Wenn das kein Skandal ist

Nr. 33/2024 Museumsinsel: Die Sanierung des Berliner Pergamonmuseums dauert Jahrzehnte. Rekonstruktion eines Debakels 

  • Super aufwendig und gut recherchiert. Bravo. Mit diesem Bericht kommt auch etwas mehr Licht in die Abläufe bei anderen Großbaustellen – zumindest ahnt man, woran es manchmal hapert. Den ursprünglichen Planern möchte man zurufen: »Geht vorher mal selbst (!) in den Keller und schaut euch um!«
    Stefan Dix, Butzbach (Hessen)

  • »Das Pergamonster« – die beste Überschrift seit »Wir sind Papst«. Glückwunsch!
    Philip Keutner, Berlin

  • Dieser umfassende Bericht verstärkt meinen Eindruck, dass öffentliche Auftraggeber mit Projekten dieser Größenordnung strukturell überfordert sind. Als Kölner fallen mir die zahlreichen Parallelen zur Sanierung der Kölner Oper auf. Sie wird am Ende deutlich mehr als die Elbphilharmonie kosten – aus ähnlichen Gründen. Mich erschreckt, dass es nicht mehr möglich zu sein scheint, solche Projekte umzusetzen, und ich empfinde das als Rückschritt unserer Gesellschaft. Eine Analyse der Ursachen wäre wirklich spannend.
    Peter Eisenhofer, Köln

  • Ich bin zutiefst erschüttert, eine düstere Ahnung wird Realität: Wenn Behörden planen und bauen, spielen Zeit und Kosten keine Rolle mehr. Wenn mehrere Behörden planen und bauen, steigern sich Zeit und Kosten ins -Unendliche, die Verantwortung verflüchtigt sich ins nebelhafte -Ungewisse. Wenn der Baufortschritt nicht vom Willen des Gelingens, sondern von dem Bestreben des Rechthabens vor Gericht bestimmt wird, ist das eine Garantie für das Misslingen. Behörden sind ihrer Natur nach inkompetent, komplizierte privatrechtliche Geschäfte abzuwickeln. Sie scheuen jedes Risiko, jede Verantwortung, verschieben brisante Entscheidungen auf Gutachter und Gerichte, endlos, kostenträchtig. Zahlvater ist der Steuerzahler, und Leidtragende sind das Image der deutschen Kulturlandschaft, die potenziellen Museumsbesucher und eine an der deutschen Effizienz verzweifelnde Öffentlichkeit.
    Lutz Bauermeister, Wilhelmshaven

  • Wenn das kein Skandal ist, dann ist das ein Skandal. Kürzer und treffender können die ominösen Vorgänge um die Sanierungsarbeiten beim Umbau des Pergamonmuseums nicht unters Volk gebracht werden. Einer allein hat es geschafft, dieses Knäuel unvorstellbar unzulänglicher Planungen und Durchführungen zu -entwirren. Chapeau, Hannes Schrader!
    Karl-Heinz Groth, Goosefeld (Schl.-Holst.)

  • Im Chaos lassen sich die Baukosten wunderbar extrapolieren, keiner blickt mehr durch. Das ist das ideale Klima für Goldfinger. Eine bekannte Strategie, die bei Großbauprojekten immer wieder gern angewendet wird. Die Gesamtkosten eines Bauvorhabens möglichst lange offenhalten, damit genug Spiel nach oben bleibt. Und sobald das Projekt unumkehrbar ist: gnadenlos zuschlagen – Staat und Steuerzahler sind zuverlässige Bürgen. Dabei kommt beim Pergamonprojekt vieles zusammen: Unwissenheit, Unfähigkeit, Schlamperei, Verantwortungswirrwarr und zum guten Schluss vor den Gerichten aufeinander losgehen, um Spuren eigenen Versagens zu verwischen. Die Kosten schießen derweil in göttliche Sphären. Die vorläufige Fertigstellung des Weltkulturprojekts werden viele gar nicht mehr erleben. Für die Recherchearbeiten jedenfalls -gebührt dem Journalisten des SPIEGEL ein Ehrenplatz, nicht in der Besenkammer des Pantheons.
    Wolfgang Gerhards, Berlin

  • Hat denn den hohen Herren aus dem hohen Amt noch niemand erzählt, dass ein Bau immer ganz unten, tief in der Erde beginnt? Und dass man bei einem alten Bau eben zuallererst tief unten schauen muss, was die Altvorderen da so gemacht haben und was davon noch vorhanden ist? Hat denn den hohen Damen und Herren niemand erzählt, dass man einen Bauvertrag nicht kündigen kann, weil die Folgen schlimmer sind als alle Streitwerte aus den Kündigungsprozessen? Ich bin beim Lesen des Artikels nicht aus dem Staunen herausgekommen.
    Askan Hertwig, München

  • Das Dach von Notre-Dame in Paris ist in fünf Jahren erneuert, das des Pergamonmuseums in Berlin in »mindestens« neun Jahren -»repariert«. Die deutsche Malaise hat systemische Gründe. Eine öffentliche Bauverwaltung, die zusehends in Richtung Mikromanagement entwickelt wird, statt sich auf die originäre Bauherrenrolle zu fokussieren. Ein Vergaberecht, das Projekte der öffentlichen Hand zeitlich unplanbar macht und aufgrund des Billigstbieter-Prinzips in immer schlechtere Qualität und permanenten Streit zwischen den Parteien mündet. Das überbordende technische Regelwerk, durch das alle Parteien stets ihre Haftungsrisiken im Blick haben, statt sich auf den Projekterfolg zu fokussieren. Und ein generell unter-entwickeltes Verständnis für kaufmännische Projektmanagement-Prozesse und Notwendigkeiten, um derartige Großprojekte solide umzusetzen.
    Dr. Stefan Remoser, München

  • Ganz hervorragender Artikel! So eine -Recherche wünsche ich mir auch für Flughafen Brandenburg, Elbphilharmonie und Stuttgart 21.
    Rainer Schwarz, Wissembourg (Frankreich)

Dauerzustand Nachhilfe

Heft 33/2024 Gut die Hälfte der Eltern hält Nachhilfe für eine wichtige Säule des Bildungssystems

  • Nachhilfe darf nur unter besonderen Bedingungen – wie nach Krankheiten – notwendig sein. Dass sie bei uns zum Dauerzustand geworden ist, ist eine Bankrotterklärung unseres Bildangstsystems.
    Ingolf Homberger, Essen

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