Fette Köter - DER SPIEGEL
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SCHALLPLATTEN / NEU IN DEUTSCHLAND Fette Köter

Franz Josef Degenhardt: »Der Senator erzählt«. Polydor 237 834; 19 Mark.
• aus DER SPIEGEL 25/1968
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

»Ich singe nicht für euch ... ihr Highlife-Spießer mit der Architektenideologie, ihr frankophilen Käselutscher ... ihr vollgestopften Allesfresser mit der Tischfeuerzeugkultur. Ihr, die ihr eure Frauen so wie Steaks behandelt und vor Rührung schluchzt, wenn eure fetten Köter. sterben.«

Für wen also singt »Väterchen Franz«, 36, der »versoffne Chronist«, Jura-Dozent und Familienvater aus Saarbrücken, seine verträumten, elegischen, pathetischen, militanten, höhnischen Lieder von Ohnesorg-Mord und Vietnam-Gemetzel, von peruanischer Armut und deutscher Misere, in der es »gar keine Wahl gibt bei den Wahlen«?

Er singt für Ho Tsch-minhs Leute, denn »ein Drittel meiner Gage«, sagt er, »zahle ich auf ein Konto des Vietcong in Südfrankreich«. Er singt, »politisch etwa in der Nähe des SDS«, für Dutschke und gegen den Schah-in-schah, gegen Kurras und für desertierende GIs.

Er singt schöner als je. Und dennoch will diesmal sein Lied nicht recht ins Ohr. Die Protestsongs des Marxisten Degenhardt, die bis 1967 zu jedem Ostermarsch gepaßt haben, wirken im Jahr der Barrikaden 1968 allzu poetisch und fast schon unzeitgemäß.

Aber Chansons werden nun einmal nicht so rasch verfaßt und Schallplatten nicht so eilig gepreßt -- die Arbeiter streiken, die Studenten marschieren schneller.

Graphik von Horst Janssen.

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