Beutekunst: Tausche Ikonen gegen Bleiglasfenster - DER SPIEGEL
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Beutekunst Tausche Ikonen gegen Bleiglasfenster

Noch mehr Bewegung im deutsch-russischen Ringen um die Beutekunst: Deutschland will zwei Ikonen und sieben Gemälde an Russland zurückgeben - im Tausch gegen die wertvollen Bleiglasfenster der Frankfurter Marienkirche. Der erneute kleine Tauschhandel soll den Beginn einer kulturpolitischen Perestroika markieren.
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Berlin - Der russische Kulturminister Michail Schwydkoi hat sich die während des Zweiten Weltkriegs von deutschen Streitkräften entwendeten Gemälde und Ikonen am Donnerstag in Berlin angesehen, wo sich die Kunstwerke gegenwärtig im Bestand des Deutschen Historischen Museums befinden. Die Rückgabe war von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin bei den am Mittwoch beendeten deutsch-russischen Gesprächen in Weimar angeboten worden und steht im Zusammenhang mit den gegenseitigen Beutekunst-Rückgabeforderungen.

Die Ikonen waren 1942 im Kaukasus von deutschen Soldaten aus zerstörten Bauernhäusern mitgenommen worden. Bei den Gemälden handelt es sich um Zarenporträts und die Darstellung eines Manövers von Alexander I., teilte Direktor Hans Ottomeyer vom Deutschen Historischen Museum mit. Die geplante Rückgabe sei "knapp, rasch und unkompliziert" bei dem Besuch des russischen Kulturministers in Berlin vereinbart worden. Die Gemälde sollen an ihren Ursprungsort, dem Gatschina-Palast nahe Sankt Petersburg, zurückkehren. Nida-Rümelin wird sie vermutlich schon bei seinem nächsten Besuch in Sankt Petersburg übergeben.

"Es war völlig klar, dass wir die Gemälde zurückgeben", sagte Nida-Rümelin und freute sich über einen "wirklichen Durchbruch" in den deutsch-russischen Beziehungen, was, so die Meinung des Kulturstaatsministers, auch langfristig einer Lösung der schwierigen Beutekunst-Frage zu Gute kommen werde: "Wir sind sehr optimistisch. Es gibt jetzt eine Kultur des Vertrauens und der Verlässlichkeit in unseren Beziehungen", meinte der SPD-Politiker.

Für den Museumsdirektor Ottomeyer ist die Rückgabe der Kunstwerke mithin kein großes Opfer: "Wir können sie leicht entbehren, sie haben keinerlei kunsthistorischen Wert, sie sind als historische Zeugnisse angefertigt worden und gehören daher an ihren Ursprungsort zurück." Die Gemälde waren 1944 im Inventar des Berliner Zeughauses, dem späteren Sitz des DDR-Museums für Geschichte und jetzigem Deutschen Historischen Museum, aufgenommen worden. Die deutsche Seite hat Schwydkoi allerdings auch darauf hingewiesen, dass sich noch eine Vielzahl von wertvollen Objekten des Zeughauses wie Waffen und Rüstungen aus der Zeit vor 1700 seit Ende des Zweiten Weltkriegs im Historischen Museum in Moskau befinden.

Das russische Parlament hat im Gegenzug bereits im Februar eine Rückkehr der als Beutekunst in die Sowjetunion verschleppten Bleiglasfenster aus der Marienkirche in Frankfurt an der Oder gebilligt. Schwydkoi kündigte an, dass Russland bis Ende 2002 eine vollständige Liste aller Beutekunst-Werke vorlegen will. Er gehe von 287.000 Kunstgegenständen aus, während die deutsche Seite von fünf Millionen gesprochen hatte. Dabei könne es sich jedoch nicht um eine "Einbahnstraße" handeln, so der Kulturminister und betonte, dass Russland auch noch zahlreiche Forderungen in diesem Zusammenhang zu stellen habe. Man wird sich wohl auf eine lange Reihe kleiner "Tauschhändel" einstellen müssen...