Dieter Wedel Kein Ende der Affäre
Ganz so frei sind die Gedanken dann auch wieder nicht: In dem nun schon seit Wochen andauernden Streit zwischen dem Autoren und Produzenten der ZDF-Serie "Die Affäre Semmeling" und dem Romanautoren Manfred Zach wurden jetzt die angedrohten rechtlichen Schritte eingeleitet. Zachs Verlag, die Deutsche Verlagsanstalt München (DVA), hat beim Landgericht in Stuttgart Klage gegen Dieter Wedel sowie gegen das ZDF und den Österreichischen Rundfunk (ORF) eingereicht.
Die DVA wirft Wedel und den beiden Sendern Urheberrechtsverletzung vor, bestätigte ein Sprecher des Gerichts am Mittwoch einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Der Münchner Verlag teilte mit, er klage auf Schadenersatz und Unterlassung für künftige Verwendungen des Filmmaterials. "Wir haben das Beweismaterial jetzt zusammengestellt und es dem Gericht übergeben", sagte DVA-Sprecher Markus Desaga in München auf Anfrage.
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Der Stuttgarter Autor Manfred Zach und die DVA hatten Wedel zuvor vorgeworfen, für seine "Semmelings" zu großen Teilen widerrechtlich aus Zachs Roman "Monrepos oder die Kälte der Macht" abgeschrieben zu haben. In der Serie von Wedel seien wortwörtliche Zitate aus "Monrepos" gefallen, hatte Zach behauptet. Ganze Handlungsstränge und Figurenkonstellationen stammten aus seinem Buch. Abmahnungen seien folgenlos geblieben, die vom Verlag geforderten Unterlassungen seien nicht abgegeben worden, hieß es bei der DVA weiter.
Der Anfang des Jahres ausgestrahlte ZDF-Sechsteiler "Die Affäre Semmeling", in dem Wedel von Intrigen und Steuerproblemen in der Hamburger Lokalpolitik erzählte, sorgte trotz niedriger Einschaltquoten für reichlich Diskussionsstoff in der Öffentlichkeit. Ein ZDF-Sprecher sagte am Mittwoch, dass der Sender die gerichtliche Klärung abwarten werde. Im Übrigen handele es sich um eine Sache zwischen Zach und Wedel. Wedel hatte schon vor einigen Wochen darauf hingewiesen, dass er mit Zach ein langes Interview geführt habe. Passagen dieses Gesprächs seien in die Semmeling-Handlung eingeflossen.
In seinem Roman "Monrepos" hatte Zach - damals noch Sprecher des baden-württembergischen Ministerpräsident Lothar Späth (CDU) - einen schonungslosen Blick durch die Schlüssellöcher der Stuttgarter Regierungsbüros geworfen. Das Buch wurde als Chronologie der Späthschen Regentschaft betrachtet und ließ die Wellen der Begeisterung ebenso hochschlagen wie die des Protestes. Es hat nach DVA-Angaben bisher eine verkaufte Auflage von 30.000 als Hardcover und 70.000 als Taschenbuch erreicht.