Expo-Pavillon: Bunt gemischte Gipsparade - DER SPIEGEL
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Expo-Pavillon Bunt gemischte Gipsparade

Im deutschen Expo-Pavillon sollen 47 monumentale Gipsbüsten das neue Selbstbewusstsein der Nation präsentieren. Dass zu den Abgebildeten neben Beethoven, Einstein und Adenauer auch die Maus aus der "Sendung mit der Maus" gehört, macht diese Aufgabe nicht leichter.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Seit jeher ist das deutsche Selbstverständnis vom Personenkult geprägt: Geht es um Musik, wird allzu oft Beethoven herbeizitiert, spricht man über Literatur, wird immer wieder die Goethe-Keule geschwungen. Auf der Expo 2000 wäre nun die Gelegenheit gewesen, Deutschland zur Jahrtausendwende in einem weniger verstaubten Licht darzustellen.

Doch lieber bleibt man beim Allvertrauten. Deutschland, deine Dichter und Denker, lautet wieder einmal das Motto der Eigendarstellung: 47 bis zu sechs Meter hohe Gipsbüsten von Prominenten sollen im Expo-Pavillon die "Ideenwerkstatt Deutschland" vertreten und, so Kulturstaatsminister Michael Naumann, ein Bild mit einem neuen Selbstbewusstsein Deutschlands präsentieren.

Verwunderlich nur, dass für dieses neue Selbstbild altbekannte Größen wie Ludwig van Beethoven, Willy Brandt und Konrad Adenauer herhalten mussten. Um der bedeutungsschweren Abordnung einen Schuss Selbstironie zu verleihen, durften sich zu den altgedienten Vorzeige-Deutschen auch noch moderne Außenseiter wie der Love-Parade-Erfinder Dr. Motte, DJ Mousse T. und sogar die Maus aus der "Sendung mit der Maus" gesellen.

Bei dem Versuch, zwischen Tradition und Gegenwart einen neuen Standpunkt zu finden, wollten jedoch nicht alle der noch lebenden Auserwählten mitspielen: Dem Vernehmen nach haben sich unter anderen Komiker Loriot und Literaturnobelpreisträger Günter Grass geweigert, ihr Konterfei für die bunt gemischte Gipsparade zur Verfügung zu stellen.

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