"News of the World"-Skandal Murdoch entschuldigt sich bei Angehörigen von Abhöropfer
Medienmogul Murdoch: Demütige Entschuldigung
Foto: Andy Rain/ dpaLondon - Medienmogul Rupert Murdoch hat sich in einem Hotel in der Londoner Innenstadt mit den Angehörigen der getöteten Milly D. getroffen. Murdoch habe sich für das entschuldigt, was Mitarbeiter seiner inzwischen eingestellten Zeitung "News of the World" der Familie angetan haben, berichtete die britische Agentur PA am Freitag.
Millys Eltern hatten ein Treffen mit den Verantwortlichen der "News of the World" verlangt, seit ans Licht gekommen war, dass Journalisten der Zeitung die Mailbox ihrer entführten Tochter angezapft hatten. Die Journalisten hatten sogar Nachrichten gelöscht, um Platz für neue zu machen, während das Mädchen vermisst wurde. Dadurch hatte die Familie sich falsche Hoffnungen gemacht, ihre entführte Tochter sei noch am Leben.
Es sei ein privates Treffen von Murdoch mit Eltern und Schwester der Getöteten gewesen, um das der Medienzar gebeten hatte. Murdoch habe sich mehrfach demütig und aufrichtig bei der Familie entschuldigt, hieß es. "Er bat um Entschuldigung und sagte, das hätte nicht passieren dürfen", sagte der Anwalt der Familie D., Mark Lewis, nach dem Treffen. "Murdoch sagte, die Vorgehensweise der 'News of the World' habe nicht den Standards entsprochen, die sein Vater, ein angesehener Journalist, und seine Mutter gesetzt haben." Diese hatten den Grundstein für das Imperium gelegt.
Die Schülerin Milly D. war 2002 im Alter von 13 Jahren entführt und später tot aufgefunden worden. Die Angehörigen des getöteten Mädchens hatten sich in dieser Woche bereits mit Premierminister David Cameron und anderen Spitzenpolitikern getroffen.
Entschuldigung soll Anzeigenkunden besänftigen
Am Freitag hatte Murdoch bereits versucht, mit einem "Sorry" die Wut der britischen Nation über die Abhörpraktiken der mittlerweile eingestellen "News of the World" zu besänftigen. James Murdoch, Sohn des Medienmoguls und Europa-Chef seines Konzerns News Corp. kündigte an, man werde in den Wochenendausgaben aller landesweit erscheinenden Zeitungen Großbritanniens Anzeigen schalten.
"Das Unternehmen hat Fehler gemacht", schrieb Murdoch junior in einer Notiz an die Mitarbeiter von News International, der britischen Konzerntochter. "Wir werden uns bei der Nation entschuldigen für das, was passiert ist." Zusätzlich würden Briefe an die Anzeigenkunden verschickt, in denen genau dokumentiert sei, welche Schritte zur Lösung der Krise unternommen worden seien.
Vor allem das Augenmerk auf die Gunst der Anzeigenkunden lässt vermuten, dass es sich bei der Entschuldigungskampagne nicht wirklich um das Eingeständnis von Schuld handeln wird, sondern um einen kühl kalkulierten Schritt zur ökonomischen Schadensbegrenzung. Seit Beginn des Abhörskandals waren der "News of the World" vor ihrer Schließung durch Rupert Murdoch zahlreiche Werbekunden abgesprungen, viele Leser boykottierten das Blatt.
Murdoch spricht von "kleineren Fehlern"
Auch die Ankündigung von Vater und Sohn Murdoch, nun doch vor einem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments auszusagen, spricht nicht wirklich für Einsichtsfähigkeit. In einem Interview mit dem "Wall Street Journal", das ihm ebenfalls gehört, sagte Rupert Murdoch, es habe nur "kleinere Fehler" in seinem Unternehmen gegeben. Manche der Vorwürfe, die im Parlament gegen ihn erhoben worden sind, seien "erlogen".
Mit seinem Auftritt vor dem Unterhaus will Murdoch nach eigener Aussage die Integrität seines Unternehmens in den Augen der britischen Öffentlichkeit wiederherstellen. Wichtig sei es nun, "so transparent wie möglich" zu handeln. Allerdings hatte Murdoch vorher eine Aussage abgelehnt und erst seine Meinung geändert, als er vorgeladen wurde.
Am späten Freitagabend wurde bekannt, dass Murdoch wegen des Skandals eine wichtige Führungsfigur in seinem Imperium News Corp. verliert. Les Hinton, Chef der Tochterfirma Dow Jones, tritt zurück. Das meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf ein Rundschreiben Hintons. Auch das "Wall Street Journal" berichtete über seinen Abgang; die Zeitung ist das Flaggschiff von Dow Jones. Hinton hatte bis zu seinem Wechsel an die Spitze des Unternehmens die britische Verlagstochter News International geleitet, zu der auch das Skandalblatt "News of the World" bis zu seiner Einstellung gehörte.
Bereits am Freitagmittag hatte Murdoch eine schwere personelle Niederlage einstecken müssen: Seine Top-Managerin, die frühere "News of the World"-Chefredakteurin Rebekah Brooks, kündigte ihren Rücktritt an. Sie stand im Zentrum der öffentlichen Kritik, weil sie zur Zeit der schlimmsten Abhörfälle verantwortlich bei dem Skandalblatt war und zudem jetzt von Murdoch mit der Aufklärung der Affäre betraut wurde. Brooks gilt nicht nur als enge Vertraute, sondern quasi als Familienmitglied der Murdochs. Der Patriarch soll ihren Rücktritt bis zuletzt gegen den öffentlichen und politischen Druck abgelehnt haben.
Schon vorher war bekannt geworden, dass nun auch das FBI gegen Murdochs Konzern ermitteln will, weil seine "News of the World" auch die Handy-Mailboxen von Betroffenen der Terroranschläge vom 11. September 2001 abgehört haben soll.