Springer Verlag "Fakt" wird Polens größtes Boulevardblatt
Zunächst war erst für das kommende Jahr mit dem Start der neuen Tageszeitung gerechnet worden. Am Montag hatte der Axel Springer Verlag in Hamburg allerdings Gerüchte um einen früheren Start bestätigt.
Die neue Tageszeitung soll nach den Worten von Springer-Chef Mathias Döpfner keine Eins-zu-Eins-Kopie der deutschen "Bild"-Zeitung werden. Mit den vier großen Buchstaben lehne sich "Fakt" aber zumindest an den deutschen Titel an. Schon von Mittwoch an soll die Markteinführung der Zeitung mit einer breit angelegten Werbekampagne unterstützt werden, die laut Verlag einen "einstelligen Millionenbetrag" gekostet hat. Eine Woche später startet dann der Verkauf der Zeitung.
"'Fakt' ist unser bislang ambitioniertestes Projekt in Polen", sagte Andreas Wiele, Vorstand Zeitschriften und Internationales. "Mit dem Eintritt in den polnischen Tageszeitungsmarkt zünden wir die zweite Stufe in unserer Internationalisierungsstrategie."
"Fakt" ist nicht der erste Titel, den der Springer-Verlag in Osteuropa publiziert. Seit seinen ersten unternehmerischen Aktivitäten 1988 in Ungarn ist Springer dort mittlerweile zum größten Verlag aufgestiegen. Axel Springer Polska, eine Verlagstochter der Axel Springer AG, ist mit 15 verschiedenen Titeln immerhin der zweitgrößte Verlag auf dem Zeitschriftenmarkt in Polen und sogar führend auf dem Anzeigenmarkt. Auch in Tschechien ist der Verlag mit einer eigenen Tochtergesellschaft und neun Titeln vertreten.
Insider der Medienbranche spekulieren, dass Springer mindestens 100 Millionen Zloty (23 Millionen Euro) in die neue Zeitung investiert hat. Außerdem soll die Zeitung extrem billig sein und weniger als einen Zloty (rund 0.26 Euro) kosten.
Der Hauptkonkurrent auf dem polnischen Zeitungsmarkt wird voraussichtlich das Boulevardblatt "Super Express" sein, das derzeit mit einer Auflage von 408.000 Exemplaren erscheint. Sollte "Fakt" tatsächlich zu einem so niedrigen Preis auf den Markt kommen, würde auch der "Super Express" seine Preise senken. "Der Krieg mit Springer wird uns etwa zehn bis 20 Millionen Dollar kosten", sagte Zbigniew Benbenek, Vorsitzender der Muttergesellschaft von "Super Express", der "Rzeczpospolita".
Weitere wichtige polnische Tageszeitungen sind die konservative "Rzeczpospolita" mit einer Auflage von 252.000 sowie die liberale "Gazeta Wyborcza" des polnischen Verlags Agora mit einer Verbreitung von 535.000 Exemplaren im vergangenen Jahr. Nach Bekanntgabe der Entscheidung des Axel Springer Verlags fielen die Agora-Aktien um 4,3 Prozent.
Mehr als 120 polnische Journalisten werden bei der neuen Tageszeitung beschäftigt sein, unter ihnen auch einige frühere Redakteure vom "Super Express". Chefredakteur wird der 34 Jahre alte Gregorz Jankowski, der vorher schon als stellvertretender Chefredakteur für "Newsweek Polska" gearbeitet hat. Das Magazin wird ebenfalls vom Verlag Axel Springer in Lizenz herausgegeben.