GESTORBEN
HELENA PETRANKOVA, 64. Als einzige Frau errang sie in der tschechoslowakischen Armee den Rang eines Obersten: Sie war eine alte Soldatin. Die Kommunistin kämpfte im spanischen Bürgerkrieg 1936 und focht gegen die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs in der Tschechischen Brigade unter General Svoboda, dem heutigen Staatschef der CSSR, in Waffenbrüderschaft mit den Sowjets, die sie mit mehreren Tapferkeitsauszeichnungen ehrten. Die Nachricht vom Verrat der Waffenbrüder ließ die seit Monaten kranke Kämpferin in schwere Depressionen fallen; der Sowjet-Angriff auf die Tschechoslowakei förderte den Tod von Oberst Petrankova. Zu ihrer Einäscherung am letzten Mittwoch erschienen Parlamentspräsident Smrkovsky und -- zum erstenmal in offizieller Funktion -- Parteichef Dubceks Ehefrau Anna. Erstmals seit dem Sowjet-Einmarsch schossen CSSR-Soldaten: Salut für eine Dame.
GEORGE PEABODY GOOCH, 94. Der Nestor der britischen Historiographie, Mitglied des deutschen Friedensordens »Pour le Mérite«, war seit seinen Studientagen in Berlin ein Verehrer Leopold von Rankes. »Er ist unser aller Meister«, der »Goethe der Geschichtsschreibung«, schrieb Gooch über Ranke. Und wie dieser vertrat auch er die Devise, daß Geschichtsschreibung eine »Gewissenssache« sei. Sein Studium in Deutschland und seine deutsche Frau verbanden ihn mit dem Land, von dem er sagte, daß es kein anderes Land in Europa gebe, dos eines »gründlicheren und leidenschaftsloseren Studiums« bedürfe. Als Liberaler kritisierte er die Haltung der britischen Regierung im Burenkrieg, die These von der alleinigen Schuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg und den Versailler Vertrag.