FILM Hirn im Bauch
Nicht noch eine Teenie-Komödie, denkt man sich in manchen Szenen dieses Films - etwa wenn ein Uralt-Spaß des Genres aufgewärmt wird: Eltern verabschieden sich ins Wochenende, zurückgelassenes Mädchen und ihr Freund hüpfen zum ersten Mal ins Bett, Eltern kehren überraschend wieder zurück. Die Kunst des Regisseurs Michael Gutmann, 45, und seines Drehbuch-Co-Autors Hans-Christian Schmid ("Crazy"), 36, besteht jedoch gerade darin, dass sie solche Pubertätsdramen auf famos beiläufige Weise schildern - das macht Gutmanns Werk »Herz im Kopf«, das diese Woche in die Kinos kommt, zu einem der berührendsten deutschen Filme seit langem. »Herz im Kopf« setzt dabei auf einen Naturalismus, der manchmal nervtötend und oft herzergreifend ist. Vor allem vertraut der Regisseur jedoch ganz auf seine beiden jungen Hauptdarsteller: Sehr gelassen sieht er Alicja Bachleda-Curus (die in Polen bereits ein Pop- und Kinostar ist) und Tom Schilling bei der Liebesarbeit zu. Denn das ist eine der Lektionen, von denen dieser Film erzählt: So toll alle Geschichten von der ersten großen Liebe in der Erinnerung auch sein mögen, für die beiden Menschen, die das Glück und Elend der Pubertät durchleben, ist sie eine üble Plackerei - weniger, weil sie ihr Herz im Kopf, sondern eher, weil sie ihr Hirn im Bauch spazieren tragen.