Kino in Kürze »Kindertransport«.
Die Geburtstagstafel war festlich gedeckt. Das achtjährige Geburtstagskind Ursula Rosenfeld wartete auf seine Gäste, aber niemand erschien. Ein jüdisches Mädchen galt im Provinznest Quakenbrück bereits im Jahr der Machtergreifung durch die Nazis, 1933, als Außenseiterin. Die kleine seelische Katastrophe war der Anfang eines Leidenswegs, der nur deshalb nicht in der Vernichtung endete, weil Ursula Rosenfeld zusammen mit zehntausend anderen Kindern kurz nach den Pogromen von 1938 in einer einzigartigen Aktion nach England entkommen konnte. Der US-Dokumentarfilm »Kindertransport (Autor und Regisseur: Mark Jonathan Harris), der an diesem Montag in Berlin Premiere hat - Bundeskanzler Gerhard Schröder will kommen - und der anschließend mit deutschen Untertiteln ins Kino kommt, lässt heute Zeitzeugen eindrucksvoll von dieser Rettungsaktion erzählen. Neben jüdischen fanden auch nichtjüdische Kinder von Regimegegnern Asyl in englischen Familien und Pflegeheimen. Die deutsche Buchfassung der Dokumentation kündigt Goldmann für Ende November an.