Box Office: Mission gescheitert? - DER SPIEGEL
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Box Office Mission gescheitert?

Amerikas Kino-Industrie freut sich über wachsende Umsätze, umso mehr schmerzte der verhaltene Start des Action-Blockbusters "Mission: Impossible III" am Wochenende. Größte Konkurrenz für Tom Cruise: das Sommerwetter.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Los Angeles/Hamburg - Man hatte mit mehr gerechnet. "Mission: Impossible III", der erste richtige Sommer-Blockbuster des Jahres mit Tom Cruise als Superagent Ethan Hunt, sollte eigentlich Rekorde brechen, setzte an seinem ersten Wochenende in den USA aber lediglich 48,025 Millionen Dollar um. Das ist beileibe kein schlechtes Ergebnis, aber eben gut zehn Millionen weniger als der letzte Teil der Action-Reihe vor sechs Jahren an seinem Startwochenende eingespielt hatte.

US-Branchenexperten mutmaßen, dass die neue Offenherzigkeit des Megastars Cruise, 44, für den Unwillen des Kinopublikums verantwortlich ist. Der traditionell medienscheue Schauspieler hatte in den vergangenen Monaten in nahezu jeder großen Talkshow freimütig und detailreich über sein Beziehungsglück mit Kollegin Katie Holmes berichtet und nebenbei auch immer wieder eifrig seinen Glauben an Scientology propagiert. Gerade letzteres, so die Vermutung, könnte potenzielle Zuschauer abgeschreckt haben.

Dabei gilt der dritte "Mission: Impossible"-Film, gedreht von TV-Regisseur JJ Abrams ("Lost", "Alias")  bei Kritikern als bisher bester Teil der Reihe - unter anderem deshalb, weil er den harten Spezialagenten Hunt (Cruise) bei aller Action-Dynamik auch einmal von der familiären Seite zeigt.

Wahrscheinlich ist die schlechte Stimmung also unberechtigt, zumal der Vergleich mit den Cruise-Blockbustern der jüngeren Vergangenheit hinkt: "Mission: Impossible II" startete 2000 am Memorial-Day-Wochenende, hatte also drei Tage Zeit, um auf 57,8 Millionen Dollar zu kommen. Steven Spielbergs "Krieg der Welten", ebenfalls mit Tom Cruise in der Hauptrolle, setzte im vergangenen Jahr 64,9 Millionen Dollar um, allerdings startete auch das Science-Fiction-Spektakel an einem Feiertagswochenende. In diesem Licht betrachtet, ist der Start von "Mission: Impossible III" sogar mehr als beachtlich. Weltweit spielte der Film mit 118 Millionen Dollar Startumsatz sogar drei Millionen mehr ein als sein Vorgänger. Allerdings sind die Ticketpreise seit 2000 um mehrere Prozent gestiegen.

Aber wirklich beklagen darf sich die US-Kinoindustrie nicht, denn die Umsätze steigen seit nunmehr sieben Wochen kontinuierlich. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als "Königreich der Himmel" mit mageren 19,6 Millionen Dollar Umsatz das Box Office dominierte, sind die Umsätze um satte 27 Prozent gestiegen.

Andere Neustarts hatten es dennoch schwer am Cruise-Wochenende: Das Gothic-Drama "An American Haunting"  mit den Altstars Sissy Spacek und Donald Sutherland platzierte sich mit 6,4 Millionen Dollar auf Rang drei; der Familienfilm "Hoot"  über eine Gruppe von Teenagern, die vom Aussterben bedrohte Eulen retten, landete mit 3,4 Millionen Dollar auf Platz neun. Der 9/11-Thriller "United 93" kam in der zweiten Woche mit 5,2 Millionen Dollar auf Platz fünf.

Auch in Deutschland musste sich "Mission: Impossible III" mit weniger Zuschauern als erwartet zufrieden geben - was wahrscheinlich viel mit dem ersten warmen Sommer-Wochenende zu tun hat. Laut "Blickpunkt: Film" startete der mit 777 Kopien ins Rennen geschickte Actionfilm zwar auf Platz eins, seine rund 310.000 Besucher sind allerdings nur das bisher sechstbeste Startergebnis in diesem Jahr. "Mission: Impossible 2" war vor sechs Jahren mit 1,3 Millionen Zuschauern angelaufen.

Wie sehr das Wetter den Kinos das Leben schwer machte, zeigt auch das plötzlich miserable Abschneiden des Dauerbrenners  "Ice Age 2" , der am vergangenen Wochenende noch von 471.705 Besuchern gesehen worden war, jetzt aber nur noch auf rund 130.000 Zuschauer kam. Auch  "Scary Movie 4"  schaffte am dritten Wochenende nur noch knapp die 100.000-Besucher-Marke, gefolgt von "Hostel" mit ungefähr 65.000 Besuchern. Die Fußballkomödie  "FC Venus"  lockte nur noch knapp 30.000 Zuschauer - Platz fünf.

Nur auf Rang elf landete der mit Gwyneth Paltrow und Anthony Hopkins hochkarätig besetzte Neustart "Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn"   (101 Startkopien) mit etwa 10.000 Besuchern. Der südafrikanische Oscar-Gewinner "Tsotsi"  (47 Startkopien) wurde nur von etwa 6000 Kinogängern gesehen und landete auf Platz 15. Nur rund 900.000 Tickets wurden insgesamt in Deutschland verkauft.

bor/AP

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