"Traffic": Realistisches Drogendrama - DER SPIEGEL
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"Traffic" Realistisches Drogendrama

Authentisch erzählt und realistisch gespielt: Steven Soderberghs "Traffic" erzählt drei Geschichten aus dem amerikanischen Drogenkrieg - ohne Lösung oder Happy End zu präsentieren.
Von Nataly Bleuel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nie hätte ich geglaubt, dass Michael Douglas echt wirkende Tränen der Rührung über sein Gesicht gleiten lassen kann. Was Michael Douglas betrifft, bin ich äußerst befangen: Kann dieses konservative, familienmoralische Froschgesicht mit den gepressten Kieferknochen nicht so arg gut leiden.

Doch wie er als oberster Fahnder des amerikanischen "Drogenkriegs" leidet über den Absturz seiner 16-jährigen Tochter, ihre so genannte Drogenkarriere (als ob es da immer treppauf ginge) - das wirkt: Echt. Rührend. Und muss daran liegen, dass Steven Soderbergh nicht nur Regie, sondern auch die Kamera geführt hat. Handkamera, drei Farbfilter gelb-weiß-blau, kaum Lichteffekte. Klingt wie Dogma. Bewirkt Schnelligkeit und Authentizität der Geschichte. Und das ermöglicht den Darstellern realistisch statt steril durchkomponiert zu spielen: Douglas und seine beim Dreh schwangere Frau-Freundin Catherine Zeta-Jones, Dennis Quaid und vor allen: Benicio Del Toro. Drei Überraschungen.


Quicktime: Der Trailer zu "Traffic" (6 MB) 

"Traffic" handelt von den Drogen, ihrer Macht, ihrem Handel. Der Film spielt in Mexiko, Kalifornien, Washington und Ohio. Die Geschichte hat drei Erzählstränge: Ein kleiner mexikanischer Polizist lässt sich mit dem skrupellosen General ein, der Drogenfahnder und Profiteur in einer Person ist. Die heile Welt einer reichen amerikanischen Gattin bricht zusammen, als ihr Mann als Drogenbaron enttarnt wird. Und der oberste Drogenfahnder der USA stellt, neu im Amt, fest, dass seine Tochter an Crack und Heroin hängt. Keine Lösung. Kein Happy End. Nur der ewig moralstarke Michael Douglas zieht mal wieder seine Schlussfolgerung: Er könne keinen Drogenkrieg in seiner eigenen Familie ausfechten. Will seiner Tochter jetzt mehr Zeit widmen. Ah ja. Kleine Konzession an die Keimzelle der Ordnung: Familie. Altes Douglas-Thema.

Gar kein Froschgesicht ist Benicio Del Toro. Für seine Darstellung des guten Cops hat er schon einige Preise bekommen. Zu Recht. Je mehr Wissen er über die Korruption der Kartelle erlangt, desto weniger muss er sagen: Der "Krieg" spielt sich auf seinen Gesichtszügen ab. Eine schwer beeindruckende Figur. In einem guten Film.

Soderbergh: Mann mit der Ausstrahlung eines Bankangestellten

Und auch Steven Soderbergh ist perplex: "Ich bin immer überrascht über die Dinge, die im Filmgeschäft passieren", sagt er auf der Pressekonferenz zu seinem hoch gehandelten Film. Jemand will wissen, was Soderbergh von den zwei möglichen Oscar-Nominierungen für "Erin Brockovich" und "Traffic" - halte. Auch dieser Mann hat eher die Ausstrahlung eines Bankangestellten - spricht dann aber sehr aufrechte Sätze. Dass keiner in den USA noch irgendwas von Drogen und Drogenkrieg hören wollte, dass er deshalb den Film mit einer der wenigen unabhängigen Produktionsgesellschaften drehte, dass auch er keine Lösung des Drogenproblems offerieren könne. Und dass er einfach immer seine Filme gedreht habe und jetzt führen plötzlich alle drauf ab.

Vielleicht sind die Leute übersättigt von fabrizierten Träumen. Wollen realistische Geschichten sehen. Soderbergh erzählt, ein hoher Drogenbeamter habe nach dem Film gesagt, in Wirklichkeit seien die Verstrickungen von Fahndern, Kartellen und Gewalt noch viel größer. Womöglich war der Regisseur fast zu bescheiden.

Kein Mensch hätte geglaubt, dass man Zuschauer begeistern könnte für einen Film, der noch dazu teilweise in spanischer Sprache gedreht ist. "Wenn man den Film nur im Geringsten ernst nehmen wollte", sagt Soderbergh, "war dieser Schritt unvermeidlich". Der mutige Schritt hat sich ausgezahlt: Das Publikum ist anspruchsvoller, als die Medienmacher denken.

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