KRITIK
Manfred Franke: »Ein Leben auf Probe«. Epidermolysis bullosa hereditaria simplex -- das ist: erblich bedingte Neigung der Haut, sich schon bei leisestem Druck unter Blasenbildung abzulösen, und das Leiden des Säuglings Wolfgang S. Dem lebensgefährlichen medizinischen Sonderfall gewinnt der Erzähler und Deutschlandfunk-Redakteur Franke, 37, trotz einiger Anfänger-Ungelenkheiten ein Stück elementarer Literatur ab: Die Leiden des Kindes und die Verzweiflung der Eltern werden mit einer Nüchternheit beschrieben, die auf Tröstungen verzichtet, erst so aber als die intensivste Form des Mitleids erkennbar wird. (Goverts; 100 Seiten; 6,80 Mark.)
Paul Schallück: »Don Quichotte in Köln«. Der rheinische Junker Scharfsinn ist Rundfunkredakteur und hat zu reichlich kulturelles Wort verbreitet. Nun will er Humanismus praktizieren wie einst der Spanier die verstaubten Ritter-Ideale und verbündet sich, vom Autor angemessen Don Tünnes genannt, mit einer Sancho-Pansa-Type namens Scheel zum vertrauten Lokalkomiker-Duo. Für seine Leser -- »meine lieben Jungfrauen, Puppen und steilen Zähne« -- mobilisiert der furchterregend schelmende Kölner Schallück alle Mittel und Mätzchen der literarischen Moderne. Dafür möchte er nun gerne mit Laurence Sterne verglichen werden. (5. Fischer; 352 Seiten; 22 Mark.)
Rudolf Pörtner: »Das Römerreich der Deutschen«. Nachdem Bestseller-Autor Pörtner so erfolgreich »Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit« (1959) hinabgefahren ist, hat er seinen kulturhistorischen Rückblick diesmal auf die »Reste, Ruinen und Bauwerke« aus der Zeit des deutschen Frühmittelalters geworfen, der, wie Pörtner meint, »vitalsten und schöpferischsten Epoche der deutschen Geschichte«. Besonders beeindruckt zeigt er sich von der Essener Münsterkirche, denn: »Das freiadlige Damenstift war die Keimzelle der Stadt.« Nützlich sind die touristischen Hinweise am Buch-Ende; der Autor gibt auch Autobus-Verbindungen an. (Econ; 420 Seiten; 20 Mark.)