Kritik - DER SPIEGEL
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Kritik

• aus DER SPIEGEL 51/1967
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Michel Butor: »Bildnis des Kunstlers als junger Affe«. In einem süddeutschen Schloß ("Eine Blase vergangener Zeit") bei einem Patiencen legenden Grafen zu Gast, legt sich ein französischer Student eine Collage aus Mystikertexten, Szenen aus »Tausendundeiner Nacht«, der Hinrichtungschronik des Schlosses, Umweltimpressionen, Erinnerungen und einer die Motive variierenden Märchenhandlung. Butors Gang »durch die Tunnel vergessener Kontroversen, alter Entdeckungen, schrecklicher Wunder, der Wappen, der Alchimie, der Beschwörungen« erbringt einen Buch-Kosmos von alexandrinisch-raffinierter Vielfalt. (Biederstein; 148 Seiten; 18,50 Mark.) Maurice Sachs: »Der Sabbat«. Gemeint ist der Hexensabbat eines höllischen Lebens zwischen den Kriegen. Der »zwielichtige« und »gerissene« Autobiograph, ein »Lump mit halbem Herzen« auf der Suche nach dem Heil, war Jude und katholischer Priesterseminarist, er liebte abseits wie sein Idol Cocteau, schmarotzte bei Coca Chanel, stahl, pumpte und saß in Heilanstalten. 1945 wurde der Fremdarbeiter und Gestapo-Agent Sachs, 38, von der SS erschossen. Eine boshaftere »Chronique scandaleuse« (Untertitel) als diese Beichte mit Pfiff -- sie ist 1950 schon einmal in schlechterem Deutsch erschienen -- hat das 20. Jahrhundert kaum zu bieten. (Piper; 356 Seiten; 24 Mark.)

Roger Grenier: »Der Winterpalast«. Ein Hauch Flaubert durchweht diesen Roman einer um die Jahrhundertwende geborenen Provinzlerin aus der besseren Gesellschaft. Die durch Temperament anpassungsbehinderte Mademoiselle Lydia, der es, wiewohl umschwärmt, nicht gelingt, Madame zu werden, erfährt ihre freudenarme Education sentimentale vor allem in Pau, wo auch der ins Einst verliebte Autor aufwuchs. Liebevoll entwickelt er das vergebliche Leben seiner Heldin und den Niedergang des Besitzbürgertums -- liebevoll, weil überzeugt, »daß uns alle Tränen für nichts und von nichts auferlegt sind«. (Propyläen; 280 Seiten; 19,80 Mark.)

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