KRITIK
Wolfgang Amadeus Mozart: »Klavierkonzerte Nr. 20 d-Moll und Nr. 23 A-Dur«. Daniel Barenboim, 25, der von der Kritik mit Lob überhäufte Israeli russischer Abstammung, tritt als auch-dirigierender Klaviersolist die Nachfolge seines Lehrers Edwin Fischer an. Und er ist ihm, so erweist diese Startplatte einer geplanten Ausgabe aller 27 Mozart-Konzerte, durchaus ebenbürtig. Als musikalischer Universalist, der sich seine Kadenzen teilweise selber schreibt, schafft Barenboim das Schwerste am leichtesten: Mozarts langsame Satze. (Electrola SME 91 656; 25 Mark.)
Carl Nielsen: »Klarinettenkonzert Opus 57«; »Symphonie Nr. 2«. Von Hindemith und anderen Klassikern der Moderne ermuntert, ist Benny Goodman, der Klarinetten"King of Swing«, häufig von der Jazzcombo zur klassischen Kammermusik übergewechselt. Auch heute noch, das beweist die Aufnahme mit dem Chicogoer Symphonie-Orchester unter Morton Gould, pendelt er ohne Schaden zwischen den Welten der Improvisation und der E-musikalischen Fertigware. Die Modernistenarbeit des Dänen Nielsen hat er gewaltig herausgeputzt. (RCA LSC 2920; 25 Mark.)
Bocker Ervin: »Groovin' High«. Tenorsaxophonist Ervin, 37, neigt zu technisch brillanten, musikalisch oft nichtssagenden Chorussen in rasendem Tempo. Seine Mitspieler regt derlei kräftige Bebop-Rhetorik indes mächtig an. Pianist Jaki Byard, Bassis Richard Davis und Trompeter Carmell Jones, der nur in einem Stück mitspielt, vermeiden jedoch Ervins Motivwiederholungen und Coltrane- Klischees. Gegenüber Byards zweistimmigem, harmonisch freiem, rhythmisch mehrschichtigem Klavierspiel wirken die Saxophon-Monologe recht altbacken. (Prestige 7417; 21 Mark.)