Kunst befruchtet - DER SPIEGEL
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Am Rande Kunst befruchtet

• aus DER SPIEGEL 37/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

An die Klagen der Fortpflanzungsmediziner haben wir uns längst gewöhnt: Die Samenzellen der Männer in den Industrienationen machen schlapp. Sie bewegen sich immer langsamer und spärlicher ihrem Ziel, der weiblichen Eizelle, entgegen. Nun haben sich in Linz, bei der »Ars Electronica«, eigentlich ein Kunstfestival, 137 anonyme Männer gefunden, die sich für einen fröhlichen »Wer hat die Schnellsten«-Wettbewerb verausgabten.

Die Linzer ließen die Proben zum Schneckenrennen antreten und siehe: Das Ejakulat eines Herrn, der siegesgewiss das Pseudonym »Rocket Man« gewählt hatte, war das flotteste. 70 Prozent seiner reichhaltigen Probe von 137,6 Millionen Spermien pro Milliliter waren der Kategorie »sehr bewegungsfreudig« zuzurechnen. Zum Mengenvergleich: Der europäische Durchschnittsmann stößt nur 74 Millionen pro Milliliter aus. Verblüffenderweise outete sich »Rocket Man« als Raucher, Fahrradfahrer und Alkoholkonsument: lauter Hobbys, die gemeinhin als spermienverlangsamend gelten. Allerdings ist der Raketen-Mann auch Nacktschläfer. Möglicherweise sein Erfolgsgeheimnis: gute Belüftung und jede Menge Auslauf, wenn's mal nachts eng wird.

Doch auch für die Mühseligen und Entladenen gab es in Linz frohe Kunde. Zur Fortpflanzung braucht man bald nur noch eine einzige Spermazelle. Das Ganze nennt sich intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion, also ICSI, und ist der ICE der modernen Befruchtung. Beischlafmuffel können ihre Pyjamahose anbehalten.

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