Leserbriefe - DER SPIEGEL
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Artikel 58 / 60

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Leserbriefe

Trump und Putin, die fragwürdige Wirtschaftsförderung von Katharina Reiche, die US-Abschiebepraxis und Erinnerungen an die Nachkriegszeit – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 52/2025

Die Eroberung Europas

Nr. 51/2025 Titel: Zwei Schurken, ein Ziel 

  • Seit Langem das beste Titelbild des SPIEGEL: Europa liegt längst auf dem Teller. Um gleich das ganze düstere Zukunftspanoptikum Europas aufzuzeigen, hätten Sie im Hintergrund noch einen wissend grinsenden Herrn Xi Jinping auftreten lassen sollen.
    Johannes Rosenboom, Bonn

  • Die düstere Titelgestaltung finde ich sehr gelungen. Zum einen, weil sie die derzeitige Atmosphäre in der Welt emotional widerspiegelt, und vor allem, weil sich jetzt ein Medium wagt, Donald Trump als ebenso unberechenbaren Schurken zu benennen, wie Putin einer ist.
    Dr. Christian Holger Strohmann, München

  • Ein Titel, noch vor zwei Jahren unvorstellbar.
    Peter Eggert, Dresden

  • Ich finde es journalistisch fahrlässig, dass der SPIEGEL mehr und mehr Putin und Trump auf eine Stufe stellt, zuletzt mit »Zwei Schurken, ein Ziel«. Trump mag zwar ein Schurke sein, Putin ist aber für Massenmord verantwortlich. Wer hier nicht differenziert, verharmlost Putin in unverantwortlicher Weise.
    Joachim Schmider, Kornwestheim (Bad.-Württ.)

  • Seit 60 Jahren lese ich den SPIEGEL, und zum ersten Mal finde ich die Titelseite zum Fremdschämen. Man kann Trump zu Recht vieles vorwerfen, aber ihn – gemeinsam mit dem mörderischen Aggressor Putin – einen »Schurken« zu nennen, das ist maßlos. Die bittere Wahrheit ist, dass Europa, nicht zuletzt die wirtschaftliche Großmacht Deutschland, nicht imstande ist, die Ukraine (innerhalb Europas) erfolgreich zu unterstützen. Dies von den USA (außerhalb Europas) zu erwarten oder gar zu fordern, das ist billig.
    Werner Keym, Meisenheim (Rhld.-Pf.)

  • Trump wurde von Millionen Amerikanern gewählt, ihn als Schurken zu bezeichnen, ist ohne Niveau und sehr enttäuschend für Ihre Zeitschrift.
    Dr. Nina Bell, Ajijic (Mexico)

  • Das wahrlich verstörende Titelbild erweckt den Eindruck, dass Trump der Taktgeber dieses diabolischen Duos ist. Putin jedoch dürfte in diesem Kartell der Ruchlosen der eigentliche Strippenzieher sein, für den Trump eher der nützliche Idiot ist. Kaum fassbar, dass zwei skrupellose Wüteriche in Verkörperung imperialer Gier und Menschenrechtsverachtung über das Los von über fünfhundert Millionen Bürgern in den USA, Russland und der Ukraine entscheiden.
    Peter Hülcker, Norderstedt (Schl.-Holst.)

  • Bei aller Akzeptanz für die Notwendigkeit, aus verkaufsstrategischen Gründen auch mal mit der breiten Feder oder dem dicken Pinsel zu servieren – dieser Titel ist für mich unterste Schublade und des SPIEGEL absolut unwürdig. Hier wird nicht pointiert oder überspitzt, sondern mit der Moralkeule an der aktuell unglaublich komplexen und herausfordernden geopolitischen Lage vorbei agiert. Ihre Aufgabe ist es, umfassend zu berichten – dabei auch alle Perspektiven einzubeziehen, auch wenn sie Ihnen nicht gefallen mögen – und zu kommentieren. Doch »Player« und Kontrahenten in der aktuell hochbrisanten politischen Krise, auf die wir, Deutschland und Europa, auch künftig angewiesen sein werden, überheblich und in billiger Art und Weise an den Pranger zu stellen, ist erbärmlich und hat mit Journalismus nichts zu tun, eher schon mit Propaganda. Auf dieser Basis wächst kein Verständnis für politische Zusammenhänge – und es treibt möglicherweise auch langjährige Abonnenten in die Flucht.
    Manfred Krüger, Porta Westfalica (NRW)

  • Ein aussagekräftiges, gelungenes Titelbild und der sehr gut recherchierte Text lassen einem Schauder über den Rücken laufen, und man fragt sich: Wie können ein windiger mafiöser New Yorker Immobilienhändler und ein erfolgloser ehemaliger KGB-Agent die Welt und insbesondere Europa dermaßen erschüttern?
    Siegbert Neumann, Herrieden (Bayern)

  • Eine Bitte: Ist es nicht möglich, alles, was mit Trump und seiner Entourage zu tun hat, dem SPIEGEL auf einem separaten Flyer beizulegen? Es hätte für mich den Vorteil, dass ich den Unfug, den dieser Herr und seine »Regierungsmitglieder« von sich geben, sofort in den Papierkorb werfen könnte. Es reicht mir völlig, diese Herren in den Nachrichten ertragen zu müssen.
    Herbert Albrecht, Groß-Gerau (Hessen)

  • Trump wird zu viel »Ehre« zuteil, wenn man ihn als Schurken bezeichnet; denn die haben strukturierte und durchdachte Pläne mit klaren Zielvorstellungen für ihre Missetaten. Er dagegen irrlichtert konzept- und gewissenlos durch diese Welt – getrieben von der infantilen Sucht nach Bewunderung und Anerkennung und dem Anspruch, als Welt-Erlöser in die Geschichtsbücher einzugehen. Trump ist käuflich für billige Lobpreisungen, schert sich nicht um gewachsene Strukturen, Bündnisse und rechtsstaatliche Verpflichtungen, wirft sie beliebig über Bord, um sich beim Kriegsverbrecher Putin einzuschmeicheln. Dass er und seine pöbelnden Lakaien in der amerikanischen Regierung nicht in ihre Schranken verwiesen werden, liegt aber nicht an ihrem Geschick, sondern an der Untätigkeit oder Unfähigkeit der westlichen Eliten. Sie machen sich so mitschuldig an der Radikalisierung und Ruchlosigkeit in der Politik, die überall auf der Welt die Oberhand zu gewinnen droht.
    Olaf Steger, Meckenheim (NRW)

  • Bei all den derzeitigen Überlegungen zur geopolitischen Lage und der Gefährdung Europas wird immer noch die Rolle Chinas zu wenig beachtet. Chinas Einfluss in Europa wächst beständig, und zweifellos profitiert China momentan davon, Russland wirtschaftlich zu unterstützen und den Westen dadurch in der Ukraine »beschäftigt« zu halten (Stichwort Taiwan). Gleichzeitig ist Europa aber als Wirtschaftsraum und Absatzmarkt für China viel zu wichtig, um massive Erschütterungen dulden zu können. Sollte es also tatsächlich in den nächsten Jahren zu einem großen Konflikt zwischen Russland und der Nato kommen und die USA sich dabei zurückziehen, ist es durchaus vorstellbar, dass China rasch eingreift – sei es durch Druck auf Putin oder sogar durch eine militärische Intervention. Das Ergebnis eines Krieges in Europa könnte somit sein, dass am Ende weder Washington noch Moskau der Hegemon in Europa sind, sondern Peking. Das wäre in der Tat eine Zeitenwende, eine neue Realität, auf die wir uns möglicherweise einstellen müssen.
    Dr. Nikolaus Luttenfeldner, Wien

  • Es ist offensichtlich, dass Trump durch die Beschimpfungen und Herabsetzungen anderer Staaten vom Umbau seines einst demokratischen Landes zu einer Diktatur ablenken will. Und Putin will jetzt vollbringen, was Hitler durch mutiges Eingreifen liberal-demokratischer Kräfte versagt geblieben ist: die zerstörerische Eroberung Europas. Dem stehen wir Europäer hilflos und ungläubig gegenüber und ernten, was wir mit unserer Naivität, Bequemlichkeit und unserem Leichtsinn gesät haben. Ist diese Melange nicht geradezu eine Herausforderung für kriegslüsterne und profitgierige Schurken?
    Hildtraut Schröder, Augsburg

Social-Media-Verbot für Jugendliche in Australien in Kraft – ein Vorbild für Deutschland?

Ja

»Da bei den Betreibern kein Wille zu erkennen ist, den eigenen Jugendschutz zu optimieren, fällt diese Aufgabe nunmehr der Gesellschaft über ihren Gesetzgeber zu.«

Carsten Schoke

Nein

»Für mich ein Zeichen der absoluten Hilflosigkeit. Als würde ein Verbot Politiker oder Eltern aus der Verantwortung nehmen.«

Mareike Paulun

Sagen Sie auch Ihre Meinung!

Vertrauen erschüttert

Nr. 50/2025 Die Verstrickungen zwischen Wirtschaftsministerin Reiche und ihrem Lebensgefährten Guttenberg 

  • Sauber recherchierter Artikel, aber die Überschrift kommt aus dem redaktionellen Elfenbeinturm. »Reiches Ministerium«? Das macht zumindest Lust aufs Lesen, denn welches Ministerium ist heute noch reich?
    Martin Bewerunge, Neuss

  • Auffällig ist, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Politiker und andere Akteure, deren Praktiken zumindest als fragwürdig angesehen wurden oder werden, aus dem Umfeld der Unionsparteien stammen: Karl-Theodor zu Guttenberg, Philipp Amthor, Jens Spahn, Wolfram Weimer, Andrea Tandler. Die Liste ließe sich möglicherweise noch fortführen. Mit Sicherheit aber lässt sich feststellen, dass mit jedem neuen Fall – insbesondere dann, wenn der Bürger den Eindruck gewinnt, die Aufklärung verzögere sich oder laufe gar ins Leere – das Vertrauen in rechtsstaatliche Institutionen weiter erschüttert wird. Gerade in der gegenwärtig angespannten gesellschaftlichen Lage ist das alles andere als eine Petitesse.
    Reiner Gorning, Hamburg

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge

»Warum benutzen Sie den trumpschen Begriff ›Deal‹?«

Der Leser Thomas Rieger aus München hat den Leitartikel »Die Europäer versagen im entscheidenden Moment« kritisiert (hier der ganze Text ). Der Autor Timo Lehmann hat ihn angerufen.

SPIEGEL: Herr Rieger, Ihnen hat der Begriff »Deal«, den ich in meinem Text genutzt habe, nicht gefallen. Warum?

Rieger: Sie haben einen blendenden Leitartikel verfasst. Aber: Warum benutzen SPIEGEL-Autoren und andere Medien immer öfter den trumpschen Begriff »Deal«? Muss man uns denn die Sprache dieses umstrittenen US-Präsidenten auch noch stetig einimpfen? »Vereinbarung«, »Abmachung«, »Übereinkunft« – es gäbe genug Synonyme.

SPIEGEL: Das Wort »Deal« ist wie viele Anglizismen schon länger in unserem üblichen Sprachgebrauch im Deutschen. Laut Google Trends steigt die Nutzung ab 2010 und bleibt seitdem recht konstant.

Rieger: In der öffentlichen Wahrnehmung ist das durch Trump anders. Womöglich wird man auch sensibler. Aber Ihre Analyse ist interessant. Vielen Dank für Ihren Anruf.

Wird es Mutige geben?

Nr. 50/2025 Unterwegs mit einem Anwalt im ländlichen Louisiana, der versucht, Migranten aus Trumps Abschiebezentren zu befreien 

  • Seit Gründung der USA war »god’s own country« ein Zufluchtsort für Menschen aus aller Welt, die Hunger und Tyrannei entkommen wollten. Nach dem irritierenden mehrseitigen Bericht von Jonah Lemm ist es damit wohl jetzt vorbei, weil eine zutiefst verunsicherte amerikanische Gesellschaft sich ein freiheitliches Zusammenleben nicht mehr leisten zu können glaubt. Da die USA nur antizipieren, was auch in Europa auf uns zukommt, muss man sich schon fragen, ob die Zivilgesellschaft in Deutschland entschlossen aufsteht, wenn eine AfD-geführte Bundesregierung der freien Presse und der unabhängigen Justiz an den Kragen geht. Wird es mutige Staatsanwälte und Richter geben, die AfD-Minister vor Gericht bringen, wenn diese sich über die Verfassung hinwegsetzen und Migranten rechtswidrig festnehmen, um sie anschließend auszuweisen?
    Hans Schinke, Offenbach

  • Dieser Artikel hat mich aufrichtig verstört. Nicht wegen der Gefühlskälte der Trump-Regierung und der brutalen Exekutive, nein, es ist etwas ganz anderes: Ich war selbst öfter in den Südstaaten der USA und besonders in Louisiana. Was mir dort immer imponiert hat, war die Gastfreundschaft vor Ort. Klar, man redete nicht über Politik und Religion (sollte man in fremden Ländern eh nicht tun), aber nach einem Footballspiel wurde man zu einem oder mehreren Bieren eingeladen und nicht aufgefordert abzuhauen. Der örtliche Sheriff fuhr vorweg zum Motel, weil er glücklich war, dass es einen Touristen in den Parish verschlagen hatte. Wurde man vom Regen überrascht, wurde man reingebeten, und es gab Limonade und Kekse. Gerade die ärmsten Parishes waren extrem gastfreundlich und auch sehr bewusst stolz darauf. Wenn das jetzt so umgeschlagen ist, dann hat Donald Trump noch mehr kaputt gemacht, als ich bisher geahnt hatte. Danke also für diesen Zustandsbericht.
    Florian Trombach, Enger (NRW)

Der schönste Text im Heft

Nr. 50/2025 »Meine Eltern sagten nie: Wir haben doch gar nichts gewusst!« 

  • Es gibt nicht mehr viel, was mich im SPIEGEL wirklich mitreißt. Diese Rubrik aber häufig und dieser Beitrag diesmal ganz besonders. Er transportiert pure Menschlichkeit und alles, worauf es im Leben wirklich ankommt. Herzlichen Dank dafür.
    Michael Schönfeld, Frankfurt am Main

  • Diese Geschichte über eine Kindheit in einer liebevollen Familie, glücklich trotz materieller Armut, hat mich vor Freude zum Weinen gebracht. Sie illustriert mit nichts weiter als einem Bild und ein paar Zeilen das, was Wärme und Menschlichkeit hervorbringt, und ist damit ein Gegenpol zu all den Widerwärtigkeiten, die die Gesellschaft zurzeit im Minutentakt ausspuckt und das Nachrichtenlesen manchmal schwer erträglich macht. Der schönste Text im Heft.
    Stefanie Gilles, Augsburg

  • Der Beitrag von Georg Jahn aus Velbert war anrührend, weil er wahr ist. Es tat richtig gut, ihn zu lesen, und er war sehr informativ. So habe ich es seitens meiner Eltern auch erlebt: Wer hätte wissen wollen, der hätte wissen können. Alle anderen beschönigten und wiegelten ab. Gut, dass Sie diese Abhandlung samt Foto gebracht haben. Ich habe sie am Sonntag in einer Frühstücksrunde vorgelesen, weil ich es auch für die Jüngeren unter uns wichtig fand.
    Nele Perpéet, Krefeld

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