Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Leserbriefe
Nicht wie du bist
Nr. 45/2025 Titel: Du sollst schöner werden
Ich bin entsetzt. Dieses Heft kann man getrost zwischen den bunten Blättern im Supermarkt platzieren und keiner merkt, dass es sich um den SPIEGEL handelt, der sich hier an einem daueraktuellen Thema abarbeitet. Und dabei nicht in der Lage ist, ernsthaft auf die Risiken hinzuweisen. Stattdessen zeigt er als positive Beispiele acht Prominente, die sich die kostspieligen Behandlungen leisten konnten.
Dr. Klaus Swieczkowski, Hildburghausen (Thür.)Nun ist es geschehen. Der SPIEGEL entwickelt sich von einem ehemaligen Magazin für Politik zu einem Lifestyle-Magazin.
Fred Kletzin, Friesenheim (Bad.-Württ.)Mit Verwunderung stelle ich fest, dass auch diese Ausgabe sich mit der Titelstory den sogenannten »weichen Themen« widmet. Dies ist in den letzten Monaten vermehrt der Fall gewesen, und ich habe objektiv den Eindruck, dass diese Themenwahl zuungunsten der politischen und wirtschaftspolitischen Berichterstattung erfolgt. Sicherlich sind alle »weichen« Themen für bestimmte Bevölkerungsgruppen von gesellschaftlicher Relevanz, aber ich habe den SPIEGEL seit Jahrzehnten vorrangig wegen politischer und wirtschaftlicher Berichterstattung abonniert. Ich bezweifle sehr stark, dass Sie mit der genannten Themenauswahl als Nachrichtenmagazin neue Leser gewinnen, aber treue Abonnenten werden Sie kognitiv unterfordern und damit frustrieren.
Manfred Fuchs, Gelnhausen (Hessen)Sorry, mit dieser Titelgeschichte haben Sie endgültig das unterste Niveau des Journalismus erreicht. Schlimmer geht nimmer. Der einst so informative und recherchestarke SPIEGEL informiert seine Leserinnen und Leser seitenweise darüber, warum, womit, wann und wie lange sich ein Teenager im Gesicht und an den Haaren herumfummelt. Auch das Interview mit den drei Damen ist absolut banal und nichtssagend. Wie meinte eine von ihnen: »Worum geht es hier eigentlich? Was soll das alles?« Eben! Und zum Schluss verteilt sie noch ein paar Tröpfchen Serum. Ihnen selbst müsste eine solche journalistische Arbeit superpeinlich sein.
Katharina Fiedler, SaarbrückenWo früher junge Menschen noch eigene kreative Trends gegen gesellschaftliche Verkrustung schufen, die – anfänglich gesellschaftlich geschmäht – erst später zu Massentrends kommerzialisiert wurden, kreiert heute eine milliardenschwere Kosmetikindustrie nebst plastischer Chirurgie selbst teure Trends als Standards für Jung und Alt. Das kapitalistische Hamsterrad lässt grüßen. Ich kann nicht verstehen, warum diesem Hype (der letztlich der Entwicklung hin zu autonomen Persönlichkeiten zuwiderläuft) keinerlei kritische Bildung an Schulen und in öffentlich-rechtlichen Medien gegenübergestellt wird, um den Fokus auf die dahinter stehenden handfesten Interessen zu lenken und wenigstens ansatzweise eine Immunisierung zu fördern.
Winfried Burger, Ebensfeld (Bayern)Beim Durchblättern und Lesen des neuesten SPIEGEL kam mir der Gedanke: »Sind das nicht zwei Seiten derselben Medaille?« Ich meine zum einen die Titelgeschichte »Du sollst schöner werden« und zum anderen der Bericht über Frauen in Afghanistan. Hier eine 17-Jährige, die zwei Stunden damit verbringt, ihr natürliches Gesicht hinter einer Maske von 20 Produkten zu verstecken – dort Frauen, die ihr Gesicht hinter dem Schleier verstecken müssen. Hier Frauen, die an sich herumoperieren und -spritzen lassen, um ihr natürliches Körperbild zu verändern, zu »optimieren« – dort Frauen, die ihren Körper unter der Burka verstecken müssen. So oder so, irgendwer suggeriert: Du darfst dich nicht zeigen, wie du bist. Der Druck, der ausgeübt wird, mag von unterschiedlichen Seiten, mit unterschiedlichen Motiven und nicht vergleichbaren Härten und Folgen daherkommen, aber es bleibt der Gedanke: So wie du bist, ist es nicht richtig, das wollen wir nicht sehen.
Monika Hart, Hofheim am Taunus (Hessen)Ich schäme mich für solche Ärzte wie die beiden Düsseldorfer. Sie sind nicht die Verursacher dieser kranken Entwicklung, aber die Profiteure und Antreiber. Nachdem – in der Regel auf Kosten des Steuerzahlers – ein teures Studium mit anschließender Facharztausbildung finanziert wurde, verabschieden solche »Mediziner« sich schnellstmöglich aus der medizinischen Versorgung ebendieser Steuerzahler.
Dr. Robert Boldt, Chirurg, Unfallchirurg, Kleinmachnow (Brandenb.)Zwar ist das intellektuelle Niveau der SPIEGEL-Artikel ein anderes, aber viele Themen der Berichte und Titelgeschichten des SPIEGEL in der letzten Zeit passen eher in die Yellow Press und werden dort ja auch behandelt. Als »alte« SPIEGEL-Leserin bin ich darüber sehr enttäuscht.
Daniela Sättler, Oberursel (Hessen)Sie werden immer perfekter zum »SPIEGEL der Frau«. Es fehlen nur noch die Kuchenrezepte und das Horoskop.
Oikki Orvokki Mette, BerlinUnfassbar! 14 (in Worten: vierzehn!) Seiten über ein Thema, das höchstens die TikTok-Generation interessiert. Schon die Epstein-Story im letzten SPIEGEL hat mich zum schnellen Seitenüberspringen genötigt. Und nun das. Na gut, die Lesezeit des SPIEGEL verkürzt sich dadurch drastisch, und ich habe so mehr Zeit für andere sinnvolle Dinge.
Georg Malkowsky, Bockenem (Nieders.)
»Ich halte das für moralisch falsch und verwerflich«
Der Leser Thomas Arnold aus Nauheim hat den Leitartikel »Mit allen Mitteln« kritisiert (hier der Text ). Autor Christian Reiermann hat ihn angerufen.
SPIEGEL: Herr Arnold, Ihnen hat mein Leitartikel nicht gefallen. Warum?
Arnold: Sie schreiben, dass es »moralisch richtig« sei, eingefrorenes russisches Vermögen für die Ukraine zu nutzen, damit sie Waffen kaufen und ihren Krieg gegen Russland fortsetzen kann. Ich halte das für moralisch falsch und verwerflich. Waffen töten Menschen und dienen dem Krieg. Außerdem ist der Plan der EU Diebstahl, durch den sich Europa immer tiefer in diesen Konflikt hineinziehen lässt.
SPIEGEL: Sie halten meine Ansicht, die EU müsse die Ukraine unterstützen, für falsch?
Arnold: Ihre Berichterstattung nennt als Ursache für den Krieg stets nur angebliche imperialistische Gelüste von Russlands Präsident Wladimir Putin. Das halte ich für Propaganda. An dem Konflikt sind die USA, die EU und die Nato doch nicht ganz unschuldig. Die EU sollte den Forderungen des ukrainischen Präsidenten nicht immer bereitwillig nachgeben.
Gefährliches Signal
Nr. 44/2025 Leitartikel: Die EU sollte die Ukraine mit russischem Geld unterstützen
40 Milliarden Euro russisches Vermögen bleiben weiterhin eingefroren. Und wegen des Ukrainekriegs steht jetzt das 19. EU-Sanktionspaket gegen Putins Russland. Doch seit Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine sind die Sanktionen gegen Russland wegen der Unterstützung durch die Brics-Staaten immer verpufft. Das wird meines Erachtens auch zukünftig so sein, weil insbesondere die Halbleiterchips für die Elektronik und die Steuerungssysteme moderner Fahrzeuge, Computer und Smartphones hauptsächlich aus Asien – nämlich aus China, Taiwan und Südkorea – stammen.
Roland Klose, Bad Fredeburg (NRW)
Die Beschlagnahmung russischer Vermögenswerte würde ein gefährliches Signal senden: Es würde ausländische Investoren davon abhalten, ihr Geld bei europäischen Banken anzulegen. Dies würde somit zu einem schweren Reputationsschaden führen und dem Finanzsystem schaden. Als Rechtsstaat kann man nicht einfach das Geld anderer Leute abholen.
Klaus Schwarz, Berlin
Ja
»Die Olympischen Spiele waren noch nie kostenneutral, und eigentlich haben wir genug andere Probleme, die Kosten verursachen. Aber es gibt mögliche Synergien: Vieles an unserer Infrastruktur muss ohnehin verbessert oder erneuert werden.«
Jörg Wisniewski
Nein
»Die Olympischen Spiele sind zum Großteil einfach nur Kommerz. Und dafür, dass einige Leute sich Sport anschauen, müssen alle im Land Beeinträchtigungen in Kauf und Geld in die Hand nehmen – tut mir leid, da sehe ich den Nutzen nicht.«
Miriam Thormählen
Sagen Sie auch Ihre Meinung!
Eigentlich untragbar
Nr. 44/2025 Im Prozess über Maskenkäufe von Jens Spahn geht es um eine halbe Milliarde Euro
Nach Meinung des Bundeskanzlers Merz können wir uns den Sozialstaat nicht mehr leisten, die Staatskassen sind leer. Können wir uns inkompetente Minister leisten, die mit krassen Fehlentscheidungen den Steuerzahlern Milliarden Euro kosten, siehe Maskenkauf oder Pkw-Maut? Können wir uns ein zunehmend ungerechtes Steuersystem und Steuerflucht leisten, immer mehr Milliardäre, aber auch mehr Armutsgefährdete? Und können wir es uns leisten, dass Deutschland weiterhin als Geldwäscheparadies gilt? Diese Probleme werden von der Politik nicht angegangen, stattdessen werden die Sozialleistungen ins Visier genommen. Hier ist Geld leichter einzutreiben, es genügt eine Gesetzesänderung.
Egon Roth, Bischoffen (Hessen)
Ein großes Dankeschön an die Autoren Jürgen Dahlkamp und Gunter Latsch für die informative Übersicht der Faktenlage, die einer unheilvollen Entwicklung folgt. Worte und Taten zeichnen ein immer deutlicher werdendes Bild von Jens Spahn. Management by Helikopter: Jede Menge Staub aufwirbeln und abheben. Die Betroffenen reiben sich noch die Augen, und der liebe Jens, die Franz-Josef-Strauß-Tochter und die Tandler-Tochter klüngeln, denn Steuerzahlende lassen die Kasse klingeln.
Claudia Weber, Greifswald (Meck-Vorp.)Die Maskenaffäre macht mich fassungslos und sehr wütend. Wie hier Jens Spahn agierte, obwohl er gar nicht zuständig war, ist ein Skandal. Man mag ihm gute Absichten unterstellen. Die Ausführung war jedoch laienhaft, der damit verbundene Schaden ist immens. Dass Herr Spahn in der CDU noch immer eine exponierte Stellung bekleidet, die Funktion des Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion wahrnimmt, ist eigentlich untragbar. Er sollte Größe zeigen und abtreten.
Robert Falkiewicz, Hameln (Nieders.)
Er hat Recht
Wie dankbar bin ich, dass Professor Boehm in seinem Interview eine kritische, aber ausgewogene Sicht und Meinung zu der aktuellen Situation seiner Heimatregion darlegen kann und darf – die jedem rational denkenden, deutschen Intellektuellen in gleicher Form aus »Staatsraison« versagt ist.
Jan G. Buechting, PotsdamOmri Boehm hat recht, man muss den engen Kreis aus gegenseitigem Unrecht und historischen Schuldzuweisungen verlassen, will man zu einer Lösung kommen. Die »Zweistaatenlösung« ist tot. Bei dem Umfang, der Größe und der langen Zeit gegenseitiger Verletzungen ist es mehr als unwahrscheinlich, dass jetzt gezogene Grenzen für zwei ineinander verzahnte Staaten Frieden bringen würden. Das gilt umso mehr, als es sicher unmöglich wäre, einen Grenzverlauf zu finden, der beide Seiten zufriedenstellen würde. Allein schon die Frage um ein dann wieder zu teilendes Jerusalem erscheint mir unmöglich positiv zu beantworten. Es bliebe, wie Boehm richtig vorschlägt, ein binationaler Staat oder eine Art Bundesstaat mit einer gemeinsamen Hauptstadt. Das würde jedoch einen totalen Schnitt, eine ungeheuerliche Abkehr vom derzeitigen Handeln, voraussetzen. Es hieße, das einander zugefügte Leid gegenseitig anzuerkennen aber nicht aufzurechnen. Weiterhin auf Vergeltung oder Rache zu verzichten und, wo möglich, zu verzeihen. Das dafür notwendige Instrument ist bereits mit den »Wahrheitskommissionen« von Südafrika und später Chile erfunden und erprobt.
Christoph Nitsche, Straßenhaus (Rhld.-Pf.)
Besser investiert
Nr. 44/2025 Polizeischutz für die zumeist leer stehende Wohnung von Olaf Scholz
Das Wort, das Olaf Scholz in seinen beiden letzten Bundestagswahlkämpfen am häufigsten benutzte, war »Respekt«. An dieses Wort sollte er sich erinnern – insbesondere gegenüber den fleißigen Hamburger Steuerzahlern, die die äußerst kostspielige Bewachung seines zweiten Wohnsitzes finanzieren. Wären die enormen Bewachungskosten nicht beispielsweise besser in die Sanierung von Schulen in Hamburg investiert? Auch wenn Herrn Scholz die Bewachung seines zweiten Wohnsitzes zusteht, würde ich mir von ihm ein respektvolleres Vorgehen gegenüber den Steuerzahlern wünschen – etwa durch den Verzicht auf seine Zweitwohnung.
Patrizia Krienke, Hamburg
Was aus den Leichen wurde
Nr. 44/2025 Auferstehung aus dem Eis?
Artikel über Leichen, die in der Hoffnung auf ein zweites Leben eingefroren wurden, sind bereits vor Jahrzehnten erschienen. Interessant wäre doch mal zu erfahren, was aus den Leichen, die schon zu früheren Zeiten eingefroren wurden, geworden ist. Sind die noch im Eis? Oder wurden die irgendwann entsorgt? In welchem Zustand sind die jetzt?
Arne Woest, Hamburg
Wie sehr muss man von der eigenen Wichtigkeit überzeugt sein, dass man alles mit dieser letzten Verfügung verbundene Fragwürdige ausblendet?
Hans Neubig, Goldchronach (Bayern)
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