Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Leserbriefe
Wirklich gute Bücher sind rar
Nr. 48/2025 Titel: Die besten Bücher des Jahres
Jetzt ist der SPIEGEL wieder so, wie ihn sich sicher der weit überwiegende Teil der treuen Leserschaft wünscht, wenigstens die etwas Älteren. Die Schrift ist wieder besser lesbar – auch ohne Lesebrille. Danke dafür. Und die inhaltliche Thematik ist auch gelungen, unter anderem das Neue: ein eigener SPIEGEL-Buchpreis. Bravo.
Hans-Jürgen Jakobs, Ottobrunn (Bayern)Ich habe direkt nach »See der Schöpfung« noch einen weiteren Roman von Rachel Kushner gelesen, »Ich bin ein Schicksal«, eine Knastgeschichte. Beide sind absolut lesenswert, die Frauen in ihren Büchern sind einfach tough, cool, ernst, witzig, schlagfertig, der Stil unsentimental und aufwühlend zugleich.
Thomas Claußen, Hannover (via Debatte)Man kann diesen Roman auch als überschätzt und mit nur mäßigen Spannungsbögen versehen bezeichnen – relevant scheint mir aber anderes zu sein: Der Plot ist ganz offensichtlich an den Einsatz des britischen Undercover-Cops Mark Kennedy vor circa 20 Jahren angelehnt. Die real existierende Kommune liegt im französischen Dorf Tarnac und wurde mit dem Buch »Der kommende Aufstand« auch in Deutschland populär. Kennedy war Angehöriger der britischen Spitzeleinheit SDS. Diese Spezialagenten schreckten nicht davor zurück, sexuelle Beziehungen mit ihren Zielpersonen einzugehen. Kushner dreht dieses System zwar insoweit, indem sie Kennedy in ihrem Roman eine weibliche Identität verleiht. Dieses Vorgehen erreicht aber trotz aller literarischen Freiheit nicht die notwendige Sensibilität gegenüber den Opfern solcher sexualisierten Gewalt. Diese Gewalt wird von der Autorin relativ billig, romanhaft verwertet.
Sven Lindemann, BerlinSo toll ist das Buch von Kushner nicht. Teilweise wichtigtuerisch, amerikanisch-arrogant, voller Ressentiments gegenüber Europa. Aber wirklich gute Bücher sind rar.
Dr. Ralph Detzel, Ehingen (Bad.-Württ.)
»Lasst doch den NDR mehr das linke Spektrum bedienen«
Der Leser Klaus Steinvorth aus Norderstedt hat den Artikel »Sind die noch zu retten?« über die Existenzkrise der Öffentlich-Rechtlichen von Vicky Bargel, René Pfister und Anton Rainer kritisiert (hier die ganze Geschichte). René Pfister hat mit ihm gesprochen.
SPIEGEL: Herr Steinvorth, was hat Ihnen an unserer Titelgeschichte nicht gefallen?
Steinvorth: Ich finde, die Meinungsvielfalt und Ausgeglichenheit des Programms sollten durch die gesamte ARD gewährleistet werden und nicht durch die einzelnen Rundfunkanstalten. Lasst doch den NDR mehr das linke Spektrum, den BR mehr das rechte Spektrum bedienen.
SPIEGEL: Mein Eindruck aus der Recherche ist, dass viele in der ARD nicht mehr daran glauben, dass diese Art der Ausgewogenheit funktioniert – weil auch der Bayerische Rundfunk nicht mehr das konservative Gegengewicht zum eher linken NDR und WDR sein will.
Steinvorth: Wenn der BR nicht mehr das konservative Gegengewicht sein will, darf er sich nicht über den eher linken NDR und WDR beschweren.
Politische Satire der alten Schule
Nr. 47/2025 Kolumne: Alternative für Russland
Herr Feldenkirchen, das ist wirklich politische Satire der alten Schule, messerscharf und zielgenau hat sie die Sache intelligent auf den Punkt gebracht, sodass ich mir mit meiner Definition als »Russenknechte« schon etwas prollig vorkomme. Der Verweis auf die russischen Farben im AfD-Logo ist einfach nur genial. Chapeau!
Dieter Vernickel, Wismar (Meckl.-Vorp.)Warum wird nur jeder, der auch nur ansatzweise in den Beziehungen zu Russland Alternativen zu einem Krieg sucht, ohne Wenn und Aber an den Marterpfahl gestellt und als Putin-Verehrer oder -Freund betitelt? Geht es in unserer Denke denn nur noch um Kriegsfähigkeit und Krieg?
Dietmar Sobottka, Chemnitz
Es reicht doch
Nr. 47/2025 Sahra Wagenknechts Tag des Rückzugs
Super: eine Doppelseiten-Story über die Stalinistin und Putin-Versteherin. Süß – »Ihre Pumps klackern auf dem Marmorboden«. Die permanente Berichterstattung über Sahra Wagenknecht im SPIEGEL ist widerlich. Es reicht doch, wenn sie sich in den Talkshows tummelt.
Alfred Kolzuniak, Salzgitter (Nieders.)Soeben hat hierzulande die fünfte Jahreszeit begonnen. Deswegen erlaube ich mir, pointiert auf das Thema Sahras Welt und ihren BSW einzugehen. Diese Parteineugründung war von Anfang an ohne inhaltliche Tiefenschärfe ausgestattet. Man kann nämlich weder bei gewissen Themen Wagenknechts ehemalige Mitstreiter scharf links überholen noch gleichzeitig mit genauso platten rechtspopulistischen Meinungen der AfD das Wasser abgraben. Dieses Kauderwelsch funktioniert eben nicht und stabilisiert eher die Originale. Dagegen war das Programm der einstigen APPD (Anarchistische Pogo Partei Deutschlands) fast schon genial. Die forderten ziemlich klar verständlich »Freibier für alle«. Selbst von solcherart vorzüglichen satirischen Einlagen ist diese vor rund zwei Jahren mit viel Tamtam entstandene und wenig Substanz ausstrahlende Gruppierung weit entfernt. Fazit: Es wird nicht viel übrig bleiben von dem Verein.
Roland Barwinsky, Hirschberg (Thür.)Der Artikel von Linda Tutmann über Sahra Wagenknecht wirkt wie eine Bestätigung sämtlicher Klischees und bleibt dabei nicht bei Kritik, sondern greift zur Diskreditierung. Eine demokratische Debatte verdient mehr Fairness. Wagenknecht steht für gründliche Analyse, Empathie, Rückgrat und echtes Verantwortungsbewusstsein – Eigenschaften, die viele in der Politik heute vermissen. Statt der Frage nachzugehen, ob Wagenknecht »inszeniert« sei oder »unnahbar« wirke, wäre es hilfreicher, ihre politischen Vorschläge und Entscheidungen nüchtern einzuordnen. Kritik ist legitim – aber sie sollte sich auf belegbare Fakten stützen, nicht auf Unterstellungen. Eine lebendige Demokratie benötigt keinen Abschied von unliebsamen Stimmen, sondern faire Debatten über Inhalte.
Corinna Wilde, Grafing (Bayern)
Ja
»Auf jeden Fall. Wer es lieber konservativer möchte, ist bei der ARD gut aufgehoben. Wer es etwas sozialer möchte, schaut ZDF.«
Michael Ott
Nein
»Natürlich gibt es im ÖRR nicht genügend Meinungsvielfalt, und das ist für ein zwangsfinanziertes System ein fundamentales Legitimitätsproblem.«
Siegfried Herzog
Sagen Sie auch Ihre Meinung!
Kaum noch zu übertreffen
Nr. 47/2025 SPIEGEL-Gespräch mit Innenminister Alexander Dobrindt über seinen Kurs der Härte
Sei es nun die Aussage von Herrn Merz über das Stadtbild, indem er Frauen und Töchter für seine Zwecke instrumentalisiert. Ein Herr Jens Spahn, der von der patriotischen Pflicht syrischer Bürger spricht. Oder jetzt auch ein Herr Alexander Dobrindt, der an menschenunwürdigen Aussagen in Ihrem SPIEGEL-Interview kaum noch zu übertreffen ist. Ich bin fassungslos. Ich frage mich, wie Herr Dobrindt selbst bei Aussagen wie »Wir haben … auch dafür gesorgt, dass es keinen verpflichtenden Rechtsbeistand für Menschen in Abschiebehaft mehr gibt« da noch in den Spiegel schauen kann. Vom SPIEGEL hätte ich an manchen Stellen eine noch kritischere Fragestellung erwartet. Vielleicht hätten Sie das Gespräch auch einfach beenden können mit »Herr Dobrindt, wir danken Ihnen für dieses menschenverachtende Gespräch.«
Luisa Frisch, AugsburgVollkommen empathielos verbeißt sich Dobrindt in Migranten, ohne die etwa unser Krankenhaus- und Pflegesystem zusammenbrechen würde. Um sein inhumanes Ziel zu erreichen, ist ihm jedes Mittel recht. Da werden auch fragwürdige Geschäfte mit Kriminellen, den Taliban, gemacht. Sein Ziel, der AfD die Wähler wegzunehmen, wird er damit nicht erreichen. Die AfD sieht sich nur unterstützt von seinem Maßnahmenpaket. Aber immerhin sorgt er dafür, dass die Brandmauer zum Ende der Legislaturperiode ihren Kipppunkt erreicht.
Michael Danders, Bochum
Bäm!
Nr. 47/2025 Die AfD hat Staat und Gesellschaft schon verändert
Als ehemalige Studentin von Herrn Heitmeyer war dieser Beitrag für mich natürlich Pflichtlektüre. Es ist zurzeit absolut notwendig zu beleuchten, dass und wie der Kulturkampf seitens der AfD und ihres Umfelds funktioniert. Gerade weil die Autoren das einfach und nachvollziehbar erläutert haben, ist die hoffentlich erschreckende und aufrüttelnde Wirkung des relativ kurzen Debattenbeitrags umso größer. Dem Thema dürfte mal ein SPIEGEL-Titel gewidmet werden. Vielleicht auch unter Einbeziehung der Frage, wie Netzwerke sogenannter Männerrechtler aus dem rechten Spektrum in Justiz und Jugendämtern bereits die Theorie durchgesetzt haben, dass Mütter die Kinder vom Vater entfremden. Auch das ist ein Aspekt des Kulturkampfes, bemüht um die breite gesellschaftliche Rekonstruktion eines konservativen Familienbildes. Das sind keine Einzelthemen, sie gehören zusammen.
Heike Pabst, Bad Oeynhausen (NRW)Wer nach diesem brillanten Essay auf Einsicht bei den Verantwortlichen hoffte, wird durch den vorletzten Satz bitter enttäuscht. Was um Himmels willen hat nur die Bundeszentrale für politische Bildung geritten, das Buch abzulehnen? Wenn schon dort ängstlich der vorauseilende Gehorsam praktiziert wird, weil auch hier das Gebot der Neutralität als Fetisch missbraucht werden könnte, ist es wirklich bereits schlimm, um unsere demokratischen Institutionen bestellt. Das Konzept der inneren Infizierung scheint bereits aufzugehen. Man mag sich gar nicht ausmalen, welche Repressionsformen folgen, wenn diese Bücklingshaltung in den einschlägigen Institutionen weiter um sich greift.
Hans-Dieter Schabram, BerlinBäm! Die Autoren Heitmeyer und Frankenberg legen auf zwei Seiten alles dar, was man über die AfD wissen muss. Die Beweise ihrer menschenverachtenden und für alle schädlichen Agenda? Liegen sämtlich auf dem Tisch. Valide Analysen zu den Wahlmotiven? Ebenfalls. Die bisherigen Versuche der Politik, die AfD kleinzuhalten? Krachend gescheitert. Wir schauen uns gerade selbst dabei zu, wie wir der rechten Katastrophe erneut die Türen weit öffnen. Die einen mit offenen (und weinenden) Augen, die anderen mit schlafenden. Und die AfD natürlich laut lachend. Wie bekommen wir das Ruder rumgerissen? Macht doch bitte ein Themenheft daraus.
Regina Abeld, Mayen (Rhld.-Pf.)
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