Leserbriefe - DER SPIEGEL
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Artikel 62 / 63

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Leserbriefe

Das Drama um Laura Dahlmeier, Deutschland und Russland und das Gespräch mit den Soziologen Amlinger und Nachtwey – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 44/2025

Bei allem Respekt

Nr. 43/2025 Titel: Ihr letzter Aufstieg 

  • Ich denke, wenn eine Person ihrer persönlichen Passion nachgeht und damit ihr Leben aufs Spiel setzt und es verliert, ist es zwar traurig, muss aber nicht zu einer Titelgeschichte führen.
    Margot Beyer, Hamburg

  • Für meine Information benötige ich einen solchen Bericht nicht. Der SPIEGEL hat bessere Artikel in petto.
    Karl Ernst Habedank, Schwerte (NRW)

  • Ehrlich, SPIEGEL? So leid mir die Eltern auch tun. Aber sechs Seiten für die Tragödie? Sie wusste um die Gefahren und ist geklettert. Gibt es nicht wesentlich Schlimmeres auf der Welt, über das berichtet werden müsste? Dass Tag für Tag zig Soldaten sterben für die Freiheit der Ukraine, dass es ein unerträgliches Elend im Sudan gibt, dass in Gaza Zigtausende Menschen gestorben sind durch die absolut nicht angemessene Reaktion des israelischen Staates? Ich bin enttäuscht, die sechs Seiten hätten Wichtigerem gewidmet werden sollen. Aber den Eltern mein Beileid.
    Petra Richter, Bremen

  • Die Titelgeschichte über den Bergtod von Laura Dahlmeier war eine der berührendsten, echtesten und daher besten SPIEGEL-Storys der letzten Zeit.
    Dr. Helmut Prasch, Krumpendorf (Österreich)

  • Warum geben Sie der Laura-Dahlmeier-Geschichte eine solche Bühne? Eine Extremsportlerin hat ganz bewusst ihr Leben riskiert und es verloren. Traurig für sie und ihre Familie. Aber kaum genug für ein kritisches Magazin wie den SPIEGEL – »Bild« hat es schon vor Wochen ausgeschlachtet, erschöpfend.
    Sina Körner, Frankfurt

  • Eine großartige Geschichte über ein schreckliches Ereignis, vielen Dank. Genau deswegen lese ich den SPIEGEL. Es ist schon paradox, dass das Wunderbare und der Tod oft so nah beieinanderliegen.
    Winfried Weithofer, Wasserburg am Inn (Bayern)

  • Nach 64 Jahren SPIEGEL-Lektüre ein Aha-Erlebnis: Auch Redakteure in der Ericusspitze können Empathie. Durchgehend zeigen sie Mitgefühl mit der Protagonistin, den Hinterbliebenen, den diversen Rettungsversuchen und sogar mit der Leidenschaft des Bergsteigens. Dieser Artikel war echt berührend. Weiter so.
    Helmut Schaarschmidt, Bremen

  • Warum wird nicht gefragt, warum die extreme Gipfelstürmerei überhaupt stattfindet? Daraus ist längst ein internationales Geschäftsmodell geworden, mit einer entsprechenden Ausrüstungs- und Touristikindustrie. Ist dieser lebensgefährliche Irrsinn noch Sport? Warum wird die ökologische Schadensbilanz mit keinem Wort erwähnt; warum werden die mit Exkrementen und Plastik zugemüllten Aufstiegsrouten nicht kritisch gewürdigt?
    Christian Beyerle, Herrischried (Bad.-Württ.)

  • Es klang in letzter Zeit immer wieder in den Leserreaktionen an: Wenn der SPIEGEL meint, sich mit dem »Stern« oder »Focus« messen zu müssen, verliert er. Dass der Redaktion eines politischen Nachrichtenmagazins aktuell keine andere Titelstory einfällt, ist für mich eine schwere Enttäuschung. Bitte besinnt Euch mehr auf Euer Kerngeschäft und nicht auf Lottomillionäre, C-Promis wie Frau Thomalla bei der Jagd oder Luxusuhren, wo ein Redakteur offenbar seine Passion ausleben darf.
    Volker Simshäuser, Saarbrücken

  • Eiskalte pakistanische Geröllmassen sind kein »wunderschöner Ort«, an dem Laura Dahlmeier begraben liegt. Dieser wäre allein in ihrer deutschen Heimat gewesen.
    Dr. Tim Schreiber, Göttingen

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge
Arne Bellstorf / DER SPIEGEL

»Sie waren nicht neutral, das zeigte schon die Überschrift«

Die Leserin Evelyn Götte-Huhn aus Hannover hat den Artikel »Die Todesvermittler« kritisiert (hier die ganze Geschichte ). Lukas Eberle hat sie angerufen.

SPIEGEL: Frau Götte-Huhn, Ihnen hat nicht gefallen, was wir geschrieben haben. Warum?

Götte-Huhn: Ich habe gespürt, dass Sie prinzipiell etwas gegen Suizidhilfe haben. Sie waren nicht neutral, das zeigte schon die Überschrift. Sie haben über den Suizid von Florian Willet berichtet, dieser Fall ist sicher empörend, aber ein Sonderfall. Sie erweckten den Eindruck, als würden Suizidhelfer aus Profitgier handeln. Ich bin selbst Mitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben – es gibt Suizidhelfer, die das aus Nächstenliebe tun.

SPIEGEL: Was hätten wir besser machen können?

Götte-Huhn: Sie hätten wenigstens einmal die Perspektive wechseln können: Wie verzweifelt sind Menschen, die sich beim Sterben helfen lassen möchten? Es geht bei diesem Thema nicht nur um die Rechtslage, sondern auch um Menschen, um Empathie und Mitgefühl. Sie hätten erwähnen sollen, dass in Deutschland jährlich rund 10.000 Personen ohne Hilfe Suizid begehen – dem stehen gut 1200 assistierte Suizide gegenüber.

Die beste Abschreckung

Nr. 42/2025 Deutschland muss sich gegen Putin rüsten 

  • Liebe Leitartikel-Schreiber, jede zweite Woche schreibt ihr, dass wir im Krieg mit Russland sind. Jede zweite Woche sehnt ihr euch nach der Wehrpflicht. Wir sind nicht im Krieg mit Russland. Oder wollt ihr das so lange schreiben, bis wir es alle glauben? Pazifisten sind auch keine ewig bekifften Latzhosen, die zu doof sind, die Welt zu verstehen. Ich denke, dass ich die geänderte Weltlage durchaus begriffen habe, und bin mir im Klaren darüber, dass in Russland ein unberechenbarer Psychopath regiert. Trotzdem werde ich Pazifist und ein ewiger Gegner der Wehrpflicht bleiben.
    Klaus Rieckborn, Seevetal

  • Danke für die Einordnung. Wenn wir uns Angst machen lassen, hat Putin ein Ziel schon erreicht. Gestolpert bin ich über »Es geht nicht darum, junge Männer in den Krieg zu schicken«. Hier sollten wir unbedingt von jungen Menschen sprechen. Hier muss Gleichberechtigung als Grundlage bestehen. Als 66-Jährige könnte ich mir auch vorstellen, dass wir grundsätzlich ein Dienstsystem einführen, das im Ernstfall alle Altersgruppen für die Versorgung oder die Verteidigung dienenden Aufgaben »einberuft«.
    Sabine Nowack-Schwonbeck, Hamburg

  • Ich kann die ganze Aufregung um den Wehrdienst nicht verstehen. Wir sind in einer Notlage und müssen endlich handeln. Es müssen alle Männer und Frauen angeschrieben werden, alle müssen auch antworten. Natürlich kann sich jeder auch freiwillig verpflichten, dafür sollten gute Angebote gemacht werden, verschiedene Führerscheine, Ausbildungen, Studium und Prämien. Das ging doch auch früher so, uns hat doch auch keiner gefragt. Und so eine allgemeine Musterung heißt doch nicht gleich Krieg, sondern Abschreckung und Vorbereitung. Wie schnell man Frieden, Freiheit und Wohlstand verlieren kann, sieht man an der Ukraine. Wohin wollen dann unsere jungen Menschen fliehen, wenn sie ihr Heimatland nicht verteidigen wollen?
    Dorothea Zelck-Steffen, Kiel

  • Alle über 16-Jährigen und unter 75-Jährigen, die gesund sind und keine Kinder, Kranken oder Alten zu betreuen haben, sollten gefragt werden, wo sie sich in einem (hoffentlich nicht) bevorstehenden Krieg (gegen Russland, China, Amerika, egal, woher die Gefahr droht) sehen. Sollte der Kriegsfall eintreten, brauchen wir nicht nur Soldaten, sondern auch gut ausgebildete Ersthelfer, Feuerwehrleute in Reserve, Suchtrupps zur Bergung Verschütteter, Trümmerräumdienste, Internetbeobachter:innen gegen feindliche Propaganda, es müssen Unmengen von Drohnen produziert und gesteuert werden. Nur an die Rekrutierung von ein paar mehr Soldaten zu denken, ist nicht ausreichend. Eine umfassende Vorbereitung eines großen Teils der Bevölkerung ist die beste Abschreckung.
    Susanne Gründler, Heinsberg

  • Im Leitartikel wird Lew Tolstoi erwähnt. Dieser war nicht nur ein großer Schriftsteller der Weltliteratur, sondern auch ein Wegbereiter des christlichen Anarchismus und Anarchopazifismus. Er korrespondierte mit Mahatma Gandhi, der sich als sein Schüler verstand. In seinem Werk »Das Reich Gottes ist in euch« leitet Tolstoi aus der Liebesbotschaft der Bergpredigt Jesu folgerichtig ab, dass ein Christ sich gegen den Wehrdienst und gegen Steuern, von denen Waffen gekauft werden, wenden muss. Was würde Tolstoi wohl nun zu einem Pazifismus sagen, der nur als »Korrektiv« tauge? Wo er selbst diesen absolut als Leitmotiv verstand. Oder von »einer Wehrpflicht, die diesen Namen verdient«? Also: Lasst uns lieber den großen Tolstoi lesen, statt uns der Kriegshetze des kleinen Pistorius und des kleinen Merz auszusetzen.
    Alexander Kalteis, Bünde (NRW)

Großen Dank

Nr. 42/2025 Deutsche Militärs wollten Russen ausbilden 

  • Eine Kooperation in Verteidigungsangelegenheiten mit anderen Nationen mag ja sinnvoll sein. Welch irrwitziger Gedankengang dem Bestreben einer Zusammenarbeit ausgerechnet mit Russland zugrunde gelegen haben mag, erschließt sich dem fassungslosen Betrachter mitnichten.
    Carl Ibs, Salzgitter

  • Großen Dank an die Autorinnen Gloger und Mascolo, dass sie uns unmissverständlich erinnern: Der neue Börsenstar Rheinmetall ist noch lange keine ethisch vertretbare Geldanlage. Die Rüstungsmanager würden unverändert aus »Verantwortung gegenüber den Aktionären« jedem alles verkaufen. Bleibt die Frage: Ist das eigentlich ein Rheinmetall-Alleinstellungsmerkmal, oder betrifft das weitere der gerade stark prosperierenden Waffenschmieden, die sich in unseren Wertpapierdepots so gut machen?
    Silke Ochmann, Oldenburg

»Demokratischer Faschismus«?

Nr. 42/2025 Die Soziologen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey im SPIEGEL-Gespräch 

  • Ein ganz ausgezeichnetes Interview. Zum ersten Mal lese ich, dass sich Wissenschaftler systematisch damit befassen, warum sich Wähler:innen dem modernen Faschismus zuwenden. Ich lese als zentrale Aussage, dass diese Leute rationalen Argumenten nicht zugänglich sind, weil sie das Gefühl haben, bevormundet zu werden und dass ihnen Aufstieg und Teilhabe verwehrt werden. Ich frage mich jetzt – und die beiden Soziologen beantworten die Frage bewusst nicht –, wie man etwas gegen diese Tendenzen tun kann, wenn Faktenchecks nicht helfen. Man muss für diese Menschen Aufstieg und Teilhabe wieder möglich machen.
    Adam Romoth, München

  • Als gäbe es nicht schon genug babylonische Sprachverwirrung, bringen Frau Amlinger und Herr Nachtwey nun ein Begriffspaar zur Erklärung der Anfälligkeit für Populismus, das absurd ist: »demokratischer Faschismus«. Sie verstümmeln den Begriff der Demokratie, indem sie ihn auf das bloße Mehrheitsprinzip reduzieren. Als wäre Demokratie, wie sie sich über Jahrhunderte entwickelt hat, nicht viel mehr: Menschenwürde und Menschenrechte, Toleranz gegenüber anderen Menschen und Kulturen, Gleichheit vor dem Gesetz, Gewaltenteilung. Doch in Buch und Interview wird daraus eine adjektivische Beschreibung eines neuen Faschismus. Das ist völlig abwegig.
    Thomas Knuth, Berlin

  • Ich frage mich, ob wir die heutigen rechten Bewegungen wirklich verstehen, solange wir sie nur mit dem Begriff »Faschismus« beschreiben. Die Parallelen zur Vergangenheit sind unübersehbar – doch die Gegenwart ist komplexer. Wäre es nicht sinnvoll, für die aktuellen Bewegungen in vielen Teilen der Welt einen neuen Begriff zu finden? Das könnte helfen, die Gegenwart klarer zu sehen, statt sie ständig durch die Brille der Vergangenheit zu deuten.
    Dr. Bertold Ulsamer, Freiburg

  • »Demokratischer Faschismus«? Ich werde den Verdacht des Schönredens nicht los. Wenn am Ende des Prozesses doch die Zerstörung der Demokratie steht, wie eingeräumt wird, dann ist dieser Begriff irreführend. Und wieso werden Initiativen wie Black Lives Matter oder Fridays for Future als »gecrasht« und als »gescheiterte Revolutionen« abgewertet? Damit erhält eine rechtsextreme Partei wie die AfD eben doch eine fragwürdige Legitimation. Wir bräuchten einen neuen Antifaschismus, heißt es. Was für einen? »Wir wissen es nicht«, sagen die Befragten. Wie wäre es mit der liberalen Demokratie unserer Verfassung?
    Heiner Mees, Rosengarten (Bad- Württ.)

  • Das war eine sehr informative Analyse von Querdenkern, Faschisten und deren Beweggründen. In meinem Umfeld begegnen mir Leute, die mir sagen, alle Politiker sind korrupt und kriminell, sie würden betrogen und so weiter. Wie rede ich mit denen? Soll ich ihnen sagen, dass sie tatsächlich um die Früchte ihrer Arbeit betrogen werden, aber nicht von Migranten oder Faulenzern, sondern von Reichen und Superreichen, die sich an den Kosten des Staates nicht angemessen beteiligen, und das mit Billigung des Staates? Und soll ich ihnen beipflichten, dass sie täglich gegängelt werden von einem Staat (oder von Bundesland, Gemeinde, EU), der ständig neue Regeln implementiert und kaum alte, unsinnige oder überflüssige streicht? Wie wäre es einmal mit einer fundierten Analyse im SPIEGEL, wo denn der gewaltige Produktivitätszuwachs der letzten 40 Jahre geblieben ist?
    Henning Berkelmann, Süderwalsede (Nieders.)

  • Dieser Beitrag enthält viele interessante Thesen und Erklärungen. Angesichts der Bedeutung der Thematik frage ich mich allerdings: Warum bringen Sie das im Kulturteil wie irgendeine Buchrezension? Angemessener wäre für mich die Rubrik »Politik und Gesellschaft«.
    Martha Wilmes-Siebert, Essen

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