Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Leserbriefe
Bedrohung deutlich machen
Nr. 38/2025 Titel: Der Drohnenkrieger
Die jüngsten Grenzüberschreitungen von Putin sind primär eine peinliche Niederlage für alle Leisetreter in der SPD, von Steinmeier über Mützenich bis zu Stegner. Aber auch der Kanzler zählt eher zu den Sprücheklopfern, wenn der Taurus still in der Schublade verschwindet. So kann der Kreml in aller Ruhe die Sollbruchstellen des Bündnisses austesten, um bereits am nächsten Morgen über die neue Strategie auf Seite eins informiert zu werden. Eine mutige Politik sollte die Bevölkerung auf harte, entbehrungsreiche Zeiten einstimmen, vielleicht noch nicht mit »Blood, Sweat and Tears«, aber mit massiver Aufrüstung der Ukraine (auch mit weitreichenden Waffen), der Konfiszierung russischen Staatsvermögens und schmerzhaften Sekundärsanktionen, wie sie Trump vorgeschlagen hatte. Ob Merz den Mut dafür aufbringt?
Christoph Schönberger, AachenMich beunruhigt, dass in diesem Zusammenhang (ähnlich wie bei der Sprengung der Nord-Stream-Pipeline) die Ukraine als Verursacher überhaupt nicht in Betracht gezogen wird. Noch Anfang des Jahres wurde unter anderem im SPIEGEL ausführlich über Spoofing (elektrische Umlenkung von Drohnen durch die Ukraine) berichtet. Mag sein, dass es in diesem Fall ausgeschlossen ist, aber wieso wird dies aktuell nirgendwo mit keinem Wort erwähnt oder erklärt? Was wurde uns bei der Pipeline alles aufgetischt, was angeblich bewies, dass nur Russland Verursacher sein könnte? Es ist doch verständlich, dass die Ukraine ein Interesse hat, Nato-Partner in den Krieg hineinzuziehen. Die Kriegswilligkeit scheint aber nun auch in Deutschland so weit fortgeschritten, dass die Überzeugung, Russland wolle Krieg mit der Nato, überhaupt nicht mehr infrage gestellt wird. Sehr beängstigend!
Elisabeth Jalbert, HamburgSchon wieder das Bild dieses Verbrechers auf Ihrer Titelseite. Verschonen Sie uns bitte zukünftig mit Bildern dieser Person, zumindest auf der Titelseite. Danke.
Werner Große, Hagenbach (Rhld.-Pf.)»Bedingt abwehrbereit« hieß einmal ein SPIEGEL-Artikel, der, gelinde gesagt, recht viel Staub aufwirbelte. Die heutigen SPIEGEL-Redakteure dürften zu jung sein, um sich daran zu erinnern. Nun ist zu lesen, dass man sich bei der Bundeswehr keine Illusionen über die Abwehrfähigkeit der Truppe macht, wenn sie mit Drohnen attackiert würde. »Eine unserer größten Schwächen ist die Abwehr von Drohnen«, sagte der scheidende Heeresinspekteur Alfons Mais. Da haben wir es: Deutschland ist noch nicht mal mehr bedingt abwehrbereit. Aber im Gegensatz zu damals scheint das niemanden wirklich aufzuregen.
Klaus Günter Benscheidt, Rorschacherberg (Schweiz)Männer brechen meine Wohnungstüre auf. Daraufhin berate ich mich ängstlich mit meinen Nachbarn, was man tun könnte, um die Eindringlinge nicht zu noch größerer Aggressivität zu motivieren. Währenddessen gehen die Einbrecher ungestört ihrer Tätigkeit nach. Die Beratungen mit der Nachbarschaft verlaufen sehr gut, aber leider haben in der Zwischenzeit die ungebetenen Gäste sämtliche Wertgegenstände an sich genommen und sind verschwunden. Zum großen Erstaunen aller Mitbewohner ereignet sich am nächsten Tag das gleiche Geschehen in einer Wohnung einen Stock höher.
Mag. Dr. Harald Büchele, Innsbruck (Österr.)Heute liegt die Diplomatie auf dem Sterbebett. Etliche Politiker und Militärangehörige sowie ein wesentlicher Teil der veröffentlichten Meinung richten sich offensichtlich auf einen vermeintlich »unvermeidbaren« großen Krieg in Europa ein. Jedenfalls lässt dies ihre zunehmend kriegerische Rhetorik erahnen. Ihnen und uns allen sollte bewusst sein, dass insbesondere in Deutschland, dem potenziellen Hauptkriegsschauplatz, einen solchen Krieg niemand überleben wird.
Alfred Kastner, Weiden (Bayern)Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Putin alle bisherigen Sanktionen wenig anhaben können. Nur Geschlossenheit der demokratisch regierten europäischen Staaten, möglichst noch mit Unterstützung der USA, könnte Putin tatsächlich beeindrucken und zur Beendigung seiner fortdauernden Kriegshandlungen bewegen.
Herbert Kremer, SolingenWir müssen uns die Bedrohung deutlich machen. Daher: richtige Wahl für den Titel und die Ausführungen dazu.
Peter Carlé, Fehmarn (Schl.-Holst.)
Der Leser Hermann Luttmann aus Rotenburg (Wümme) hat den Artikel »So retten Sie Ihr Haus trotz horrender Pflegekosten« von Florian Diekmann kritisiert (hier die ganze Geschichte ). Eine Auseinandersetzung.
SPIEGEL: Herr Luttmann, Ihnen hat nicht gefallen, was ich geschrieben habe. Warum?
Luttmann: Der SPIEGEL kritisiert an anderer Stelle, dass Wohlhabende auch im Steuerrecht oft ungeschoren bleiben. Und Sie geben diesen Leuten dann Tipps, wie sie ihr Vermögen durch eine Schenkung in Sicherheit bringen können, um etwaige Pflegekosten mit staatlicher Sozialhilfe zu bezahlen. Das ist widersprüchlich.
SPIEGEL: Mein Problem ist eher, dass es diese legale Möglichkeit überhaupt gibt. Ich fände es aber unlauter, sie in einem Ratgeberartikel neben vielen anderen Aspekten ganz zu verschweigen.
Luttmann: Damit vermitteln Sie den Lesern doch den Eindruck, es sei in Ordnung, persönliche Kosten ohne Not auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Mit so einer Haltung kann unser Gemeinwesen auf Dauer nicht funktionieren. Sozialhilfe ist für wirklich Bedürftige da, nicht für Erben.
Kein auf Frankreich beschränktes Phänomen
Nr. 37/2025 Leitartikel: Das Scheitern der Methode Macron
Herr Pfister, Sie verbreiten mit Ihrem Geschreibsel eine ganz schön miese Stimmung. Und alle im Forum so: Ja! Genau! Stimmt! Hängt ihn höher, den Macron! Es ist ganz schön hintertrieben und widerwärtig, demokratische Politiker wie Macron vorzuwerfen, sie scheiterten an ihren Ansprüchen, den Laden, die Demokratie und letzten Endes die Gesellschaft davor zu bewahren, komplett auseinanderzufallen und vor die Hunde zu gehen. Und Leute wie Sie weiden sich daran, dass Demokraten wie Macron oder auch Joe Biden unter Druck geraten und am Ende als Verlierer die Arena verlassen müssen. Das ist ziemlich unehrenhaft.
Alexander Titz, Zürich (Schweiz)
Pointierter, intelligenter, ironischer Leitartikel von René Pfister. Schon der Untertitel bringt es auf den Punkt: »Frankreich steuert auf eine Staatskrise zu. Mitverantwortlich ist Präsident Emmanuel Macron, der Pose mit Entschlossenheit und Rhetorik mit Substanz verwechselt.« Auch wenn Macron sich insbesondere bei Staatsempfängen gern wie eine Mischung aus Sonnenkönig Ludwig XIV. und Napoleon gibt, sollten manche unserer (ehemaligen) Spitzenpolitiker:innen nicht voreilig zustimmend nicken. Dennoch scheinen Abgehobenheit und Selbstverliebtheit mir kein auf Frankreich beschränktes Phänomen zu sein. Oder? Damit bei uns nicht Ähnliches passiert, sollte sich »die politische Klasse« an die sarkastische Kritik von Altbundeskanzler Helmut Schmidt erinnern, der das Gegenteil eines Affektpolitikers war: »Die heutige politische Klasse in Deutschland ist gekennzeichnet durch ein Übermaß an Karrierestreben und Wichtigtuerei und durch ein Übermaß an Geilheit, in Talkshows aufzutreten.« Und manchen unserer Nachwuchspolitiker könnte es helfen, wenn sie sich an den Rat des ersten Bundeskanzlers, Konrad Adenauer, halten würden: »Nach meiner Erfahrung wird Demokratie am besten in den Gemeinden gelehrt, weil dort die praktische Arbeit und das Ergebnis einer Abstimmung unmittelbar sichtbar wird. Die Arbeit im Dienst der Gemeinde ist daher die beste Vorstufe für die Arbeit auf politischem Gebiet überhaupt.«
Frank Latka, Berlin
Anstatt die Wehrpflicht einzuführen
Nr. 37/2025 Die da unten: Heimatfront für alle
Anstatt die Wehrpflicht wieder einzuführen – ob für Männer oder Frauen – sollten wir in Deutschland ein verpflichtendes soziales Jahr einführen. Damit würden nicht nur Pflegeheime, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen entlastet, sondern junge Menschen hätten die Möglichkeit, wertvolle Erfahrungen zu sammeln.
Hans-Joachim Cech, Fernwald (Hessen)
Im Sport sind Männer und Frauen getrennt, weil es zwischen ihnen Leistungsunterschiede gibt. Im bürgerlichen Leben ist es genauso, Männer können besser mit Waffen umgehen und Frauen besser mit kleinen Kindern. Würde Frau Clauß dies einmal einsehen, liefe sie nicht ständig mit dem Kopf gegen eine Wand.
Dr. Hans Peter Basler, Frankfurt am MainIch bin auch für die Wehrpflicht, und zwar für alle, die dafür sind. Und für sie gibt es, wenn die aktuelle Kriegsherbeirederei der Bellizisten so weitergeht, eventuell sogar eine Einsatzgarantie zum Beispiel an der Nato-Ostgrenze. Also dann, weggetreten zum Tasche packen! Unverbesserliche männliche Friedensfreunde wie ich wiederholen stattdessen jederzeit und voller Überzeugung ihre Kriegsdienstverweigerung und hoffen für alle Frauen, dass sie von der scheinheiligen Gleichberechtigungsfalle bezüglich der Wehrpflicht verschont bleiben und friedenstüchtig bleiben können, ohne gezwungen zu sein, zu verweigern.
Uwe Wagner, Bruchköbel (Hessen)
Ja
»Ich hatte volles Verständnis dafür, dass das Verbrechen der Hamas nicht ungesühnt bleiben darf. Netanyahu hat das Maß aber überschritten. Solange diese Regierung in Jerusalem an der Macht ist, sollten wir die Sanktionen, die die EU veranlassen wird, ohne Wenn und Aber unterstützen.«
Manfred Frühwald
Nein
»Vermutlich eine der schwierigsten außenpolitischen Fragestellungen, mit der sich eine deutsche Regierung auseinandersetzen muss. Hier würde ich mir eine offene und klare Aussprache im Bundestag wünschen, mit anschließender Gewissensentscheidung durch die Abgeordneten.«
Bernd Winkler
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Fesselnde Mischung
Nr. 37/2025 SPIEGEL-Gespräch mit Boris Becker über den Neubeginn nach der Zeit im Gefängnis
Das SPIEGEL-Gespräch mit Boris Becker empfand ich als unglaublich inspirierend und ehrlich. Die Unterhaltung wirkte auf mich wie eine fesselnde Mischung aus der Offenheit von André Agassis Autobiografie »Open« und der charakterlichen Entwicklung von Edmond Dantès aus »Der Graf von Monte Christo«. Im Kern lässt sich die Botschaft mit carpe diem zusammenfassen – die Erkenntnis, den Moment zu nutzen und das Leben nach Rückschlägen neu zu gestalten. Ich halte es für bewundernswert, wie offen er über seine Erfahrungen spricht, und wünsche ihm alles Gute für seine Zukunft.
Dr. Mohammad Behechtnejad, Winsen/Luhe (Nieders.)
Ich kann nicht verstehen, weshalb Boris Becker mal wieder Raum gegeben wird, um sich über die Unfairness des Lebens zu beklagen. Schuld sind immer die anderen – er selbst hat nichts falsch gemacht, nur auf die »falschen Freunde« gehört. Die Aussagen von Becker sind bekannt, nichts Neues und dennoch gibt ihm der SPIEGEL Platz für seine Darstellung. Ich finde das sehr schade.
Berta Herrwerth, Beilstein (Rhld.-Pf.)Boris Becker hat mir unvergessliche Sportmomente im Fernsehen beschert. Das epische Duell gegen John McEnroe im Davis-Cup 1987 gilt noch heute als eines der längsten der Tennisgeschichte. Danke, Boris.
Claus-Peter Minkwitz, Felde (Schl.-Holst.)
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