Schelmenroman über die Wende Holtzkopf ja, aber kein Unmensch
Mauerfall im November 1989
Foto: Pool CHUTE DU MUR BERLIN/ Gamma-Rapho via Getty ImagesSchon als Ingo Schulze 1995 beim Bachmannpreis mit wallenden Locken ins Licht der Öffentlichkeit trat, konnte man seinem Gesicht einen gewissen Schalk ansehen. Nun hat er sich den Spaß gemacht, sein Stammthema, die Wendezeit, noch einmal aufzugreifen - in Form eines Schelmenromans.
Autor Ingo Schulze
Foto: Gaby GersterPeter Holtz heißt sein Forrest Gump, den Schulze an alle wichtigen Schauplätze des Geschehens schickt - oder doch zumindest in die Nähe. Der Clou ist, dass Holtz ein Herzens- und Buchstabensozialist ist, der stets das Beste will, aber oft genug das Gegenteil erreicht. Auf Seite 435 wird er endlich "Holzkopf" genannt, allerdings auch "Unmensch", und das tut ihm wirklich unrecht.
Heiter liest sich das über lange Zeit, insbesondere Holtz' Rolle in der Ost-CDU bringt halbverschüttete Erinnerungen an die Opportunisten und Wendehälse der Zeit zum Vorschein. Parallelen zu Wolfgang Beckers Film "Good Bye, Lenin" werden offenbar, als Peter unfallbedingt ins Koma fällt.
Parteitag der DDR-CDU 1987 (mit dem Vorsitzenden Gerald Götting)
Foto: imagoDoch anders als Katrin Sass' Mutter ist es ihm nicht vergönnt, unwissend zu bleiben: Er muss sich im Kapitalismus zurechtfinden, wenn auch mit überraschend guten Startbedingungen. Doch dies ist die schwächere Hälfte eines gemütlichen, etwas nostalgischen Gedankenspiels, dessen Ende Popkulturfreunden aus dem Werk der Liverpooler Konzeptkünstler KLF bekannt vorkommen könnte.