"My Fair Lady" und "Gigi" André Previn ist tot
André Previn
Foto: Marlene Karus / APDer deutsch-amerikanische Dirigent, Komponist und Pianist André Previn ist tot. Er starb im Alter von 89 Jahren. Das London Symphony Orchestra äußerte sich tief bestürzt über den Tod des Musikers. Previn wurde mit vier Oscars, zehn Grammys und für sein Lebenswerk mit dem Kennedy-Preis ausgezeichnet.
Seine Managerin Linda Petriková bestätigte der "New York Times" seinen Tod. Demnach starb der Ausnahmemusiker am Donnerstag "nach kurzer Krankheit" in seinem Zuhause im New Yorker Stadtteil Manhattan.
Der 1929 als Andreas Ludwig Priwin in Berlin geborene Künstler war unter anderem Chefdirigent des London Symphony Orchestra und des Royal Philharmonic Orchestra sowie Musikdirektor des Philharmonischen Orchesters von Los Angeles. Seit 2002 war Previn Musikdirektor bei den Osloer Philharmonikern. Er gastierte in Salzburg, Dresden, Edinburgh und Osaka.
Musik für über 50 Filme
Neben seiner Dirigententätigkeit schuf das Allroundtalent die Musik zu mehr als 50 Filmen und schrieb Musik anderer Komponisten filmgerecht um. Außerdem machte sich Previn als Jazzpianist einen Namen. Als erster Jazzmusiker bekam er eine Goldene Schallplatte.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
"Ich habe erst spät realisiert, dass mein Vater wirklich ein Held war. Er hat Deutschland verlassen, hatte kein Geld, hat die Sprache nicht gesprochen und hat es trotzdem geschafft, uns durchzubringen. Aber wir sind nicht sehr gut miteinander klargekommen", sagte Previn einst dem "Guardian".
Schon mit 15 Jahren gab er ein Jazzkonzert in der Philharmonie von Los Angeles und zählte bald zu den hochkarätigen Jazzern der US-Szene. Regelmäßig stand er mit Größen wie Benny Goodman, Dizzy Gillespie, Benny Carter oder Billie Holiday auf der Bühne.
Nach 16 Jahren kehrte er Hollywood den Rücken zu
In den Vierzigerjahren bekam Previn, der inzwischen US-Staatsbürger geworden war, einen Vertrag als Hollywoodmusiker beim Studio Metro Goldwyn Meyer. Die erste Filmmusik schrieb er für eine Folge der Serie "Lassie". Für die Filme "Gigi", "My Fair Lady", "Porgy and Bess" schrieb er Musik anderer Komponisten um, für diese und seine Originalmusik für "Irma la Douce" heimste er jeweils einen Oscar für die beste Filmmusik ein. Trotz des Erfolgs wandte er der Traumfabrik nach 16 Jahren schlagartig den Rücken zu. "Ich wollte mit dem Talent spielen, das ich hatte."
Er widmete sich der klassischen Musik. Er lernte das Dirigieren, übernahm 1967 das Houston Symphony Orchestra und wurde nach nur drei Jahren als Nachfolger von Claudio Abbado als Chefdirigent und Musikdirektor an die Spitze des London Symphony Orchestra berufen. Es folgten Kooperationen mit so gut wie allen großen Orchestern der Welt. Zudem galt er als einer der weltweit wichtigsten zeitgenössischen Komponisten. Neben seinen Grammys wurde er 2011 mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und damit einem der höchsten deutschen Orden ausgezeichnet.
Fünf Ehen, zahlreiche Kinder
Privat erlebte der leidenschaftliche Kunstsammler währenddessen mehr Tiefen als Höhen. Beruflich bereue er nichts in seinem Leben, sagte Previn einmal. "Privat ja. Ich habe einige ziemlich schlechte Entscheidungen in meinem Privatleben getroffen."
In den Siebzigerjahren war er mit der US-Schauspielerin Mia Farrow verheiratet. Aus der Beziehung gingen drei Kinder hervor. Das Paar adoptierte außerdem drei weitere Kinder, darunter die Tochter Soon-Yi, die später Farrows ehemaligen Lebensgefährten, den US-Filmemacher Woody Allen, heiratete.
Seine fünfte Ehe mit der 34 Jahre jüngeren Stargeigerin Anne-Sophie Mutter wurde 2006 nach vier Jahren geschieden.