Die Bauarbeiter jubeln auf der wohl symbolträchtigsten Statue von Kiew.
Mehr als 17 Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs trägt das Wahrzeichen der Stadt, die Mutter-Heimat-Statue, ein neues Wappen.
Seit Sonntagvormittag hält die Frauenfigur statt sowjetischer Symbole das ukrainische Staatswappen, den sogenannten Dreizack, in der Hand – eine lang ersehnte Maßnahme.
Jurij Sawchuk, Direktor Historisches Museum
»Wir haben alle gesehen, wie schwierig der Weg bis zu diesem Punkt war. Dutzende, Hunderte Menschen waren daran beteiligt. Es war eine schwierige Entscheidung zu treffen. Es ist der Wille der Nation.«
Vor wenigen Tagen hatten Arbeiter die ursprünglichen Symbole – das sowjetische Hammer-und-Sichel-Zeichen – abmontiert.
Bei einer Umfrage im vergangenen Jahr hatte sich eine deutliche Mehrheit der Ukrainer für die Entfernung der Sowjetsymbolik an dem Wahrzeichen Kiews ausgesprochen. Eine Botschaft nach innen – und nach außen:
Rostyslaw Karandieiev, Kulturminister
»Wir müssen nicht nur den Widerstand an der tatsächlichen Frontlinie garantieren, sondern auch einen erfolgreichen Kampf an der ideologischen und kulturellen Frontlinie führen.«
Die demontierten Teile werden im Museum gelagert, da sie von historischem Wert sind. Die Statue wurde 1981 anlässlich des Tags des Sieges über Hitlerdeutschland eingeweiht – 40 Jahre lang trug sie die Sowjetsymbolik.
Die Frauenfigur mit Schild und Schwert selbst ist 62 Meter hoch und damit die höchste Statue Europas – und sogar knapp 16 Meter höher als die Freiheitsstatue in New York. Das gesamte Monument mit Sockel hat eine Höhe von 102 Metern und wiegt fast 500 Tonnen. Der Auftrag für das neue Wahrzeichen, für das acht Meter große Schild war eine Herausforderung.
Oleksij Perhamenschyk, Bildhauer
»Die Menschen sollen von überall aus erkennen können, dass es ein Dreizack ist. Das Wappen sollte nicht zu klein und nicht zu groß sein, nicht zu dick und nicht zu dünn. Nun hat es das goldene Maß. Der Dreizack hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Er ist unser nationales Symbol, das Symbol unseres Sieges.«
Und mit dieser Bestimmung blickt die Kriegerin aus Stahl nun weiterhin streng nach Osten.