Schüsse auf den »Pianisten« - DER SPIEGEL
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REGISSEURE Schüsse auf den »Pianisten«

• aus DER SPIEGEL 23/2002
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Der Erfolgsregisseur Roman Polanski ("Chinatown"), 68, bringt in seinem Herkunftsland Polen die Kritiker auf die Palme: »Nichts Neues«, »banal«, »zu wenig psychologische Tiefe«, wüteten die Feuilletons an der Weichsel über Polanskis am vorvergangenen Sonntag in Cannes preisgekröntes Holocaust-Drama »Der Pianist«. Schon mahnt die Warschauer Zeitung »Rzeczpospolita« besorgt: »Schießt nicht auf den Pianisten«. Doch selbst das Intelligenzblatt kann sich die Verve, mit der der Regisseur von der Kritik verfolgt wird, nicht recht erklären. Der berüchtigte polnische Antisemitismus erklärt die Angriffe gegen den Regisseur nicht: Polanski hat zwar jüdische Vorfahren, doch gerade gänzlich unverdächtige Blätter wie die linksliberale »Gazeta wyborcza« und das Wochenmagazin »Polityka« taten sich mit Verrissen hervor. Vielleicht ist das Dauerfeuer auf einen uralten polnischen Komplex zurückzuführen: das Gefühl vieler Polen, von der Welt nicht wirklich ernst genommen zu werden. So manchem Kritiker mag es insgeheim sauer aufstoßen, dass mit Polanski ein Regisseur ausgezeichnet wurde, der seit 1959 in den USA und Frankreich lebt. »Der Pianist« sei gar kein polnischer Film, sondern »Hollywood-Kino« und Polanski auch kein Pole, tönte denn auch der bekannte Kritiker Zdzislaw Pietrasik in der Fernsehsendung »Punkt auf dem i«. Der letzte Triumph eines Polen in Cannes liegt jedenfalls schon 21 Jahre zurück: 1981 zeichnete die Jury Andrzej Wajdas »Der Mann aus Eisen« mit der Goldenen Palme aus.

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