So sexy - DER SPIEGEL
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MODE / Pelz-Messe So sexy

• aus DER SPIEGEL 18/1971
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Die Gäste mochten sich in Professor Grzimeks zoologischem Garten wähnen -- so vielfältig und exotisch erschien das Defilee auf dem Laufsteg.

Da wandelten Scheitelaffe von der Goldküste und südamerikanische Laternenwasserratte. Dem spanischen Jungstier folgten mexikanischer Ozelot, Zebra und Zobel; Lamm und Murmel fehlten ebensowenig wie tasmanisches Opossum und Kamtschatka-Fuchs, Bisam aus Texas und Otter aus Alaska.

Der Wert der vorgeführten Pelzgewänder entsprach ihrer Exklusivität -- die Preise reichten von 900 Mark für Roß über 14000 für Chinchilla bis zu 60000 Mark für Zobel.

Mit der Vorführung derart extravaganter Tierfelle begann am letzten Wochenende -- zu den Klängen einer Hammond-Orgel -- in der Frankfurter Kongreßhalle die diesjährige Internationale Pelz-Messe, der größte Rauchwaren-Salon der Welt. Sowohl Felle als auch fertige Kollektionen der Pelz-Konfektionäre werden dort vorgestellt und umgeschlagen.

Neun Mannequins und ein Dressman zeigten, was die westdeutsche Pelzbekleidungsindustrie in der neuen Saison modisch möglich macht: Pelze als Ponchos, Kleider und Kostüme, für Hosenanzüge und Hot pants, Mäntel kniebedeckt bis bodenlang, tailliert und schwingend und häufig hochgeschlitzt. -- kombiniert mit Hahnenfedern, bedruckt mit Schlangenmustern, gefärbt in Tönen von Aubergine bis Rosé. »So sexy«, urteilte ein Einkäufer, »war die Pelzmode noch nie.«

Insgesamt zeigen in Frankfurt, bis Mitte dieser Woche, 440 Aussteller (davon jeder dritte aus dem Ausland) etwa 25 000 Einkäufern, wieviel Platz für Tiere in der Mode ist. Und besonders die deutsche Rauchwaren- und Pelzwirtschaft sei, wie das Textilfachblatt »Le dernier cri« meldete, »guter Stimmung«.

Denn innerhalb weniger Jahre rückte die Bundesrepublik zum (nach den USA) zweitgrößten Verbraucherland auf; gemessen am Pro-Kopf-Konsum ist sie gar pelzfreudigstes Land der Welt.

»Neider behaupten«, schrieb »Dernier cri« über die Branche, »daß sich selbst ihre Angestellten einen Chauffeur halten.« Aber auch die Verbandssprecher selbst bezeichnen sie als »Wachstumsbranche ersten Ranges«. Innerhalb der letzten acht Jahre konnten allein die 2400 Betriebe des Kürschner-Handwerks (15 000 Beschäftigte) ihren Umsatz verdoppeln -- auf 912 Millionen Mark im vorigen Jahr. In diesem Jahr schicken sie sich an, die Milliarden-Barriere zu durchbrechen.

Pelzwerk Insgesamt, so schätzt Walter Würker, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Rauchwaren- und Pelzwirtschaft, werde in diesem Jahr in der Bundesrepublik einen Umsatzwert von etwa zweieinhalb Milliarden Mark erzielen. Jede zweite bis dritte westdeutsche Frau nennt schon ein Pelzbekleidungsstück ihr eigen. Vier von fünf deutschen Pelzbesitzerinnen tragen Nerz oder Persianer.

Stolz künden denn auch die Kürschner, »mehr als 50 Prozent der gesamten Produktion« würden »an Lohn- und Gehaltsempfänger verkauft«. Allein der Absatz von Pelzkappen und Pelzmützen nahm von Jahr zu Jahr um 50 bis 100 Prozent zu (Umsatz 1970: mehr als zehn Millionen Mark). Freudig meldete die »FAZ": Die Deutschen -- vor 25 Jahren noch ein Volk in Deckenmänteln -- seien »dabei, ein Volk in Pelzen zu werden«.

So haben seit einigen Jahren auch Versand- und Warenhäuser das Pelzwerk als Absatzschlager für sich entdeckt. Einige Kaufhäuser melden Zuwachsraten von mehr als 200 Prozent. »Volks-Nerze« -- quergearbeitet aus weiblichen Tieren zweiter Qualität (die zumeist der Sommersterblichkeit erlegen sind) -- lassen sich bereits für 2000 Mark anbieten. Liebhaberstücke, womöglich mit Zobelbesatz, kosten freilich noch immer 6000 bis 12 000 Mark.

Ein Artikel, der während der letzten Jahre gleichfalls expandierte, fehlte freilich bei der Rauchwarenschau in Frankfurt: der Webpelz -- Imitation oder Phantasieprodukt aus Chemiefasern. Gegen diese Konkurrenz will Würker zwar seine Branche künftig mit einem »Pelzsiegel« schützen. Doch er wertet sie auch positiv: »Solange die Textilindustrie Pelze imitiert, Ist das für uns ein Zeichen dafür, daß Pelze weiterhin gefragt sind.«

Auch einen anderen Druck verspürt die Pelzbranche offenbar kaum als Nadelstich: den der Tierschützer. Ganz ungehört verhallte freilich Grzimeks Ruf aus der Wüste nicht.

Schon »aus egoistischen Gründen«, so Verbandssprecher Würker, sei auch die Branche daran interessiert, »die von der Ausrottung bedrohten Viecher für uns zu erhalten«. Nach Absprache mit dem »World Wildlife Fund« und dem Frankfurter Professor haben sich Deutschlands Kürschner nun darauf festgelegt, vier Fellarten fürs erste nicht mehr zu verarbeiten: das Haarkleid von Leoparden, Geparden, Amazonas-Ottern und Tigern.

Doch wer auf den Raubtier-Look versessen ist, kann ihn sich auch künftig gönnen -- die Kürschner fanden einen Ausweg. Statt Raubkatze nature verarbeiten sie nun einfarbige Felle mit aufgedrucktem Fleckenmuster. In Frankfurt waren zu sehen: Tiger auf Kalb, Jaguar auf Murmel.

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