Tigerkralle unterm Handschuh - DER SPIEGEL
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MODE Tigerkralle unterm Handschuh

• aus DER SPIEGEL 49/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das, was am Weibe Respekt und oft genug Furcht einflöße, stellte Friedrich Nietzsche vor gut hundert Jahren fest, sei seine »ächte raubthierhafte listige Geschmeidigkeit, seine Tigerkralle unter dem Handschuh«. In diesem Winter macht die Mode Ernst mit der metaphorischen Nähe von Raubtier und Frau. Fauchende Raubkatzen, möglichst groß und Furcht erregend, zieren Bomberjacken, Pullover, Sweatshirts und Westen. In den Kollektionen der Nobeldesigner haben die vor kurzem noch verpönten Hosen oder Strümpfe im Tigerfellmuster jetzt ihren festen Platz als Basics. Auch in der Modefotografie werden Frauen wieder gern mit Raubkatzen identifiziert. Für die Hamburger Fotografin Cellina von Mannstein, 26, ist die »seit den siebziger Jahren betriebene Entzauberung des Weiblichen« endlich vorüber. Ihre Damen in Raubtiermasken sollen den Mythos weiblicher Unergründlichkeit wieder beleben, und der identifiziert die moderne Frau mit drei Haupteigenschaften: Misstrauen, Wollust und Egoismus. Wehe denen, die sich darin nicht wiedererkennen.

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