Streamingfahrplan Welche Serien und Filme im Dezember kommen und was sich jetzt schon lohnt
Hauptdarsteller Lee Jung-jae in »Squid Game«: Die Spiele um Leben und Tod gehen weiter
Foto: No Ju-han / NetflixKinoerfolge, die endlich im Netz zu sehen sind, TV-Klassiker, die eine neue Staffel bekommen: Jeden Monat fassen wir zusammen, welche Serien und Filme neu bei Netflix und Co. sowie in den Mediatheken zu sehen sind. Der Streamingfahrplan.
Was sich aktuell lohnt (und was nicht)
Stellen Sie sich einmal vor, alle Frauen, die sexuelle Belästigung im Alltag erleben, würden über Nacht Superkräfte bekommen. Oder andersherum: Braucht es übernatürliche Kräfte, um sich gegen sexuelle Gewalt zu wehren? Zum Aktionstag gegen Gewalt gegen Frauen sprachen auch im SPIEGEL Betroffene über ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Catcalling. Über den Frust, die Machtlosigkeit und die Wut der Betroffenen.
In ihrem Serien-Debüt »Angemessen Angry« nimmt Regisseurin Elsa van Damke das mit den Superkräften nun wörtlich. Amelie, gespielt von Marie Bloching (»Die Discounter «), arbeitet als Zimmermädchen, als sie vergewaltigt wird. Nach der Tat ist sie nicht nur »Angemessen Angry«, sie entwickelt auch übernatürliche Kräfte und erkennt plötzlich männliche Täter. Eine ungewöhnliche Superheldinnengeschichte, die, ohne den Ernst der Sache zu relativieren, nie den Humor verliert.
Mit Erwartungen an Frauen setzt sich auch »The Substance« auseinander. Seit Halloween ist der Body-Horrorfilm von Coraline Fargeat nun nicht mehr nur auf der großen Leinwand, sondern auch im Stream bei MUBI zusehen. Demi Moore spielt darin einen ausrangierten Star, der für etwas Jugend zu drastischen Mitteln greift – der Selbstoptimierungsdroge »The Substance«. Der Film führt nicht nur die gnadenlose Selbstzerfleischung infolge gesellschaftlicher Schönheitsideale vor, sondern auch das Publikum selbst. Der schlimmste Horror, schreibt SPIEGEL-Redakteurin Hanna Pilarczyk in ihrer Rezension , sei eben nicht der Body-Horror, sondern der »Brain-Horror, den wir alle mit unserem gnadenlosen Blick auf den weiblichen Körper erzeugen und der uns kollektiv in den Wahnsinn treibt.«
Wem das alles zu viele menschliche Abgründe sind, der kann wortwörtlich untertauchen und sich auf Netflix die Naturdokuserie »Unsere Ozeane« ansehen. Teils nie gesehene Bilder demonstrieren eindrücklich die Schönheit der Meere – und wie wir sie gefährden. Bewusst menschlich wirken hier die immerhin 40-Tonnen schweren Wale, wenn sie sich anstoßen und sanft aus dem Wasser heben. Während wir durch die Vielfalt der Weltmeere schwimmen, begleitet uns dabei die Stimme von Barack Obama. Er und seine Frau Michelle haben den Achtteiler mitproduziert.
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ZDF-Serie über postmigrantische Jugend in Deutschland: Sehnsuchtsort ShishabarVon Christian Buß2 Min
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Was im Dezember anläuft – die Übersicht
Die Startdaten können sich kurzfristig ändern, häufig kommen Ankündigungen der Streaminganbieter in letzter Sekunde dazu. Wir versuchen, die Übersicht aktuell zu halten, können jedoch keine Vollständigkeit garantieren.
Worauf wir uns im Dezember freuen
Aber zurück zu menschlichen Abgründen: Drei Jahre ist es nun her, dass erstmals 456 Kandidaten und Kandidatinnen an einem geheimen Ort gegeneinander antraten , um 45,6 Milliarden Koreanische Won zu erspielen. 2021 startete »Squid Game« beim Streaminganbieter Netflix. Damals wurden in den ersten rund 90 Tagen für die neun Folgen insgesamt 265 Millionen Abrufe registriert. Damit ist die blutige Gesellschaftskritik die bis dato erfolgreichste Netflixserie aller Zeiten.
Dementsprechend hoch liegen die Erwartungen für den Start der zweiten Staffel am 26. Dezember. Mit dabei ist erneut Autor und Regisseur Hwang Dong-hyuk, der jüngst erzählte, er habe beim Dreh zur ersten Staffel aus Stress mehrere Zähne verloren. Das Geld habe ihn überzeugt, trotzdem wieder dabei zu sein. Das haben er und sein Protagonist, Spieler 456 (Lee Jung-jae), gemeinsam. Auch der tritt erneut ins Spiel ein.
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Ebenfalls sehnsüchtig von den jeweiligen Fans erwartet werden im Dezember die neue Staffel »Queer Eye«, das Weihnachtsspecial von Sabrina Carpenter, das »Dexter«-Prequel bei Paramount+ und die Polo-Doku von Prinz Harry und Herzogin Meghan. Um nur ein paar zu nennen. Und auch Disney+ lässt es sich nicht nehmen, zur zuschauerstarken Weihnachtszeit einen weiteren Star-Wars-Ableger ins Universum zu schicken: Die neue Serie »Star Wars: Skeleton Crew« erzählt die Abenteuergeschichte einer Gruppe Zehnjähriger, die im Universum verloren geht. Zeitlich setzt der Ableger nach der sechsten Episode, also nach »Die Rückkehr der Jedi-Ritter« ein.
Auf die surrealistische Comedyserie »Fantasmas« hat unterdessen niemand so richtig gewartet. Allerdings nur, weil niemand genug Fantasie und Farbe im Kopf hatte, um sich diese sechs Episoden auszudenken – außer Serienschöpfer und Hauptdarsteller Julio Torres selbst. Als multitalentierter Künstler in einer fiktiven Zukunft begibt sich Torres, der lange für »Saturday Night Live« arbeitete, auf die Suche nach einem verlorenen goldenen Austern-Ohrring. Auf dem Weg eröffnen Menschen und Gedanken Fenster in vignettenhaft fabulierte Kurzpassagen. Ungefilterte Kreativität und eine queere Geschichte darüber, wie schwierig es ist, sich treu zu bleiben in einer Welt, die nicht für Kreativität gemacht ist. Hochkarätige Gaststars wie Natasha Lyonne (»Matrjoschka«) oder Steve Buscemi (»Reservoir Dogs«) inklusive. Die Show ist bereits ab 30. November bei WOW (Sky) zu sehen.
Comedian und Autor Julio Torres in »Fantasmas«: »Ich sehe die Welt ein bisschen anders«
Foto: HBO / SkyWer es zurückhaltender mag, der kann sich bei MUBI den diesjährigen Gewinner des Goldenen Bären ansehen: den Dokumentarfilm »Dahomey«. Mati Diop, die 2020 mit »Atlantique« für Aufsehen sorgte, dokumentiert hier die Rückführung von 26 während der Kolonialzeit geraubten Artefakte ins heutige Benin. Die zentrale Frage: Was passiert, wenn ehemalige Kolonien geraubte Kunst wieder erhalten? Diop verschaffe afrikanischen Stimmen auf verblüffende Weise Gehör, schreibt SPIEGEL-Redakteurin Hanna Pilarczyk . Menschen davon abzuhalten, ihre eigene Geschichte von ihrem eigenen Ort aus zu erzählen, sei eines der Ziele von Kolonialismus gewesen. Diop selbst sagt: »Mit meinem Film will ich einfangen, was passiert, wenn genau das wieder möglich ist – auch weil man von der eigenen Kunst umgeben ist.«
Streamingtipp aus dem Archiv
Schon der Roman »Liebes Kind« von Romy Hausmann war seinerzeit ein SPIEGEL-Bestseller. Kurz nach Veröffentlichung schaffte es die gleichnamige deutsche Serienadaption direkt an die Spitze der Netflix-Charts. Innerhalb von zehn Tagen wurde sie rund 25 Millionen Mal aufgerufen. Nun wird dieser für deutsche Serien eher ungewöhnliche Erfolg noch mit einer weiteren Auszeichnung gekrönt: In New York erhielt der von Constantin-Film produzierte Sechsteiler nun einen International Emmy in der Kategorie »Fernsehfilm/Miniserie«.
Was also ist das Besondere an »Liebes Kind«? Die Psychothrillerserie erzählt von einer aus qualvoller Gefangenschaft entkommenen Frau, deren Schicksal mit einem ungelösten Vermisstenfall zusammenhängt. Schon wieder gehe es hier um entführte, gedemütigte Frauen, schreibt SPIEGEL-Rezensent Oliver Kaever, aber: »›Liebes Kind‹ macht alles anders als voyeuristische Vorgänger.« Die düstere Serie findet den Mut, schwierige Fragen in den Mittelpunkt zu stellen, anstatt sich in den üblichen, sensationsheischenden Aspekten solcher Kriminalfälle zu verlieren. Die Geschichte entwickelt sich aus den Traumata der einzelnen Figuren heraus. Ein »Krimi-Kammerspiel der Extraklasse« nennt Kaever das. Seine ausführliche Rezension finden Sie hier .