Dschungelcamp - Tag 8: Wasser "übers Dings"
Dschungelcamp - Tag 8 Kennst du das Land, wo sich die Blöden brühn?
Mooomentchen mal, hat in den letzten paar Tagen etwa jemand gewagt, schlecht über unser geliebtes Dschungelcamp zur reden? Sich über mangelnde Spannung, überbordende Schlaffheit und allgemein den völligen Niedergang dieses doch wirklich unverwüstlichen Formats beschwert? Dann setzt es jetzt gleich ein paar saftige Schellen, denn gestern war das Camp tatsächlich unterhaltsam wie lange nicht. Und voller Überraschungen.
Überraschung 1: Matthias ist ein Brony! So nennt man die zumeist männlichen, erwachsenen Fans der Zeichentrickserie "My Little Pony", die nicht zur eigentlich mal anvisierten Zielgruppe (sechsjährige Mädchen) gehören. Matthias scheint nun ein intimer Kenner des übrigens wirklich faszinierend vielschichtigen Klepper-Epos zu sein und nutzt ihn für einen Pferdekuss-Diss in Richtung Jenny: "Ob die alles als Ponyhof sieht, wo die Pferde noch verschiedene Farben haben wie bei 'My Little Pony'?", tritt er aus, als die ungeliebte Mitcamperin ihr Teamchefinnenamt mal wieder etwas zu trienchenhaft ausfüllt. In der Welt von "My Little Pony" wäre Matthias übrigens ganz sicher Applejack: Die Ähnlichkeit, wenn er einen Hut trägt, ist unverkennbar. Außerdem ist Applejack ein mutiges, selbstloses, hart arbeitendes Pony, das in einer Folge ganz allein die Apfelernte wegackert.
Dschungelcamp - Tag 8: Wasser "übers Dings"
Überraschung 2: Eine Dschungelprüfung kann auch absolut unterhaltsam sein. "Wir machen das, schön. Schön! Das wird geil, schön!", hatte David, der offenbar immer schon bei den Basislektionen seiner Selbstmotivationskassette weggeduselt war, sich gefreut, als er zusammen mit Kattia, Ansgar und Jenny zur Prüfung "Creek der Sterne" gerufen wurde, eine wahre Materialschlacht mit Robert-Emmerich-mäßiger Katastrophen-Atmo. Auf einem beständig bewässerten, abschüssigen Glitschuntergrund müssen die Camper je einen Riesenstern an einer bestimmten Stelle mit ihren Körpern fixieren.
"Der Tacho läuft", hatte Ansgar, der die Kassette offenbar bis zum Ende gehört hat, sein Team vor Beginn noch heißgemacht, und so trotzten sie tapfer dem Beschuss durch riesige Bälle und den Wasserfluten, die ihnen eine Unterbodendurchkärcherung vom Feinsten bescherte. Wie sehr kurzsichtige, aber extrem verbissene Erdkröten, die im Paarungswahn versehentlich plumpe Sexkröten-Attrappen bestiegen hatten, lagen die vier fröschelmäßig aufgespreizt auf den Sternen. Vor allem Kattias faszinierende Haftkraft bestärkte die Vermutung, dass sich schon rein statistisch auf die Bevölkerungsverteilung hin gesehen mindestens ein Reptiloid im Camp befinden muss. Alle Sterne, alles dufte.
Überraschung 3: Das Camp animiert einen, auf dem Fernsehsofa endlich mal wieder spontan ein Lied anzustimmen. Je nach Gemüt und Geschmackslage drängte sich dafür gestern entweder die ewige Sarah-Connor-Hymne "Brüh im Lichte dieses Glückes", der Song "Von Gott verbrüht" von Tomte oder, für das Arte-Klientel, Franz Schuberts Mignon-Lied an: "Kennst du das Land, wo sich die Doofen brühn?" Daniele kippte sich nämlich, abermals von nikotinschmachtigen Wutkrämpfen geschüttelt, bei der unsachgemäßen Feuertopf-Entsorgung das heiße Wasser mit Schmackes "übers Dings", wie er diskret-anatomisch unter Schmerzen wehklagte. Später saß der Gebrandmarkte noch lange gollumesk im Tümpel.
Überraschung 4: Sydney überkam völlig aus dem Nichts dasselbe Glücksgefühl, das man zuletzt als Kind gespürt hatte, als man in der Pappverpackung seiner Sprechpuppe überraschend noch eine zweite kleine Schallplatte gefunden hatte, nachdem die erste Platte schon derart leierte, dass man das ganze olle Ding längst wegwerfen wollte. Außer dem inneren Dauerschleifendramolett "Ich gehe - nein, ich bleibe" hat er nämlich noch eine zweite Nummer drauf: "Ich zeig dir mein' schwarzen Aaaasch für ne Zigarette", feilschte er mit dem Dschungelgott für seinen versehrten Kumpan. "Der Daniel ist in Schmerzen. Ein Zigarett', bitte, vielleicht zeig ich auch mein' Penis!" Wie immer beim König der Ankündigung blieben dann freilich die Taten aus. Vorsichtshalber riefen die Zuschauer trotzdem nicht für ihn an, Sydney durfte das Camp endlich verlassen.
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Überraschung 5: Jimi Blue Ochsenknecht twittert nicht. "Wat für 'ne Blamierung für die Family", hatte er 2012 in die Welt getickert, als sein Halbbruder Rocco Stark ins Dschungelcamp zog. Wie er es wohl fand, als Mama Natascha gestern Intima über die Ehe mit Ehemann "Olaf" (O-Ton David) ausplapperte? Nach sechs Wochen Beziehung habe sie damals morgens die Pille weggeworfen und sei abends direkt schwanger geworden. Bestimmt auch eine schöne Szene für Wilson Gonzales Ochsenknecht, wer hört nicht gern die eigenen Zeugungsschnurre im Fernsehen?
Überraschung 6: Endlich mal eine amüsante Schatzsuche! Nach der gelungen Dschungelprüfung durften sich Matthias und Kattia dabei auf der Jagd nach Puzzleteilen in einem kackmatschigen Schweinekobel suhlen. Die Szene, in der Matthias beim Versuch, sich unter dem Gatter durchzuwinden, schließlich stecken blieb und zeternd seine Hose verlor, wird in die Golden Camp Classics eingehen.
Nach so vielen unerwartet herrlichen Momenten möchte man der Produktion auch gerne etwas zurückgeben: Wie wäre es in der nächsten Staffel mit einer neuen Regel, nach der jedem erfolgreichen Dschungelprüfling sofort seine Sterne aberkannt werden, wenn er oder sie bei der Rückkehr ins Camp vor den anderen die blöde Leider-keine-Sterne-Scharade abzieht? Ansgars Interpretation dieses Hassklassikers war gestern ein echter Tiefpunkt. Das hätte selbst Sandra besser gespielt.