"Maybritt Illner" zu Recep Tayyip Erdogan: Muss ja - DER SPIEGEL
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Illner-Talk zu Erdogans Staatsbesuch Muss ja

Der türkische Präsident Erdogan ist zum Staatsbesuch in Berlin. Die Gäste bei Maybrit Illner hielten das fast durchweg für ein Ärgernis. Aber wie man mit der Türkei umgehen sollte, wussten sie auch nicht so recht.
Recep Tayyip Erdogan und seine Frau Emine in Berlin
Recep Tayyip Erdogan und seine Frau Emine in Berlin

Recep Tayyip Erdogan und seine Frau Emine in Berlin

Foto: Kay Nietfeld/ dpa
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Es gibt Sätze, die sind so unstrittig und gleichzeitig so nichtssagend, dass sie sich geradezu aufdrängen als Platzhalter in politischen Diskussionen. "Wir müssen mit der Türkei im Dialog bleiben" ist so ein Satz. Politiker verwenden ihn, wenn ihnen sonst nicht viel dazu einfällt, wie diesem Land und seinem komplizierten Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beizukommen ist - und das war zuletzt leider ziemlich oft der Fall.

In der Talkrunde "Maybrit Illner" dauerte es am Donnerstagabend knapp drei Minuten, bis FDP-Chef Christian Lindner den Satz bemühte: "Ich halte Dialog für wichtig." Nun ist dagegen nicht viel zu sagen. "Im Dialog bleiben" ist jedoch noch keine politische Strategie. Die Probleme beginnen, sobald es konkret wird - und das war auch bei Illner so.

Maybrit Illner, Christian Lindner, Cigdem Akyol

Maybrit Illner, Christian Lindner, Cigdem Akyol

Foto: Jule Roehr/ ZDF

Die Moderatorin hatte Lindner sowie CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen, den Ökonom Erdal Yalcin, den Mediendesigner Kemal Capici und die Journalistin Cigdem Akyol ins Studio geladen, um am Rande von Erdogans Staatsbesuch in Berlin darüber zu diskutieren, ob und wie die Bundesregierung der Türkei helfen sollte.

"Mit dem Rücken zur Wand"

Die Türkei steckt in einer Wirtschaftskrise. Wie schwer diese Krise ist, hat Yalcin vom Münchner Ifo-Institut in der Sendung prägnant zusammengefasst: Die Lira hat seit Jahresbeginn im Vergleich zum Dollar fast die Hälfte an Wert verloren, die Inflation ist auf einen Rekordwert von 18 Prozent geklettert. Etliche Firmen drohen pleite zu gehen, was Massenarbeitslosigkeit nach sich ziehen würde. "Die Türkei steht mit dem Rücken zur Wand", so formulierte es Journalistin Akyol.

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Wenn es um Erdogan geht, dann sind sich die allermeisten Deutschen ja zunächst einmal einig: Eine ganz große Koalition von der Linken bis zur FDP hält den türkischen Präsidenten (zurecht) für einen Despoten. Auch bei Illner war es lediglich Mediendesigner Capaci, der als Mitglied der Erdogan-freundlichen, deutschen Splitterpartei BIG Erdogan in Schutz nahm. "Die Duckmäuserei hat in der Türkei ein Ende."

Bei der Frage, wie die Bundesregierung mit der Türkei unter Erdogan umgehen sollte, gingen die Meinungen dagegen auseinander. Cigdem Akyol fand, dass Deutschland der Türkei in der Krise bedingungslos zur Seite stehen sollte - alleine aufgrund der langen gemeinsamen Geschichte. Bei ihren Mitdiskutanten sorgte das für Empörung. "Ich halte es für abenteuerlich, dass wir einen Autokraten mit deutschen Steuergeldern stützen", polterte Linken-Politikerin Dagdelen, der man die gleiche Leidenschaft wünschen würde, wenn es um die Kriegsverbrechen Putins und Assads geht, die von ihrer Partei regelmäßig verharmlost werden.

Lindner: Türkei müsse sich selbst helfen

"Bevor wir der Türkei helfen, muss sich die Türkei selbst helfen", assistierte ihr Lindner. Der FDP-Politiker ist bislang eher bedingt als Experte für die Türkei in Erscheinungen getreten. Aber er hat sich offenbar gedacht, dass etwas Erdogan-Bashing nicht schaden kann, wenn man sein Profil schärfen will. Lindner hat bereits öffentlichkeitswirksam seine Teilnahme am Staatsbankett für Erdogan abgesagt, was den türkischen Präsidenten eher wenig beeindrucken dürfte. Interessant ist, dass selbst CDU-Mann Röttgen den Empfang für Erdogan nicht so recht verteidigen wollte, jedoch zumindest pflichtschuldig betonte, dass man mit der Türkei eine Menge "gemeinsamer Interessen" habe.

Maybrit Illner hat in den vergangenen Jahren ihre Gäste immer wieder über die Türkei diskutieren lassen, meist drehte sich das Gespräch recht schnell im Kreis und am Ende blieb der etwas unbefriedigende Eindruck zurück, dass so recht niemand weiß, was man tun soll oder kann für die Demokratie in der Türkei. So war das auch diesmal.

FDP-Chef Lindner plädierte bedeutungsschwer für eine "neue Türkei-Politik", was in seinem Fall auf den doch eher unoriginellen (und destruktiven) Vorschlag hinauslief, die EU-Beitrittsgespräche aufzukündigen. Dagdelen prangerte ein weiteres Mal die Waffenlieferungen Deutschlands an die Türkei an, von denen Röttgen behauptete, dass sie "ziemlich sicher" längst eingestellt worden seien. Journalistin Akyol wies zum Schluss darauf hin, dass Erdogan nicht die Türkei sei. In dieser Sache zumindest waren sich noch einmal alle einig.