FILM / NEU IN DEUTSCHLAND Zu wenig
Das Arrangement (USA, Farbe). Er weiß schon, was ankommt, der amerikanische Reklameberater Eddie Anderson (Kirk Douglas): »Leben ist gut«, textet er etwa, »leben Sie Ihr Leben lang mit Zephir-Zigaretten.« Und soviel konsumfördernde Einfalt wird von der Wohlstandsgesellschaft allemal honoriert: Eddie hat Geld, drei Autos, ein Traumhaus mit Swimmingpool, eine gepflegte, leider frustrierte Ehefrau (Deborah Kerr) und im Büro eine knusprige Geliebte (Faye Dunaway).
Doch eines Tages ist dem Erfolgsmenschen sein Luxusleben plötzlich zuwider: In Selbstmordgedanken läßt der Autofahrer auf dem Highway spielerisch das Lenkrad los und gerät unter Lastwagenräder, Aber er hat noch mal Glück: Im Krankenhaus kommt er zur Besinnung -- in jeder Hinsicht.
Eddie rekapituliert -- in Filmrückblenden à la Resnais -- seine Vergangenheit und regelt auch seine Zukunft: Er beschließt, nur noch »die nackte Wahrheit« zu sagen, rechnet mit seinem tyrannischen Vater ab, trennt sich von seiner Frau und gibt seinen Beruf auf, um mit der Büro-Kollegin auf dem Lande das »bescheidene Leben kleiner Leute« zu führen. Doch vergebens -- von der Geliebten verlassen, nimmt Eddie Asyl in einer Nervenklinik.
So traurig es ist: Dieser Wahn-Witz vom Glück im Winkel als Mittel gegen den zermürbenden Alltags-Streß stammt von Elia Kazan, jenem einstigen KP-Mitglied und Theaterrebellen, der in seinen besten Filmen ("Die Faust im Nacken«, »Ein Gesicht in der Menge") scharfsinnig wie kein zweiter die Schwächen der US-Gesellschaft aufgedeckt hat.
Auch diesmal hatte er versprochen, »dem Land weiter Zunder zu geben und seine Fehler darzustellen«. Doch Kazan, mit 60 »weniger an den Werken anderer interessiert« als an den Schwächen seiner eigenen Biographie, inszenierte »Das Arrangement« nach einem eigenen autobiographischen Roman-Bestseller wie ein Spiegelbild seiner eigenen Resignation.
Denn Kazan hat seine geschäftstüchtige Filmbranche längst so satt wie sein Held Eddie die Reklame, aber wie Eddie, der ins einfache Leben und ins Sanatorium selbstverständlich seinen Wohlstand mitnimmt, hat auch der Regisseur seinen Kompromiß mit Hollywood geschlossen:
Kazan filmt nur noch selten, beansprucht Mitbestimmung bei Produktion und Schnitt und läßt sich zudem teuer bezahlen. »Das Arrangement« hat ihm immerhin eine Million Dollar eingebracht -- zuviel für einen in Details beklemmend ehrlichen, im Aufbau verwirrenden und thematisch unverbindlichen Film. Zuwenig für den Abschied von einem großen Talent.
* Oben: Kirk Douglas, Fay Dunaqay.