Berufsstart Einstiegsgehälter im Sinkflug
Den Studienabschluss in der Tasche und motiviert in den Job? Viele Absolventen müssen sich nicht nur auf eine lange Wartezeit einstellen, sondern auch ihre Einkommenserwartungen ziemlich herunterschrauben. Die Gehälter von Berufseinsteigern sind im Vergleich zum vergangenen Jahr gesunken. Das ist das Ergebnis einer Studie der IG Metall, die jedes Jahr die Startgehälter unter die Lupe nimmt. Die Grundlage ist eine Umfrage in 45 Unternehmen der Industrie. Berücksichtigt sind die Daten von über 3000 Berufseinsteigern.
Gerade bei den Betriebs- und Volkswirten hat sich die Situation verschlechtert. Der durchschnittliche Jahresverdienst bei Absolventen mit Uni-Abschluss liegt bei 41.000 Euro brutto - fast 3500 Euro weniger als Vorjahr und nur noch gut 500 Euro mehr als bei Kollegen mit FH-Abschluss. Absolventen mit einem Bachelor-Abschluss bekommen mit 39.500 Euro weiterhin die geringsten Einstiegsgehälter.
Ingenieure, Informatiker und Naturwissenschaftler schneiden laut Gewerkschaftsstudie etwas besser ab als die Ökonomen. Aber auch bei ihnen sind die Brutto-Jahresgehälter gesunken: Uni-Absolventen kommen im Schnitt auf 43.000 Euro; im Vorjahr waren es 44.800 Euro. Absolventen mit FH-Abschluss pendeln sich bei 41.000 Euro ein, mit Bachelor-Abschlusses bei 41.700.
Hohe Gehälter für seltene Fähigkeiten
"Teilweise kommen die Schwankungen dadurch zustande, dass wir nicht immer die gleichen Unternehmen befragen", sagt Dieter Scheitor vom Vorstand der IG Metall, der die Untersuchung durchgeführt hat, "ein Rückgang von acht Prozent, wie wir ihn bei den Wirtschaftswissenschaftlern gefunden haben, ist aber schon beachtlich." Hohe Gehälter können Betriebswirte nur dann einheimsen, wenn sie seltene Fähigkeiten mitbringen - zum Beispiel, wenn sie sich gut in komplizierten Systemzusammenhängen auskennen. Dann ist bei Betriebs- oder Volkswirten mit Uni-Abschluss auch schon mal ein Einstiegsgehalt von bis zu 45.000 Euro drin, bei Ingenieuren sogar bis zu 47.000 Euro.
Fotostrecke
In kleineren Firmen müssen Berufseinsteiger jedoch mit deutlichen Einbußen rechnen. Bei der Befragung wurden sie zumeist nicht erfasst - die IG Metall konzentrierte sich auf die Branchen Auto, Elektro, IT, Maschinenbau, Stahl und Telekommunikation. In anderen Bereichen wie Tourismus, Freiheit oder Gesundheit können die Gehälter nicht mithalten. Die IG Metall kalkuliert alle "harten" Gehaltsbestandteile wie das 13. Monatsgehalt, Urlaubsgeld oder Sonderzahlungen mit ein.
Andere Untersuchungen kommen zu leicht abweichenden Ergebnissen. So nahm die Hamburger Vergütungsberatung PersonalMarkt in SPIEGEL ONLINE kürzlich ebenfalls die Einstiegsgehälter unter die Lupe und kam in ihrem aktuellen Gehaltsreport auf niedrigere Zahlen als die IG Metall. Berufseinsteiger aus ingenieurwissenschaftlichen Fächern erreichen hier im Schnitt 38.400 Euro jährlich, Mathematiker knapp 39.000 Euro und Naturwissenschaftler 40.000 Euro im Jahr. Die Studie ergab auch Unterschiede zwischen den Abschlüssen: Master-Absolventen verdienen im Schnitt rund 39.000 Euro, Bachelor-Absolventen mit 33.800 Euro deutlich weniger.
Geiz ist geil, Geist ist billig
Besonders schlecht stehen laut PersonalMarkt-Gehaltsreport die Sprach- und Kulturwissenschaftler da - sie können lediglich mit einem Einkommen von 30.000 Euro jährlich rechnen. Je nach Branche können die Gehälter enorm schwanken. Besonders niedrig sind die Gehälter in Bildungsinstitutionen, der Öffentlichen Verwaltung oder Behörden, besonders hoch bei Banken, in der Luftfahrt oder der Automobilindustrie.
Die Online-Befragung "Studentenspiegel 2", die der SPIEGEL gemeinsam mit der Unternehmensberatung McKinsey durchführte, lieferte ähnlich ernüchternde Zahlen. Die Startgehälter von Betriebswirten, Elektrotechnikern oder Mathematikern liegen hier im Durchschnitt bei über 3000 Euro brutto pro Monat. Geisteswissenschaftler oder Architekten landen dagegen oft bei nur 2000 Euro. Zudem gestaltet sich die Jobsuche in dieser Berufsgruppe meist weit schwieriger.
Ob es sich ein Studium angesichts dieser Gehaltsaussichten überhaupt noch auszahlt, ist fraglich. Hochschulabsolventen werden zwar seltener von Arbeitslosigkeit kalt erwischt, aber rein finanziell kann eine Berufsausbildung eine Alternative sein. Zum Vergleich: IT-Systemelektroniker können laut IG-Metall-Studie nach der Ausbildung auf ein Gehalt von rund 30.000 Euro hoffen. Je nach Branche verdienen Berufseinsteiger mit abgeschlossener Ausbildung so viel wie schlecht bezahlte Akademiker - und ihre Ausbildung ist deutlich kürzer.