Mobbing-Opfer Lehrerin: Feige Schulleitung - DER SPIEGEL
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Mobbing-Opfer Lehrerin Feige Schulleitung

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Juliane M. war Lehrerin aus Leidenschaft geworden. Ihren Traumberuf übte sie an einer privaten Schule aus, weil sie meinte, hier mehr bewirken zu können als in einer staatlichen Institution. Der Schulleiter war froh, eine so engagierte Kollegin gefunden zu haben, und mutete ihr viel zu. Weil kein anderer Lehrer mit der Problemklasse der Schule zurecht kam, setzt er die 32-Jährige als Klassenlehrerin ein.

Von den 45 Minuten einer Schulstunde verbrachte sie fortan 30 Minuten damit, die wilde Horde zu zähmen. Es hagelte schlechte Zensuren und disziplinarische Maßnahmen wie Schulverweise.

Als sich Eltern beim Rektor über die Klassenlehrerin beschwerten, zeigte dieser kein Rückgrat und stellte sich gegen seine Mitarbeiterin: Innerhalb eines Jahres bekam sie 20 Abmahnungen - der Schulleiter wollte sie loswerden, um die Schüler zu behalten. Die Schüler brachten das Geld, die Lehrerin den Ärger. Erst als M. fristlos gekündigt wurde, entschied sie sich, juristischen Beistand zu suchen.

Die Mobbing-Expertin:

"Wir haben beim Arbeitsgericht gegen die fristlose Kündigung geklagt und quasi Recht bekommen", erzählt Sandra Flämig. Die Kündigung sei genauso an den Haaren herbeigezogen gewesen wie die zahlreichen Abmahnungen. Doch zurück konnte die Lehrerin nicht mehr, weil es keine Möglichkeit der Versetzung gab und sie von oberster Stelle gemobbt wurde.

Deshalb schlossen die Parteien einen Vergleich, bei dem Juliane M. eine Abfindung zugesprochen bekam - üblich ist ein halbes Monatsgehalt pro Jahr der Betriebszugehörigkeit. Außerdem wurde ihr ein gutes Zeugnis ausgestellt. "Das ist ganz wichtig für ihre berufliche Zukunft", sagt die Juristin. Wer Abmahnungen bekomme, müsse unbedingt gleich etwas unternehmen, rät sie. Juliane M. hat zwischenzeitlich eine neue Stelle an einer anderen Schule gefunden.