Trainee-Programme Punktlandung statt Karussellfahrt
"Bis vor einigen Jahren galten Trainee-Programme immer als sehr konservativer Karriereschritt - das wäre wohl eher nichts für mich gewesen", meint Georg Melcher. Nach seinem wirtschaftswissenschaftlichem Studium steht er jetzt vor der Frage: Trainee-Ausbildung oder nicht? Neben Großkonzernen "bieten mittlerweile auch mittelständische Betriebe immer häufiger spezialisierte Programme an", hat der 28-Jährige beobachtet - "weg von der allgemeinen Ausbildung hin zum Vermitteln spezieller Inhalte, für die im Unternehmen dann auch Stellen vorgesehen sind."
Für die Unternehmen selbst sind Trainee-Programme aus zwei Gründen interessant: Sie holen qualifizierten Nachwuchs an Bord und beseitigen zugleich das Problem der fehlenden Berufspraxis. Bei der Lufthansa zum Beispiel nehmen die Einsteiger an Vorträgen und Diskussionsrunden, Workshops und Fallstudien, Besichtigungen und Serviceeinsätzen teil.
"So werden die Trainees mit der Konzernstruktur, den Geschäftsfeldern, der Airline-Prozesskette und den Kunden vertraut gemacht", sagt Sabine Hess vom Lufthansa-Programm "ProTeam" für Nachwuchsführungskräfte. "Danach vertiefen sie ihre Lufthansa-Kenntnisse in drei bis vier Projekten, die in allen Gesellschaften und Fachbereichen möglich sind."
Konkrete Ausbildung, konkretes Ziel
Anders als früher durchlaufen die Trainees mittlerweile nicht mehr eine allgemeine Ausbildung, die sie nach und nach durch alle Abteilungen des Hauses führt. Eine konkrete Ausbildung mit einem konkreten Ziel - das macht heute die Programme so reizvoll für die Absolventen.
So bietet die Bayer AG ihren Absolventen nach dem Durchlaufen der Stationen in aller Regel eine Führungsposition an. "Eine Stellengarantie sprechen wir nicht aus, jedoch besteht die Absicht zur Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis", erklärt Karlheinz Deitz von der Bayer AG. "In der Vergangenheit wurden alle Absolventen der angebotenen Traineeprogramme bei der Bayer AG übernommen."
Gute Betreuung ist ausgesprochen wichtig
Flexiblere Inhalte, größere Verantwortung, früheres Festlegen der späteren Entwicklung - kaum etwas ist bei den meisten Programmen noch so wie vor ein paar Jahren. Wichtig ist die Frage: Passt das jeweilige Traineeprogramm zum eigenen Anspruch? "Ich musste bei meinem Programm in einer Versicherung häufig innerhalb der Abteilungen springen und bei Personalausfällen helfen - das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt", erinnert sich Marianne Hilfert aus Itzehoe.
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Empfehlenswerte Unternehmen bieten ihren Trainees in den einzelnen Stationen eine Betreuung durch Mentoren oder Tutoren an - ein entscheidendes Qualitätskriterium. Auch bei Bayer werde eine solche Betreuung groß geschrieben, erklärt Karlheinz Deitz: "Innerhalb der Programme durchlaufen die Trainees diverse Stationen, in denen sie die Arbeitsweisen und die Mitarbeiter persönlich kennenlernen, die ihnen behilflich sein können."
Die meisten entscheiden sich für ein Trainee-Programm statt für den Direkteinstieg. Zum einen verstehen sie die betriebsinternen Abläufe so besser und können sie später als Führungskraft besser steuern. Zum anderen entsteht aber auch ein eigenes Netzwerk, und die Kontakte sind für das Weiterkommen im Unternehmen unerlässlich.
So biete Lufthansa Integrationsveranstaltungen, bei denen sich die Nachwuchskräfte bereichs- und gesellschaftsübergreifend vernetzen sollten, betont Sabine Hess: "Das erleichtert nicht nur die Orientierung und Integration ins Unternehmen, sondern tatsächlich auch die tägliche Arbeit."
Gute Chancen auf eine Festanstellung
Die wenigsten Unternehmen können oder wollen ihren Trainees verbindliche Zusagen für eine spätere Position machen - und trotzdem müssen sich Absolventen in der Regel keine Sorgen machen um die berufliche Zukunft im Unternehmen. "Nach dem Programm warten herausfordernde Referenten- oder Assistenzpositionen auf die Teilnehmer", so Sabine Hess. Dort haben sie die Chance, durch gute Leistungen zu überzeugen.
Lufthansa ist sehr daran interessiert, die Teilnehmer durch gute Rotationsmöglichkeiten aus mittel- und langfristig zu halten. "Unsere Bindungsquote liegt bei über 90 Prozent", beschreibt zum Beispiel Sabine Hess die Chancen bei der Lufthansa. Im Schnitt bekommen von 100 Trainees rund 95 eine Festanstellung. Und auch die Einstiegsgehälter können sich sehen lassen: Sie liegen um rund 10 bis 15 Prozent über denen für Direkteinsteiger.
Von Oliver Mest, Jobpilot.de