Austausch-Log: Simone wird Schönheitskönigin - DER SPIEGEL
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Austausch-Log Simone wird Schönheitskönigin

So hat sich Austauschschülerin Simone Weber, 16, die Miss-Wahl ihrer Schule in Ecuador nicht vorgestellt. Zwar schneidet sie hervorragend ab, darf aber anschließend für viele Stunden nur noch eines: lächeln.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Großes Ereignis: In meiner Schule wurde eine Miss-Wahl veranstaltet. Die Schule war eine einzige Riesenparty, total durchgedreht. So etwas sollte unbedingt auch in Deutschland veranstaltet werden. Ich habe den zweiten Platz gewonnen, eine Schärpe in den Schulfarben überreicht bekommen und wurde von verschiedenen Zeitungen fotografiert. Den Rest der Veranstaltung musste ich neben Rektor und Konrektor sitzen, unzählige Fotos über mich ergehen lassen und immer nett lächeln bis zum Umfallen.

Aber dieser Spaß ist nur die eine Seite. In Deutschland kann man sich Ecuador überhaupt nicht vorstellen. Es gibt hier so viele Leute, die auf der Straße leben - dreijährige Kinder, nur mit T-Shirt bekleidet, stehen bettelnd am Straßenrand. Die Häuser sind hier teilweise in extrem schlechten Zustand, mit undichtem Wellblechdach, ohne fließendes Wasser und durchgehend Strom, manche armen Wohngegenden sehen aus wie eine Müllhalde.

Aber auch wenn jemand nicht zu den Ärmsten gehört, kann der normale Ecuadorianer von Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine nur träumen. Heizung, Kaffeemaschine, Staubsauger - wofür? Kaffee kann man auch anders kochen, zum Saubermachen tut's auch ein Besen.

Es gibt viele Straßen, die von Schlaglöchern übersät und nicht geteert sind. Die Schulen hier sind nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Was der Kurs darüber hinaus noch haben möchte, muss mit dem Geld aus der Klassenkasse finanziert werden. Im Fach "Realidad nacional" lernen wir mehr über Ecuador. Uns wird zum Beispiel beigebracht: "Somos un país subdesarrollado" - übersetzt: Wir sind ein unterentwickeltes Land.

Länder wie Deutschland, USA oder England gelten hier als Paradies. Man stellt sich vor, dass alle Leute reich und glücklich sind und alles haben. Oft werde ich gefragt, wie es in Deutschland sei: Gibt es viele große Einkaufszentren? Wie sind eure Straßen? Viele Leute wandern in die USA aus. So gut wie jede Mitschülerin in meiner Klasse hat Verwandte, die in den Staaten leben.

Ja, das ist Ecuador. Es gibt aber natürlich auch die andere, schöne Seite. Die Menschen hier sind total herzlich, freundlich, aufgeschlossen. Man braucht keine zwei Minuten, um ein Gespräch zu beginnen. Neulich habe ich meinen Gastvater in einer Bäckerei gefragt, was das für ein Brötchen in der Auslage sei, und er hat es mir erklärt. Als die Verkäuferin merkte, dass ich nicht von hier bin, hat sie mir gleich eines dieser Brötchen geschenkt. Dasselbe ist mir schon auf dem Markt mit irgendwelchen exotischen Früchten passiert.

Ecuador ist einfach ein wunderschönes Land mit seinen verschiedenen Landschaftszonen auf so engem Raum: Gebirge, Dschungel, Küste und die Galápagos-Inseln. Ich liebe Ecuador auf jeden Fall, mit seinen guten und schlechten Seiten.

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