Europa: Editorial - DER SPIEGEL
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Europa Editorial

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Europäische Union stellte bei ihrer Gründung etwas völlig Neues dar: Nach einer Phase des Nationalismus gaben die Nationalstaaten erstmals freiwillig einen Teil ihrer Souveränität ab. Es gelang, verfeindete Nationen zusammenzubringen und eine Zeit der Stabilität und des Friedens einzuläuten. Das Projekt der europäischen Gemeinschaft, das mit sechs relativ homogenen Staaten begann, hat sich inzwischen auf 27 Staaten ausgedehnt, die von starker Heterogenität geprägt sind. Die EU umfasst heute eine Bevölkerung von fast 500 Millionen Menschen vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer, vom Nordkap bis vor die Küste Afrikas. Kontinuierliche Einigkeit unter diesen Menschen und ihren politischen Repräsentanten darüber, was Europa ist und wo es hinsteuert, erscheint daher illusionär. Europa bedeutet vor allem, eine Balance zwischen Nationalstaat und Gemeinschaft zu finden.

Dass die Europäische Union mit vielen Problemen zu kämpfen hat, verwundert nicht; aber spätestens nach dem gescheiterten Verfassungsvertrag und dem irischen "Nein" zum Reformvertrag sprechen viele von einer schweren Krise der EU. Das Vertrauen in die Institutionen der EU schwindet, mangelnde Transparenz, überhand nehmende Bürokratie und eine fehlende europäische Öffentlichkeit werden bemängelt. Zudem besteht Uneinigkeit über Ziel und Ausmaß der EU. Trotz berechtigter Kritik sollte aber angesichts der Herausforderungen der Globalisierung häufiger der Blick auf die Vorteile der supranationalen Politik der EU gerichtet werden.

Die Zukunft der Europäischen Union lässt sich nicht von ihrer Entstehungsgeschichte trennen. Daher fällt der Blick zunächst auf der Idee eines vereinten Europas (I), den Anfängen der Europäischen Gemeinschaft. Dabei werden die zugrundeliegende Motivation sowie die unterschiedlichen Modellvorstellungen für die Gemeinschaft näher betrachtet. Anschließend wird der Einfluss der Europäischen Union im Verhältnis zu ihren Mitgliedstaaten sowie im internationalen Geschehen beleuchtet (II). Das dritte Kapitel widmet sich anhand exemplarischer Bereiche den Problemen der Europäischen Union (III). Im abschließenden Teil liegt der Fokus auf der Zukunft der Europäischen Union und möglichen Auswegen aus der Krise, insbesondere nach den gescheiterten Bemühungen um eine Reformierung der EU (IV).

Die Europäische Union beeinflusst unseren Alltag und unsere Zukunft in vielen Bereichen. Dieses Heft soll den Schülerinnen und Schülern helfen, sich über die zentralen Problembereiche, aber auch die großen Chancen der Europäischen Union ein Bild zu machen. Sie sollen in die Lage versetzt werden, die Stärken und Schwächen der EU zu erkennen und sich ein eigenes Urteil über aktuelle Diskussionen zu bilden.