Kinder-Studie: Glückliche Knirpse - DER SPIEGEL
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Kinder-Studie Glückliche Knirpse

Deutschlands Grundschülern geht es gut - daheim und sogar in der Schule. Den meisten macht das Lernen Spaß, sie geben den Schulen ausgesprochen gute Noten, wie eine Großumfrage zeigt. Und: "Die traditionelle Familie lebt", so die Forscher.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Kinder in Deutschland sind überraschend zufrieden und optimistisch. Zu Hause fühlen sie wohl und stellen nicht nur den Eltern, sondern auch den Schulen ein gutes Zeugnis aus. Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Studie des Deutschen Jugendinstituts.

Der Untersuchung zufolge bewerteten die Jungen und Mädchen im Alter zwischen fünf und neun Jahren ihre Schulen durchschnittlich mit der Note 1,5. Vier Fünftel macht das Lernen Spaß, 87 Prozent gehen gern zur Schule. Nur fünf Prozent fühlen sich in ihrem Klassenverband unwohl.

Von der ersten bis zur vierten Klasse nahm die Bewertung allerdings ab; ein Drittel der Jungen und ein Fünftel der Mädchen gab an, sich im Unterricht zu langweilen. Fast jeder der Schüler schätzte seine schulischen Leistungen positiv ein. Die Eltern urteilen darüber kritischer, sind aber zum Großteil mit den Leistungen ihrer Kinder zufrieden.

Einkommen der Eltern ist prägend

Eine reine Idylle ist die Grundschule dennoch nicht - auch Angst und Leistungsdruck gehören schon dort zum Alltag. So haben 40 Prozent der Kinder Angst davor, Fehler zu machen. "Arme Kinder aus niedrigen sozialen Schichten äußern diese Befürchtung häufiger", sagt Angelika Traub vom Deutschen Jugendinstitut.

Nach Angaben des Münchner Instituts ist die Untersuchung die erste in Deutschland, bei der vor allem die Kinder und nicht allein die Eltern befragt wurden. Die Forscher entwickelten speziellen Fragetechniken und ließ über 100 Interviewer in rund 2000 Familien ausschwärmen. Im Abstand von jeweils einem Jahr sollen dieselben Familien mindestens dreimal befragt werden.

Die großen Unterschiede zwischen armen und wohlhabenderen Elternhäusern schlägt sich auch im Sozialverhalten der Kinder nieder, bei Mädchen besonders stark. Jede vierte Grundschülerin aus Einkommensschwachen Familien hat laut Studie keine beste Freundin. Jedes zehnte Kind habe gar keine gleichaltrigen Freunde. Doch durchschnittlich hat jedes Kind vier Freunde, Vereinsmitglieder sogar einen mehr.

"Die traditionelle Familie lebt"

Die Familien schneiden im Urteil der Kinder gut ab. Durchweg fühlen sie sich zu Hause wohl, nur zwei Prozent beschreiben das Familienklima als eher negativ. "Fast alle Acht- bis Neunjährigen finden sich selbst okay und sind meist gut gelaunt", so Forscherin Traub - und das deckt sich mit der Einschätzung der Eltern. Das Konfliktthema Nummer eins ist ein Klassiker: das leidige Aufräumen im Kinderzimmer.

Überrascht hat die Forscher, dass trotz des vermeintlichen Verfalls der Familien drei Viertel der Kinder im Grundschulalter mit beiden leiblichen Eltern zusammenleben; nur 20 Prozent sind Einzelkinder. "Die traditionelle Familie lebt", so Straub.

Die Unterschiede zwischen armen und wohlhabenden Familien sind allerdings groß. Bei immerhin einem Drittel ist das Wohnumfeld nicht kindgerecht - sie leben in zu kleinen, schlecht ausgestatteten Wohnungen, haben oft kein Kinderzimmer. Und in der Umgebung gibt es viel Verkehr, aber wenige Spielmöglichkeiten. Kinder aus einkommensschwachen Familien unternehmen weniger Ausflüge, Reisen oder Radtouren. Sie sind seltener in Vereinen aktiv und haben mehr Probleme in der Schule. Ebenfalls ein Drittel der Kinder unter zehn Jahren lebt dagegen in ausgesprochen guten Verhältnissen.