Lundsberg: Internatsschüler wegen Misshandlungen verurteilt - DER SPIEGEL
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Schwedisches Elite-Internat Schüler wegen Misshandlung mit Bügeleisen verurteilt

Brutales Aufnahmeritual: Neun Schüler eines schwedischen Elite-Internats sollen jüngere Mitschüler mit einem Bügeleisen bedroht und verletzt haben - zwei wurden jetzt zu einer Geldstrafe verurteilt.
Lundsberg-Internat: Schüler sollen andere mit Bügeleisen misshandelt haben
Lundsberg-Internat: Schüler sollen andere mit Bügeleisen misshandelt haben

Lundsberg-Internat: Schüler sollen andere mit Bügeleisen misshandelt haben

Foto: Fredrik Sandberg/ AP
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Zwei Schüler des schwedischen Internats Lundsberg sind wegen Körperverletzung verurteilt worden. In einer Art "Aufnahmeritual" hatten sie einen 14-jährigen Mitschüler mit einem Bügeleisen so starke Verbrennungen zugefügt, dass er ins Krankenhaus musste. Die beiden 18-Jährigen müssen eine Geldstrafe und Schadensersatz an das Opfer zahlen. "Es liegt in der Natur der Dinge, dass man im Umgang mit einem Bügeleisen sehr vorsichtig sein muss. Das sind sie nicht gewesen", sagte der Vorsitzende Richter.

Die anderen sieben angeklagten Schüler und die Schlafsaal-Aufsicht wurden freigesprochen. Sie hatten nach Auffassung des Gerichts die Neuankömmlinge darüber informiert, was passieren würde. Die neuen Schüler hätten demnach gewusst, dass das Aufnahmeritual nicht böse gemeint sei.

Der Vorfall hatte im August 2013 dazu geführt, dass die Eliteschule 300 Kilometer westlich von Stockholm schließen musste. Die Schulleitung hatte das "Aufnahmeritual" zunächst als Streich abgetan.

Das Internat, auf dem auch der schwedische Prinz Carl Philip seinen Abschluss gemacht hat, steht seit langem wegen Mobbingvorwürfen unter Beobachtung. Seit Jahren schon sollen sich Schüler dort gegenseitig misshandelt und gedemütigt haben. Ein Bericht der Schulinspektion listete systematische Erniedrigungen, Beleidigungen und Misshandlungen bis hin zu schweren Körperverletzungen auf. Von einem "informellen Regelsystem" schrieb die Behörde: "Es hat sich ein Phänomen normalisiert, das in der übrigen Gesellschaft als unakzeptabel angesehen wird."

Warum die Schule wieder öffnen durfte

In dem Bericht ist von "Sklaven" die Rede, die ältere Schüler sich halten. Sie müssen beispielsweise Hosen bügeln und Toiletten putzen. Manchmal wecken ältere Schüler die jüngeren mitten in der Nacht, um ihnen einen "freundschaftlichen Klaps" zu geben. Den Bericht schrieben die Inspektoren bereits im Jahr 2011. Seitdem hat sich offenbar nicht viel verändert.

Zum Schuljahresstart sollen dann die neun Schüler andere Jungen misshandelt haben. Mit einem verbrannten Oberkörper meldete sich einer der Jungen im August auf der Krankenstation des Internats, die wiederum alarmierte die Polizei. Vier Tage später verkündete die Schulaufsichtsbehörde die Schließung. Die Schüler mussten vorübergehend andere Schulen besuchen.

Das Verwaltungsgericht in Stockholm hob das Verbot aber rasch wieder auf - ausschlaggebend war ein juristisches Detail: Es sei unklar, ob die Schulaufsicht für das Internat mit seiner Reichsinternatsschule überhaupt zuständig sei, teilte das Gericht mit. Auch hatte sich der Vorstand der Eliteschule mit 170 Jungen und Mädchen gegen die Schließung zur Wehr gesetzt.

otr/dpa