Schülerstudium: "Ich bin kein Wunderkind" - DER SPIEGEL
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Schülerstudium "Ich bin kein Wunderkind"

Anna Reisch hat für Mathe nicht viel übrig, aber als die Uni Freiburg auch den Studiengang Anglistik für Schüler öffnete, hat sich die 19-Jährige beworben. Einfach um das "Mysterium Uni" mal besser kennen zu lernen.
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"Ich war schon immer eine gute Schülerin, aber keinesfalls ein Wunderkind. Als ich mich in der 11. Klasse für das Schülerstudium beworben habe, hatte ich vor allem Zweien auf dem Zeugnis. Das Freiburg-Seminar, das die Auswahl der Bewerber für die Uni trifft, hat mich trotzdem genommen. Ich habe die Kommission überzeugt, dass meine schulischen Leistungen nicht unter dem Schülerstudium leiden werden. Ein Teil des Bewerbungsgespräches lief auf Englisch.

Inzwischen habe ich einen Notendurchschnitt von 1,3. Natürlich strenge ich mich in der 12. Klasse mehr an, jetzt wo die Noten fürs Abi zählen. Aber ich denke auch, die Uni hat mich beflügelt. Ich habe gelernt, meine Zeit besser einzuteilen und effektiver an einer Aufgabe zu arbeiten.

Ich bin für Anglistik eingeschrieben, das war das einzige Fach in Freiburg, das nichts mit Mathe, Informatik oder Naturwissenschaften zu tun hat. Noch lieber hätte ich Soziologie oder Psychologie studiert, aber diese Fächer hat die Uni leider noch nicht für Schüler geöffnet.

Nach dem Abi will ich nicht mit Anglistik weitermachen. Deswegen nutzen mir auch die Scheine, die ich erworben habe, nichts. Aber es ging mir von vornherein nicht ausschließlich darum, meine Ausbildung zu verkürzen. Ich wollte einfach jetzt schon mal wissen, wie es im Studium zugeht und ob man da anders gefordert wird. Und ich muss sagen: Angst vor dem 'Mysterium Uni' habe ich jetzt nicht mehr. Die Kurse sind gar nicht so schwer wie man denkt.

Ich durfte pro Jahr ein Seminar belegen, dazu musste ich vier Stunden in die Uni. Zuhause habe ich nochmal ein bis zwei Stunden für die Vor- und Nachbereitung gebraucht. Zum joggen, singen und Freunde treffen hatte ich weiterhin genug Zeit. Auch in der Schule habe ich nichts verpasst, ich habe mir mein Seminar so ausgesucht, dass es zu meinem Stundenplan passte.

Die Betreuer sagen uns immer wieder, die Schule geht auf jeden Fall vor. Wenn wir mal ins Trudeln kommen, sollen wir besser die Uni vernachlässigen und für die Klausuren lernen. Man muss Prioritäten setzen können. Schülerstudenten sollten auch offen sein und den Wunsch haben, mehr zu erfahren."

Aufgezeichnet von Antonia Götsch


David Birke, 15, studiert VWL an der Uni Frankfurt und kommt in die 12. Klasse

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