Schülerstudium "Ich will meine Chancen nutzen"
"Im Hörsaal bin ich mit Abstand der Jüngste. Ich habe in der Grundschule ein Jahr übersprungen und bin dann in eine so genannte G8-Klasse gekommen, in der ich das Gymnasium in acht statt neun Jahren absolviere. Da in meiner Klasse viele schnell lernen, werde ich nicht als etwas Besonderes angesehen, nur weil ich jetzt an die Uni gehe. Auch die Kommilitonen an der Uni behandeln mich nicht wie einen Exoten. Wir gehen gemeinsam in die Mensa und reden über Gott und die Welt.
Ich habe vor einem Jahr einen Artikel über das Frühstudium an der Uni Frankfurt in der Zeitung gelesen und mich daraufhin direkt bei der Fakultät beworben. Ich durfte direkt mit dem Dekan sprechen, der mich sehr unterstützte. Danach habe ich mit der Schulleitung gesprochen, denn ich brauchte ein Empfehlungsschreiben vom Direktor und eine Genehmigung.
Studieren macht mir wesentlich mehr Spaß, als in der Schule zu lernen, weil man sich stärker spezialisieren kann. Die Klausuren waren eine ziemliche Herausforderung, aber ich habe sie gut bestanden. Im vergangenen Semester habe ich mich vor allem auf Wirtschaftsinformatik konzentriert. Denn später will ich mal etwas mit Wirtschaft machen und Informatik war schon länger ein Hobby von mir.
Im letzten Jahr habe ich zwei Scheine gemacht, jedes Semester einen. Ich habe jeweils vier Wochenstunden an der Uni verbracht. Jeden Mittwoch bin ich nach der Schule an die Uni gefahren, habe in der Mensa etwas gegessen und die Vorlesung besucht, so dass ich schließlich erst gegen Abend zu Hause war.
Manchmal war es schon ein bisschen stressig, Schule und Studium unter einen Hut zu bringen. Ich habe mir extra eine Vorlesung am Nachmittag ausgesucht, damit ich in der Schule nichts verpasse. Jeden Mittwoch bin ich nach zehn Stunden Schule dann noch von Friedrichsdorf 45 Minuten nach Frankfurt in die Uni gefahren.
Aber es hat sich gelohnt. Zurzeit mache ich gerade ein Praktikum bei einem IT-Unternehmen, das mir über die Uni vermittelt wurde. Wenn ich 17 und fertig mit der Schule bin, habe ich schon ein Semester gespart. Ein Jahr Pause machen oder den ganzen Tag in der Kneipe verbringen will ich dann aber nicht, dafür habe ich mich doch jetzt nicht so angestrengt. Auf jeden Fall ist es ein Startvorteil, wenn man früh gefördert wird und einem alle Möglichkeiten offen stehen. Ich will meine Chancen nutzen."
Aufgezeichnet von Antonia Götsch
Anna Reisch, 19, besucht die 12. Klasse und studiert Anglistik in Freiburg
Henrik Hintz, 18, Chemiestudent und Schüler aus Bremen