US-Schulsystem Lehrer geben Lehrern klasse Noten
US-Schulbus in New York: Auch in der US-Metropole werden Lehrer bald anders bewertet
Foto: © Shannon Stapleton / ReutersHamburg - Die US-Regierung drängt mit einem 4,5 Milliarden Dollar schweren Förderprogramm die Bundesstaaten dazu, neue Bewertungsmethoden für Lehrer einzuführen. Wenn Staaten Gelder aus dem "Race to the Top"-Förderprogramm nutzen wollen, müssen sie Lehrer jährlich nicht nur nach Noten von Vorgesetzten, sondern auch nach der Leistung der Schüler bewerten lassen. Das soll ein System reformieren, in dem bislang nahezu alle Lehrer immer gut bewertet wurden. Doch die ersten Ergebnisse zeigen: Die neuen Verfahren ändern wenig, die überwiegende Mehrheit der Lehrer schneidet weiterhin gut oder sehr gut ab.
98 Prozent der Lehrer in Michigan "effektiv oder sehr effektiv"
Die "New York Times " fasst die Ergebnisse aus einigen Staaten so zusammen: In Florida schnitten in der jüngsten Bewertung 97 Prozent der Lehrer als "effektiv oder sehr effektiv" ab, in Michigan 98 Prozent. In Tennessee wurden 98 Prozent der Lehrer als "den Erwartungen entsprechend" benotet.
Diese Ergebnisse nach den neuen Bewertungsverfahren unterscheiden sich wenig von den alten. Die Probleme des alten Lehrer-Benotungssystems beschreibt der US-Pädagoge Marcus A. Winters so: "In fast jedem Schulsystem schneiden nahezu alle Lehrer als effektiv ab" - selbst an Schulen in Chicago, wo Testergebnissen zufolge die Mehrheit der Viertklässler kaum lesen könne. Allerdings dürften dafür nicht allein die Lehrer verantwortlich sein.
Dass die Mehrheit der Lehrer auch bei den neuen Verfahren außerordentlich gut abschneidet, erklären Experten so: Das Benoten der Schüler in standardisierten Testverfahren ist keineswegs das objektive Kriterium für die Qualität von Lehrern, als das es die Reformer ausgegeben haben.
Verwaltung ändert Bewertungsregeln 21-mal binnen sechs Jahren
Eine Beamtin aus Florida beschreibt das Problem bei dem Verfahren in der "New York Times " so: Die Verwaltung legt fest, wie die Noten bei den Standardtests in die Lehrerbewertung einfließen. Diese Regeln seien binnen sechs Jahren 21-mal geändert worden, die Verwaltung wolle diese Hürde für Lehrer nicht zu hoch anlegen. Das dürfte in vielen Regionen auch auf den Einfluss von Lehrergewerkschaften zurückgehen, die bei der Einführung neuer Bewertungsverfahren beteiligt sind.
Allerdings ist fraglich, ob eine strikte Koppelung der Lehrernoten an die ihrer Schüler die richtigen Anreize schafft: Im US-Bundesstaat Georgia sind 35 Lehrer angeklagt, weil sie Fehler in den Tests ihrer Schüler verbessert haben sollen, um bessere Noten vergeben zu können und dadurch selbst besser abzuschneiden.